Wie die Menschen auf dem Mond landeten

Die Mondlandung am 21. Juli 1969 war auch in Deutschland ein großes Ereignis. Doch dem Triumph der Raumfahrer gingen viele Probleme voraus. Der Erfolg stand bis zuletzt auf Messers Schneide.

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Hannover. Es ist alles formuliert, die Worte liegen bereit. Sie sollen Hunderte Millionen in den USA und aller Welt vorbereiten auf den Tod. Auf den Abschied von drei Männern, die sie am Fernseher tagelang bei einem verwegenen Versuch begleitet haben, mit denen sie gehofft und gebangt haben – und die ihnen dabei nahegekommen sind. „Diese mutigen Männer“, so soll es Präsident Richard Nixon sagen, „Neil Armstrong und Edwin Aldrin, wissen, dass es keine Hoffnung gibt, sie zurückzuholen. Aber sie wissen auch, dass ihr Opfer der Menschheit Hoffnung schenkt.“

Die Familien, Freunde, ihre Nation, ja, auch „die Völker der Welt werden um sie trauern“. Kleiner hat es der Präsident nicht. Aber auch in Sachen Pathos gibt es an diesem Tag nach oben keine Grenze. „Eine Mutter wird um sie trauern, die es gewagt hat, zwei ihrer Söhne ins Ungewisse zu schicken“, so geht Nixons Rede weiter.

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30 Jahre alter Nachruf verdeutlicht Unsicherheit Amerikas

Was sollte er auch sonst sagen? Dass es mitnichten Mutter Erde war, die die drei Männer zum Mond schickte, sondern eine zunächst gekränkte, dann überehrgeizige, schließlich siegesverliebte Nation, die es schlecht ertrug, mal nur Zweiter zu sein? Dass dieses Projekt ein Wagnis war, bei dem von Anfang an klar war, dass es scheitern könnte? Dass die Risiken so groß waren und die Pannen so zahlreich, dass die Verantwortlichen zeitweise dazu rieten, das Programm Apollo, mit dem erstmals ein Mensch zum Mond gebracht werden sollte, abzubrechen? Das wäre ehrlich gewesen. Aber wer hätte das in diesem Moment schon hören wollen.

Richard Nixon hat diese Rede nie halten müssen. Sein Redenschreiber hat sie am 18. Juli 1969 verfasst, zwei Tage nach dem Start von Apollo 11 vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida. Sie war gedacht für den Fall, dass Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin vom Mond nicht wieder abheben können, dass sie also dort sterben würden.

Dazu kam es nicht. Die Mondmission Apollo 11 wurde ein Triumph. Eine Heldenerzählung, die das Selbstbewusstsein dieser Nation aufpumpte. Aber allein, dass es diese Rede gab, dass sie noch in Auftrag gegeben wurde, als Armstrong, Aldrin und Michael Collins schon im All waren, erzählt viel darüber, wie knapp es war. Bis zum letzten Moment. Die Existenz dieses Nachrufs hielten die USA damals streng geheim. Erst 30 Jahre später kam heraus, dass das Weiße Haus sie fertig in der Schublade hatte.

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50 Jahre Mondlandung

Von Peenemünde zur Nasa

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Gastgeber ist Wernher von Braun, ein 45-jähriger deutscher Ingenieur, der die Raketen hier unter anderem mit 100 Landsleuten entwickelt hat. Gerade hatte er seine Gäste über das Gelände geführt. Jetzt, er ist in seinem Büro, klingelt sein Telefon. Was er davon halte, fragt ihn ein Journalist. Wovon, fragt von Braun zurück. „Na, von dem Satelliten, den die Russen gerade in die Umlaufbahn geschossen haben.“ Er sei nicht überrascht gewesen, wird sich von Braun später an diesen Anruf erinnern. Eher schon enttäuscht. „Weil wir nicht die Möglichkeit bekommen hatten, das vor ihnen zu tun.“ Dass es den Russen als Ersten gelingt, mit „Sputnik“ einen Satelliten ins All zu schießen, ist ein Schock für die USA. Ausgerechnet ein Deutscher soll helfen, das Land von diesem Schock zu heilen.

Wernher von Braun ist einer der besten Raketeningenieure seiner Zeit. 1912 als Sohn einer pommerschen Adelsfamilie geboren, beginnt er 1930 ein Studium der theoretischen Physik in Berlin. Schnell macht er Karriere. 1937 wird er technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Mit seinem Team baut er Raketen, die Hitler den Sieg bringen sollen. 1940 tritt er in die SS ein. Er arbeitet für die Nazis in Peenemünde und später im KZ Mittelbau-Dora in Thüringen, wohin die Produktion der „Vergeltungs“-Rakete V2 1943 verlagert wird. Tausende Häftlinge sterben bei der harten Arbeit – von Braun hatte sie zuvor zum Teil selbst ausgewählt. Die Leichen werden gestapelt, von Braun geht an ihnen vorüber – „so nah, dass er die Leichen fast berührte“, erinnert sich ein Überlebender später.

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Braun wird zur amerikanischen Heldenfigur

Doch diese Dinge interessieren 1957 ernsthaft noch niemanden. Von Braun hatte sich 1945 in die USA abgesetzt – und kultivierte den Mythos vom unpolitischen Ingenieur, dem es doch immer nur darum gegangen sei, Raketen zu bauen. Die USA ließen sich darauf ein, sie brauchten die besten Wissenschaftler, um militärisch die Oberhand über die aufstrebende Sowjetunion zu behalten.

Wernher von Braun, dieser begeisternde Konstrukteur, gut aussehend, großspurig, wird zur deutsch-amerikanischen Heldenfigur. Vier Monate nach dem „Sputnik“-Schock bringt er den ersten amerikanischen Satelliten ins All. Später entwickelt er die 2940 Tonnen schwere Saturn-Trägerrakete, die die Apollo-Kapseln ins All bringt. Und er ist auch einer der wenigen, die schon vorab jenen Satz kennen, den Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 vor dem amerikanischen Kongress sagt: „Ich glaube, dass sich die Vereinigten Staaten das Ziel setzen sollten, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond und wieder sicher zur Erde zurückzubringen.“

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Wettlauf der Supermächte: Überteuert und Pannenreich

Dieses Mal schneller zu sein als die Sowjets, das war für die Amerikaner die Haupttriebfeder für ihr Mondprogramm. Es war ein Wettlauf der Supermächte. Kennedys Vorgabe, das gewaltige Projekt in nur neun Jahren umzusetzen, galt damals vielen Experten als zu ehrgeizig. Doch die US-Regierung setzte eine Maschinerie in Gang, für die damals sagenhafte Summen ausgegeben wurden, zeitweise arbeiteten 400.000 Menschen daran, die Überlegenheit des Westens zu beweisen. Von Anfang an war es nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern auch eine von Pannen und tödlichen Unfällen.

Virgil Grissom, Edward White und Roger Chaffee tragen bereits ihre weißen Raumanzüge, als sie am 27. Januar 1967 den Fahrstuhl zur Ebene acht der Startrampe 34 in Cape Canaveral betreten. Er bringt sie zu der Kapsel an der Spitze der Saturn-Rakete: Apollo 1. Vier Wochen noch, bis Apollo 1 zum ersten Mal ins All starten soll. In den Jahren zuvor haben die Amerikaner mit dem Gemini- und dem Mercury-Programm die Technik für die bemannte Raumfahrt entwickelt. Jetzt geht es mit Apollo um die Mondlandung. Für diesen Tag ist ein Test geplant, ein simulierter Countdown.

Der große Rückschlag

Eine Routineübung. Doch schon früh gibt es Anzeichen, dass etwas nicht stimmt. Grissom, 40, ist der Erfahrenste der drei. Jetzt, beim Test von Apollo 1, bemerkt er schon beim Einsteigen in die Kapsel einen stechend-säuerlichen Geruch, für den die Techniker keine Ursache finden. Dann ist die Funkverbindung zum Kontrollzentrum so schlecht, dass die Astronauten kaum ein Wort verstehen. „Wenn wir uns noch nicht einmal über fünf Kilometer verständigen können, wie zum Teufel soll es dann vom Mond aus gehen?“, schimpft Grissom.

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Es ist 18.31 Uhr, die Mannschaft geht noch einmal ihre Checkliste durch, als das Team im Kontrollzen­trum einen Aufschrei aus der Kapsel hört. „Hey“, ruft einer der drei. Dann, einen Moment später: „Wir haben ein Feuer im Cockpit!“ Ein Kurzschluss, so wird man feststellen, hatte den Brand ausgelöst; in der reinen Sauerstoffatmosphäre in der Kapsel breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Grissom muss noch versucht haben, die Bolzen der Luke zu öffnen. Er hatte keine Chance.

Das Apollo-1-Desaster ist ein Schock für die Weltraumbehörde Nasa. Und für eine Nation, die vergessen hatte, wie riskant das Mondprojekt war. Für eineinhalb Jahre setzt die Nasa ihr bemanntes Raumfahrtprogramm aus. Der Brand ist auch ein Warnruf, alles noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

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15 Meter bis zum Aufprall

Am 6. Mai 1968 herrscht starker Wind über dem Luftwaffenstützpunkt Ellington nahe Houston, Texas. Neil Armstrong, zu diesem Zeitpunkt 37 Jahre alt, ehemaliger Kampfpilot, nach vielen Tests auserkoren für das Apollo-Programm, probt mit einem Übungsgerät die Landung auf dem Mond. Das „Lunar Landing Training Vehicle“ ist jener Mondlandefähre nachempfunden, die gut ein Jahr später auch bei der Mondmission zum Einsatz kommen soll.

Es ist Armstrongs 21. Testflug. Bislang ist nie etwas passiert. Jetzt, kurz vor dem Aufsetzen, schießt die Fähre wieder nach oben, kippt auf die Seite, torkelt, fällt Richtung Boden. „Ich muss aus dem Apparat raus“, schreit Armstrong in den Lautsprecher. 15 Meter über dem Boden katapultiert er sich mit dem Schleudersitz heraus. Eine Sekunde später wäre er bei der Explosion der waghalsigen Kon­struktion ums Leben gekommen. Dennoch fährt er kurze Zeit später hinüber in sein Büro und arbeitet weiter, als wäre nichts geschehen.

Armstrong: Ehrgeizig aber kaltblütig

Neil Armstrong, der am 21. Juli 1969 als erster Mensch den Mond betreten wird, galt als der beste Pilot seiner Generation, als ehrgeizig, zielstrebig, unbeirrt. Und als schweigsam, stoisch, unberührt. Auch nachdem 1962 seine zweijährige Tochter an Krebs gestorben war, kam er ein paar Tage später wieder zur Arbeit. Gefühle zuzulassen, über sie zu sprechen, das war offenbar nicht seine Sache, sei es Trauer, sei es Angst.

Aber wahrscheinlich war genau dies eine nötige Voraussetzung, um Teil dieser Mission zu werden. Es ist nicht zuletzt die Kaltblütigkeit von Armstrong und Aldrin, die Apollo 11 zu einem Erfolg machen. Mindestens zweimal steht das Unternehmen Sekunden vor dem Abbruch.

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Fehlercode kurz vor der Landung

Drei Tage ist das Raumschiff Columbia zum rund 384.000 Kilometer entfernten Mond unterwegs gewesen, als Armstrong und Aldrin in die Mondlandefähre Eagle umsteigen. Während Michael Collins allein seine Runden um den Mond dreht, wagen seine Kollegen den Landeanflug auf den Erdtrabanten. Nur etwa 1500 Meter über der grauen Oberfläche des Mondes gibt der Navigationscomputer plötzlich Alarm: Er meldet die Fehlercodes „1201“ und „1202“ – Aldrin liest sie, versteht sie aber nicht.

Die Tonbänder, auf denen der Funkverkehr zwischen der Landefähre und dem Kontrollzentrum in Houston aufgezeichnet ist, haben die Anspannung der Astronauten festgehalten. Sie brauchen jetzt rasch eine Entscheidung: Abbrechen, das Scheitern so kurz vor dem Ziel eingestehen? Oder einfach weitermachen? In Houston meldet sich ein junger Computerexperte zu Wort: Er hat die Fehlermeldung schon einmal bei einer Simulation gesehen, er weiß, dass sie harmlos ist. Der Computer mit einer für heutige Verhältnisse bescheidenen Rechenkapazität ist schlicht überlastet, weil versehentlich statt eines Radargeräts zwei Radargeräte eingeschaltet sind. Zu viele Daten. Aber das System ist so programmiert, dass es sich stets auf die wichtigen Dinge konzentriert – die Landung kann fortgesetzt werden.

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Mondlandung im Blindflug

Doch Armstrong ist abgelenkt. Er kann sich nicht darauf konzentrieren, die Navigation zu überwachen, während der Autopilot den geplanten Landeplatz im Mare Tranquillitatis, dem Meer der Ruhe, anfliegen soll. Spät bemerkt er, dass der Eagle übers Ziel hinausschießt. Durch die Fenster der Fähre sieht Armstrong ein Geröllfeld unter sich, hier könnten die Stützstreben der Fähre beim Aufsetzen abbrechen. Präsident Nixon hätte seine vorbereitete Trauerrede halten müssen.

Jetzt bewährt sich Armstrongs Nervenstärke. Er schaltet den Autopiloten aus, übernimmt die Handsteuerung. Doch dann meldet Houston ein Problem: Der Treibstoff reicht nur noch für 60 Sekunden, damit die Fähre später noch genug Reserven für den Rückflug hat. Armstrong sucht. Er überfliegt einen Krater, entdeckt eine ebene Fläche, bremst die Fähre. „30 Sekunden“ tönt es aus dem Lautsprecher. Der Eagle ist nur noch knapp sechs Meter über der Oberfläche, als der aufwirbelnde Mondstaub Armstrong die Sicht nimmt. Er muss im Blindflug landen. Das Manöver gelingt, behutsam setzt die Fähre auf. Armstrong meldet: „Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed.“

Eagle landet im Apollo-Studio

Und dann steht zunächst das Bild auf dem Kopf. Es ist der 21. Juli 1969, ein Montag, 3.56 Uhr mitteleuropäischer Zeit, als Armstrong die Oberfläche des Mondes betritt – auf den Fernsehschirmen zunächst falsch herum. Die Kamera an der Landefähre, die Armstrong vor seinem Abstieg eingeschaltet hat, ist aus Platzgründen kopfüber montiert worden. Die Aufnahmen werden auf Bildschirme übertragen und dann fürs Fernsehen noch einmal abgefilmt. Hektisch schalten die Techniker das Bild um, damit rund 600 Millionen Menschen richtig herum zusehen können, wie Armstrong die Leiter herabsteigt.

Aber der entscheidende Satz von dem kleinen Schritt für einen Menschen, der ein großer Sprung für die Menschheit ist, der wird zumindest den deutschen Fernsehzuschauern erst später nachgereicht: Er ist während der Übertragung nicht zu hören, der ohnehin schlechte Ton geht just in diesem Moment in Rauschen über.

Die Landung auf dem Mond ist ein Triumph der Technik, der Sieg der Amerikaner nach einem zehnjährigen Wettlauf. Mehr noch aber ist sie ein gewaltiges Medienereignis. Das Apollo-Studio der ARD in Köln bleibt 25 Stunden ununterbrochen auf Sendung. Bis heute ist es die längste Liveübertragung in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Interaktives Fernsehen 1969: Etwas holprig

Wochenlang wurden die Kulissen von Handwerkern nach Konstruktionsplänen der Nasa und mithilfe von Fotos gebaut. Experten erklären jedes Detail, jedes mögliche Problem der Mondmission. Die ARD hat zudem eine Reihe von Professoren verschiedener Fakultäten eingeladen, die telefonisch gestellte Fragen der Zuschauer beantworten. Es ist eine frühe Form interaktiven Fernsehens. Der inhaltliche Anspruch ist hoch, die Inszenierung mit Schaubildern und Animationen wirkt – zumindest aus heutiger Sicht – manchmal etwas unbeholfen. Nicht immer wissen die Moderatoren, wie sie Lücken überbrücken sollen.

Erschwert wird die Sendung dadurch, dass im All und auf dem Mond oft stundenlang nichts Besonderes passiert: So vergehen zwischen der spektakulären Landung und dem Öffnen der Luke mehr als sechs Stunden, in denen die Astronauten eigentlich vor allem schlafen sollen. Mit Diskussionsrunden und Dokumentationen wollen die TV-Macher die Spannung erhalten.

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Jeder wollte einen: Durchbruch des Fernsehens

Wettgemacht wird das streckenweise zähe Programm von den atemberaubenden Bildern, die die Nasa den deutschen Sendern verkauft hat: Für etwa 130 Minuten Livematerial soll die ARD 250.000 Mark, das ZDF 125.000 Mark gezahlt haben – damals eine gewaltige Summe. Die Aufnahmen vom Mond sind zwar schwarz-weiß und nicht sehr scharf, der Ton ist miserabel, ständig piept es nervtötend, der Funkverkehr zwischen Mond und Houston ist verrauscht. Aber es sind die ersten Bewegtbilder von der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers.

Wer in dieser Zeit ein Kind ist, wächst mit der Geschichte auf, wie er oder sie mitten in der Nacht geweckt wurde, um diese Bilder zu sehen. Die Mondlandung brennt sich in die Biografien auch der Deutschen ein, weil fast jeden eine Geschichte mit der Mondlandung verbindet. Sie handelt davon, wie man sich abends mit Freunden traf, um gemeinsam fernzusehen. Oder wie man sich nachts mühsam wachhielt, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen.

Für das Fernsehen ist es der Durchbruch. Nach der Mondlandung will jeder einen eigenen Fernseher haben. Bis 1972 steht tatsächlich einer in fast jedem deutschen Haushalt. Das Fernsehen ist zum Leitmedium geworden.

Der Mond in Zahlen

Das Leben danach

Armstrong, Aldrin und Collins waren die Helden der Nation. Sie wurden mit Konfettiparaden in New York gefeiert, danach reisten sie in viele Länder, um den Triumph des Westens zu feiern. Doch alle drei wollten schon sehr bald keine Astronauten mehr sein.

Armstrong hat viele Angebote, in die Politik zu wechseln, abgelehnt. Stattdessen übernimmt er ab 1971 einige Jahre lang eine Professur für Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Cincinnati. Später gründet er eigene Firmen, die ihn zum Millionär machen. Die Öffentlichkeit meidet der zeitweise berühmteste Mensch der Welt so gut es geht, vom Ruhm der Mondlandung will er nicht profitieren. Im August 2012 stirbt Armstrong an den Folgen einer Herzoperation. Sechs Jahre später wird bekannt, dass er viele Erinnerungsstücke an die Mondlandung gesammelt hat – losgelassen hat ihn der Mond nie. Insgesamt 2000 Gegenstände, etwa seine Identifikationsplakette, lassen seine beiden Söhne versteigern – und kassieren dafür mehrere Millionen Dollar.

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Für Aldrin begannen schwere Zeiten

Für Aldrin beginnt die schwierigste Phase der Mission nach seiner Rückkehr. Er kommt, berichtet er später, nicht gut damit zurecht, dass die jahrelange Fixierung auf ein Ziel auf einmal erledigt war: „Zum ersten Mal seit mehr als 40 Jahren hatte ich niemanden, der mir sagte, was ich tun sollte, niemand schickte mich auf eine Mission. Anstatt ein überschwängliches Gefühl der Freiheit zu fühlen, fühlte ich mich isoliert, allein und unsicher.“ Aldrin leidet unter Depressionen, ist bis in die späten 70er-Jahre Alkoholiker.

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Kurz arbeitet er als Cadillac-Verkäufer in Beverly Hills, kann aber in einem halben Jahr kein einziges Auto verkaufen. Drei Ehen gehen in diesen schweren Jahren in die Brüche. Heute ist Aldrin noch oft als Raumfahrtexperte im US-Fernsehen zu sehen. Immer wieder plädiert er für neue Reisen zum Mond und zum Mars. So ist er dabei, als US-Präsident Donald Trump im Dezember 2017 das Dekret unterschreibt, das die Nasa beauftragt, bis 2024 wieder einen Menschen zum Mond zu schicken – als Zwischenstopp für den Aufbruch zum Mars.

Collins: Nicht der beste Sitz - aber glücklich

Von Michael Collins, der während der Mondlandung allein in der Raumfähre saß, wird oft vermutet, er sei sehr unglücklich gewesen. Er hat das stets bestritten: „Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von Apollo 11 hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte.“ Schon 1970 verlässt Collins die Nasa, ein Jahr später wird er Direktor des Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseums in Washington. Im Alter zieht sich Collins zurück. „Grummelig“ sei er geworden, sagt er. Aber er habe Glück gehabt im Leben – und sei glücklich gewesen: „Schreibt ,Glücklich‘ auf meinen Grabstein.“

Von Thorsten Fuchs/Udo Harms/RND