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Wissenschaftler testeten ein Jahr lang Kochpraktiken der Vorzeit

  • Was kochten unsere Vorfahren?
  • Das lässt sich zum Teil an Speiseresten in alten Gefäßen bestimmen.
  • Um herauszufinden, wie diese Rückstände zu interpretieren sind, griffen Forscher selbst zum Kochlöffel.
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Dunedin. Getreide mahlen, Wild zerlegen, kochen – nicht gerade die Tätigkeiten, die man in der Job-Beschreibung eines Wissenschaftlers erwarten würde. Doch ein internationales Forscherteam hat sich genau damit ein Jahr lang beschäftigt. Es kochte im Dienste der Wissenschaft Woche für Woche verschiedene Gerichte. Warum? Sie wollten herausfinden, welche chemischen Spuren das Kochen an und in Keramikgefäßen hinterlässt, um mit diesem Wissen archäologische Funde künftig besser interpretieren zu können.

Die Gefäße wurden zwischendurch nur mit Wasser ausgespült. © Quelle: Jillian Swift

Eines ihrer Ergebnisse: Verbrannte Nahrungsreste in den Kochgefäßen sind zumeist Überreste der letzten darin zubereiteten Mahlzeit. Tief im Inneren von Keramiktöpfen finden sich hingegen eher Rückstände, die sich während der gesamten Nutzungszeit des Gefäßes angesammelt haben. Solche Erkenntnisse können etwa erklären helfen, welchem Zweck ein ausgegrabenes Gefäß diente, welche Lebensmittel darin gekocht wurden und ob es immer die gleichen waren. Die Forscher stellen die Ergebnisse ihres Kochexperiments im Fachmagazin “Scientific Reports” vor.

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50 Mal mit Holzstöckchen gekocht – für die Wissenschaft

Wie genau waren die Versuche abgelaufen? Ein Jahr lang hatte das Team um Melanie Miller von der University of Otago (Dunedin/Neuseeland) wöchentlich bestimmte Lebensmittel in unglasierten Keramikgefäßen gekocht. In immer denselben Töpfen bereiteten sie entweder ein Mais-, ein Weizen- oder ein Wildgericht zu, insgesamt 50 Mal. Dazwischen spülten sie die Gefäße mit klarem Wasser aus, Nahrungsreste entfernten sie vorsichtig mit einem Holzstöckchen. Am Ende des Jahres wechselten sie für eine letzte Kochsession das einem Gefäß zugeordnete Rezept und kochten darin ein anderes. Die Frage: Welche Spuren würden sich bei der späteren Analyse der Rückstände darin finden lassen – die der letzten Mahlzeit oder die aller vorhergehenden?

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Die Forscher untersuchten nach der letzten Kochsession die zurückgebliebenen Überreste der Lebensmittel direkt im Inneren der Gefäße. Darüber hinaus analysierten sie Spuren in der dünnen Patinaschicht der inneren Gefäßwände und Fettrückstände direkt im Inneren der Keramik. Sie bestimmten dazu bestimmte Kohlenstoff-Isotope und Fette, anhand derer sie auf die verwendeten Lebensmittel schließen konnten.

Patina zeigte, was im letzten Jahr gekocht wurde

Während sich Reste in den Gefäßen – wenig überraschend – als Spuren der letzten gekochten Mahlzeit erwiesen, wurde die Situation in den anderen untersuchten Bereichen komplexer. In der Patina fanden die Forscher eine Mischung von Überresten der während des gesamten Jahres gekochten Lebensmittel, besonders deutliche Spuren hatte aber das letzte gekochte Gericht hinterlassen. Die Fettanalysen im Inneren der Keramik hingegen entstammten vor allem von der langfristigen Nutzung des Gefäßes.

Einzigartiger Einblick in die Kultur

Die chemische Analyse organischer Rückstände an archäologischem Kochgeschirr gewähre einen einzigartiges Einblick in die kulturellen Praktiken alter Völker, ihre Ressourcennutzung und – über die für die Speisen genutzten Zutaten – ihren Einflusses auf die Umgebung, schreiben die Forscher. Die Informationen können dabei helfen, herauszufinden, welchem Zweck ein archäologisches Gefäß seinerzeit diente. Künftige experimentelle Archäologie-Projekte könnten weitere Lebensmittel und andere Materialien untersuchen.

RND/dpa

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