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Wenn Frauen wortlos verschwinden und Männer nicht allein sein können

Ghosting, Benching, Gatsbying, Cu­shioning, offene und polyamore Beziehungen: Die sozialen Medien und Zeitschriften sind derzeit voll mit den neuesten „Beziehungstrends“. Doch was verbirgt sich dahinter. Eine Einschätzung von Paartherapeut Christian Hemschemeier.

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Hamburg. „Ghosting“ wird häufig eher Männern nachgesagt, ist aber in Wirklichkeit Frauensache: Jede vierte Frau hat schon einmal jemanden „geghostet“, während nur knapp jeder fünfte Mann beim Kennenlernen wortlos verschwindet. Doch das ist auch schon der einzige „Trend“ in Sachen Beziehung, der tatsächlich weit verbreitet ist. Neueste Studien zeigen, dass die anderen angeblichen Trends eher Nischenphänomene bleiben.

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"Benching" – sich immer mal wieder melden, ohne verbindlich zu werden – ist bei beiden Geschlechtern gleich verbreitet, doch nur 16 Prozent der Deutschen wurden tatsächlich schon derart "auf die lange Bank geschoben". "Gatsbying", der Versuch, jemanden über soziale Netzwerke zu beeindrucken, ist dagegen eher Frauensache, wobei nur 8 Prozent aller Frauen versuchen, online die Aufmerksamkeit des Schwarms oder Partners zu gewinnen.

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Männer, vor allem in den Dreißigern, unterliegen eher dem "Cushioning": sich parallel zur Beziehung noch andere Frauen warmhalten, damit man(n) im Falle einer Trennung weich fällt. Das bestätigt, dass das vermeintlich "starke Geschlecht" nicht gut allein sein kann.

Und das bringt uns auch schon zu den nächsten beiden Pseudotrends: offene Beziehungen, in denen man abspricht, jeweils mit anderen Partnern außerhalb der Beziehung Sex zu haben, und polyamore Beziehungsmodelle, bei denen eine Person mehrere Partner liebt und zu jedem einzelnen eine Liebesbeziehung pflegt, was einvernehmlich gelebt wird.

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Treue steht an erster Stelle

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Doch die Monogamie hat noch lange nicht ausgedient, denn gerade einmal 6 Prozent der Deutschen haben schon eine offene Beziehung geführt, und nur 5 Prozent haben im Sinne der Polyamorie eine Beziehung mit mehreren Personen geführt. Die Deutschen sind sich einig: für 97 Prozent ist Treue – Trend hin oder her – die wichtigste Eigenschaft eines Partners.

Und in Sachen offene Beziehungen ziehen Männer sowieso den Kürzeren. Zwar wird dieses Thema meist von den Herren auf den Tisch gebracht, doch letztendlich sind es dann weitaus häufiger die Frauen, die diese neu gewonnene Freiheit ausgiebig genießen. Zum einen fällt es ihnen generell leichter, neue Sexualpartner zu finden, zum anderen hat das Klischee „Frauen sind Kletten“ aus vergangenen Zeiten längst ausgedient.

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Männer sind nicht gern allein

Tatsächlich sind Männer die wahren Beziehungsjunkies: Knapp drei Viertel der liierten Männer fühlen sich ohne ihre Partnerin nicht komplett und die absolute Mehrheit kann sich eine Beziehung ohne gemeinsame Wohnung nicht vorstellen. Frauen dagegen brauchen mehr Freiraum: Für zwei Drittel der vergebenen Frauen ist es ein Trennungsgrund, wenn ein Partner sie einengt, und die meisten achten schon bei der Partnerwahl auf einen unabhängigen Charakter.

Das liegt wohl auch an der besseren Single-Kompetenz: Frauen würden sich eher trennen, als unglücklich vergeben zu sein, und stellen damit ihre Lebenszufriedenheit über die Angst vor der Einsamkeit – während die Hälfte der vergebenen Männer lieber unglücklich ist als allein. Das sind die Ergebnisse der Elitepartner-Studie 2017, der größten Partnerschaftsstudie Deutschlands.

Doch egal, welcher „Datingtrend“ einem zwischen „Brigitte“, „Men’s Health“, „Cosmopolitan“ und Co. begegnet: Zeigen Sie große Skepsis. Daten hat nichts mit Trends und Tricks zu tun, sondern mit Gefühlen. Und jedes Verhalten, das nicht Ihren Wünschen und Sehnsüchten entspricht, hat das Potenzial, Sie zu verletzen. Also: Lieber einmal mehr als einmal zu wenig „Nö, danke, tschüs!“ sagen.

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Der Autor ist zu erreichen unter www.liebeschip.de. Sein neues Buch "Der Liebescode" ist jetzt im Handel

Von Christian Hemschemeier/RND