Wildpflanzen gegen das Artensterben

Während Pflanzenzüchter die Anzahl der Kultursorten für den Garten mit jeder Saison steigern, gilt die Vielfalt wild wachsender Pflanzen teils als gefährdet. Ein Grund mehr, beim Pflanzen auch an die heimischen Arten jenseits des Gartenzauns zu denken.

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Hannover. Wildpflanzen – das Wort weckt in vielen Köpfen eher Gedanken an Unkraut als an Pflanzen, die im Garten wertvoll sein könnten. Gemeint sind an dieser Stelle Arten, die in der Natur eigenständig gedeihen und in Mitteleuropa als heimisch gelten. Laut der aktuellen Roten Liste für Pflanzen des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gilt fast ein Drittel der darin geführten rund 8300 heimischen Wildpflanzen als gefährdet.

Gründe für den Artenschwund

Besonders stark bedroht sind naturgemäß jene Pflanzen, deren Lebensraum selten ist. Arten wie Rundblättriger Sonnentau, die nur in Mooren gedeihen, sind auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Für ihr Fortbestehen sind sie auf den Erhalt ihrer natürlichen Standorte angewiesen. Dass die wenigen in Deutschland noch vorhandenen Moore mittlerweile überwiegend unter Schutz stehen, ist weitgehend unumstritten. Außer Mooren gibt es noch eine Fülle anderer Lebensräume, die längst so selten sind, dass auch die dort heimischen Arten als gefährdet gelten: Feuchtwiesen, auf denen die Schachbrettblume wächst oder Trockenrasen, auf dem das Helm-Knabenkraut gedeihen könnte.

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Manchmal verschwinden Lebensräume aber nicht, sondern verändern sich: Der zunehmende Eintrag von Nährstoffen in Böden und Gewässer gilt als eine Hauptursache für die Gefährdung vieler Arten. Kurz: Dort, wo viel gedüngt wird, dominieren Pflanzen, die viele Nährstoffe brauchen, und verdrängen die „Hungerkünstler“.

Artenvielfalt: Was man im Garten tun kann

Um es gleich vorwegzunehmen: Privatgärten haben in der Bundesrepublik einen Flächenanteil von nicht einmal einem Prozent. Zum Vergleich: Rund die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Das spricht aber nicht dagegen, heimische Wildpflanzen in den Garten zu setzen. Auch wenn der Beitrag zum Artenschutz eher gering sein dürfte, bieten Wildpflanzen auch im Garten viele Vorteile – unabhängig davon, ob sie in ihrem Bestand gefährdet sind oder nicht.

Für die Rote Liste des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wurden knapp 50 Prozent der 28 000 in Deutschland beheimateten Arten auf ihre Gefährdung hin untersucht. Etwa 40 Prozent der untersuchten Arten stehen auf der Roten Liste, knapp 4 Prozent gelten als ausgestorben oder verschollen. Der Hauptfaktor für die Gefährdung ist die Standortzerstörung, die vor allem zum Artenrückgang von Farn- und Blütenpflanzen beiträgt. An zweiter Stelle steht die landwirtschaftliche Nutzung, gefolgt von der forstwirtschaftlichen Nutzung. Im europäischen Vergleich ist der Rückgang des Artenbestands vor allem in den dicht besiedelten Ländern deutlich spürbar.

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Heimische Gärten: Vermehrung durch Selbstaussaat

Der Bestand der Akalei ist in freier Natur rückläufig.
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Heimische Gewächse sind an das Klima und die Standortverhältnisse der jeweiligen Region angepasst und deshalb pflegeleicht. Tiefe Minusgrade im Winter können ihnen nichts anhaben, und die Vermehrung geschieht automatisch durch Selbstaussaat – sofern man sie lässt. Denn einer der wichtigsten Faktoren, die für das Gedeihen von Wildpflanzen wichtig sind, ist eine Portion Gelassenheit im Garten. Wer Sämlinge nicht sofort jätet, sondern Platz für Überraschungen lässt, wird belohnt: Die Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris) sät sich aus, ohne lästig zu werden, und beweist, dass Wildpflanzen durchaus charmant wirken können.

Das gilt auch für die Schlüsselblume (Primula veris), die mit ihren kleinen Blüten durch den Garten vagabundiert. Während ihre in Gewächshäusern vermehrte nahe Verwandte, die Kissenprimel (Primula vulgaris), vielen Gartenbesitzern ein wenig zu knallig daherkommt, trifft das zurückhaltende Pastellgelb einer blühenden Schlüsselblume nahezu jeden Geschmack. Ein weiterer Vorteil: Sie blüht jedes Jahr aufs Neue und geht nicht ein wie eine Primel. Weder Schlüsselblume noch Gewöhnliche Akelei sind vom Aussterben bedroht, allerdings ist ihr Bestand in freier Natur rückläufig. Die eingangs erwähnte Schachbrettblume (Fritillaria meleagris) ist deutlich seltener und kann ebenfalls gut im Garten kultiviert werden. Sie blüht schon ab März, zu einer Zeit, in der die Rabatte meist noch trist aussieht und Blüten besonders kostbar sind.

Wildblumenmischungen: Für mehr Leben in den Beeten

Dass die Blüten der Wildpflanzen hübsch sind, ist gut, dass sie Insekten wertvollen Pollen und Nektar bieten, ist noch besser. Ganz nebenbei wird der Garten durch Wildpflanzen auch ein Stück lebendiger: Wo viele Insekten sind, lassen meist auch die Vögel nicht lange auf sich warten.

Mittlerweile gibt es Wildblumenmischungen zum Aussäen, die besonders vielen Insekten Nahrung bieten und die Beete schmücken. Sie enthalten häufig Arten wie die Wegwarte, die Kornrade oder die Schafgarbe, die man auf Spaziergängen hin und wieder am Wegrand findet. Womit sich die nächste Frage anschließt: Woher bekommt man heimische Wildpflanzen, wenn man sie nicht säen möchte?

Wilde Verwandte anstatt Kultursorten säen

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Ausgraben ist keine Option und im Falle geschützter Arten auch verboten. Gut sortierte Gärtnereien haben neben den Kultursorten manchmal deren wilde Verwandte im Sortiment: Außer Schlüsselblumen, Schachbrettblumen und Gewöhnlicher Akelei wird dort mit etwas Glück auch der in der Natur sehr seltene Braune Storchschnabel (Geranium phaeum) angeboten – ein wilder Verwandter der beliebten Gartensorte Rozanne. Einmal im Garten gepflanzt, sät er sich selbst aus und ist dann zumindest innerhalb des Gartenzauns alles andere als gefährdet.

Von RND / Stefanie Syren

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