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Weltraumbahnhof in Deutschland: Von einer Offshore-Plattform ins All?

  • Vertreter aus der Raumfahrtindustrie fordern einen deutschen Standort für einen Weltraumhafen.
  • Dafür brauchen sie aber viel Platz.
  • Ein Bremer Unternehmen hat da einen Vorschlag: eine Offshore-Plattform für Raketenstarts mitten in der Nordsee.
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Raketen, die von der deutschen Küste aus starten – davon träumen Vertreter der Raumfahrtindustrie schon länger. „Wir brauchen einen unabhängigen Zugang zum All“, betonte Andreas Hammer vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDI) bereits im Oktober.

Die Forderung der Raumfahrtindustrie: Die Bundesregierung müsse die staatlichen Raumfahrtinvestitionen massiv aufstocken und die Voraussetzungen für den Bau eines privaten Weltraumhafens in Deutschland schaffen.

Ideen für mögliche Standorte mit einer Raketenstartbasis stehen bereits zur Diskussion, sie liegen an der deutschen Küste. Diskutiert wurden etwa Rostock-Laage nahe der Ostsee und Nordholz nahe Cuxhaven an der Nordsee. Das Problem: Deutschland ist stark besiedelt. Es fehlt ausreichend Platz für einen Raketenstart.

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Raketenstart mitten in der Nordsee?

Als „mutig und interessant“ bezeichnete Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender des Raumfahrtunternehmens OHB aus Bremen, die BDI-Forderung nach einem „Spaceport“ in einem Interview mit der „Zeit“. Wegen dichter Besiedlung gestalte sich so ein Vorhaben aber nicht so einfach wie beispielsweise im Norden von Skandinavien oder Schottland.

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Doch dafür hat Fuchs einen Lösungsvorschlag erarbeitet: „Wenn wir eine eigene Startbasis für kleine Raketen haben wollen, müssen wir über Offshore-Plattformen vor der deutsche Küste nachdenken“, sagte er jüngst gegenüber der „FAZ“.

Erste Analyse für Offshore-Plattform zuversichtlich

Eine erste Analyse hat laut „FAZ“-Medienbericht das Start-up Rocket Factory Augsburg, eine OHB-Tochtergesellschaft, erstellt. Das Fazit: Technisch seien Raketenstarts von Offshore-Plattformen an der deutschen Küste machbar.

Demnach eigne sich für den möglichen Weltraumbahnhof in Deutschland ein Standort am äußersten nordwestlichen Rand der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in der Nordsee. Der nächste große Hafen wäre dann etwa 350 Kilometer entfernt. Die Startbasis könne eine mobile Hubinsel sein, die sich mit absenkbaren Stelzen auf dem Meeresgrund abstützt.

Plattform als Startbasis für Raketen gab es bereits

Andere Länder haben bereits gezeigt, dass das funktionieren kann. Vor der Küste Kenias existierte beispielsweise schon zwischen 1964 und 1988 ein italienischer Startplatz für Höhenforschungsraketen. Die San-Marco-Plattform im Wasser wurde aus zwei ehemaligen Ölplattformen zusammengebaut.

Ein weiteres Beispiel ist das 1995 entstandene Schweizer Projekt Sea Launch. Von umgewandelten Ölbohrplattformen, stationiert in Long Beach im US-amerikanischen Kalifornien, starteten ebenfalls Satelliten. Allerdings gab es dort 2007 einen missglückten Start, bei dem eine Trägerrakete explodierte.

Mehr Raketen in der Zukunft

Die Zeit für einen Weltraumbahnhof hierzulande drängt laut der deutschen Raumfahrtindustrie. Diese fürchtet, eine Chance zu verpassen. „Wenn Deutschland keine Möglichkeit schafft, werden neue Systeme von anderen europäischen Staaten starten“, äußerte sich etwa der BDI-Präsident Dieter Kempf. „Die Stärke des Hightech-Standorts Deutschland spiegelt sich nicht in den staatlichen Raumfahrtinvestitionen wider“, kritisierte er anlässlich des BDI-Weltraumkongresses im Oktober.

In den kommenden Jahren würden immer mehr „Megakonstellationen“ mit rund 12.000 Satelliten im erdnahen Orbit entstehen, heißt es in einer BDI-Pressemitteilung. Diese würden beispielsweise einen weltweiten Internetzugang ermöglichen. Der Bedarf an kleinen Trägerraketen werde dafür massiv steigen.

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