• Startseite
  • Wissen
  • Wie wird über den Klimawandel berichtet? Untersuchung zeigt Ungleichgewicht in US-Zeitungen

Wie wird über den Klimawandel berichtet? Untersuchung zeigt Ungleichgewicht in US-Zeitungen

  • US-Amerikaner sorgen sich weniger um die Folgen des Klimawandels als Angehörige vieler anderer westlicher Nationen.
  • Womöglich spielt die Berichterstattung über den Klimawandel in den Medien dabei ein Rolle.
  • Denn eine Untersuchung zeigt, dass Mitteilungen, in denen Maßnahmen abgelehnt werden, sehr viel häufiger in Zeitungen erscheinen.
Anzeige
Anzeige

Providence. US-Zeitungen berichten einer aktuellen Untersuchung zufolge unausgewogen über die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen. Pressemitteilungen, in denen solche Maßnahmen abgelehnt werden, würden doppelt so oft berücksichtigt wie solche, die diese befürworten, berichtet die Soziologin Rachel Wetts in den “Proceedings” der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (”PNAS”). Überraschenderweise tauchten Mitteilungen von Organisationen mit großer wissenschaftlicher Expertise besonders selten in den untersuchten drei Zeitungen auf: der “New York Times”, dem “Wall Street Journal” oder “USA Today”. Die Ergebnisse könnten helfen zu verstehen, warum der Klimawandel Amerikaner grundsätzlich weniger beunruhigt als viele Menschen in anderen westlichen Ländern.

“Wenn man Amerikaner fragt, welche Themen ihnen wichtig sind, finden sich Klimawandel und Umwelt stets weit unten auf der Liste”, sagt Wetts. Die Berichterstattung in den Medien liefere womöglich eine Erklärung für das öffentliche Desinteresse an diesen Themen.

In drei Jahrzehnten verschwindend wenig Mitteilungen gezählt

Für ihre Untersuchung hatte die Forscherin der Brown University in Providence (US-Staat Rhode Island) Pressemitteilungen verschiedener Institute, Organisationen und Unternehmen sowie die Berichterstattung darüber in den drei Zeitungen unter die Lupe genommen. Insgesamt berücksichtigte sie einen Zeitraum von fast drei Jahrzehnten, von 1985 bis 2014. Sie bewertete zunächst, ob eine Mitteilung Klimaschutzmaßnahmen befürwortete oder ablehnte. Mit Hilfe einer Plagiatssoftware prüfte sie dann, welche Mitteilungen von einer Zeitung aufgegriffen wurden.

Insgesamt wurden etwa 14 Prozent von Pressemitteilungen, in denen Klimaschutzmaßnahmen abgelehnt werden, von den Zeitungen berücksichtigt - im Vergleich zu nur gut sieben Prozent der Mitteilungen, die ein Handeln für nötig erachten. Obwohl Meldungen der ersten Kategorie insgesamt nur zehn Prozent aller Pressemitteilungen ausmachten, wurden sie doppelt so häufig in der Berichterstattung berücksichtigt, berichtet Wetts.

Je wissenschaftlicher, desto weniger Berücksichtigung

Mitteilungen großer Unternehmen mit vielen Mitarbeitern fanden besonders häufig ihren Weg in die Medien, ebenso wie solche von Gruppen, die Wirtschaftsinteressen vertreten. Mit Wissenschaft und Technologie befasste Organisationen - etwa die American Academy of Arts and Sciences oder die American Geophysical Union - hatten es der Untersuchung zufolge besonders schwer: Nur knapp drei Prozent ihrer Mitteilungen wurden in den Zeitungen berücksichtigt. “Man würde annehmen, über Organisationen mit größerer wissenschaftlicher Expertise würde in den Zeitungen mehr berichtet”, sagt Wetts. “Aber ich habe genau das Gegenteil festgestellt.”

Eine eindeutige Erklärung für das Ungleichgewicht hat die Wissenschaftlerin nicht. Teilweise seien die Journalisten wohl mitverantwortlich dafür: Im Bemühen, besonders ausgewogen und fair berichten zu wollen, ließen sie immer auch die Gegenseite zu Wort kommen - auch wenn sie wie im Falle des Klimawandels aus einer verschwindend kleinen Gruppe von Experten besteht, die Klimaschutzmaßnahmen ablehnten. Das lasse Leser glauben, das Leugnen des Klimawandels sei mehr als eine Minderheitsmeinung.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen