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Explosion in Beirut: Was ist Ammoniumnitrat?

Rauch steigt nach einer Explosion über einem Gebäude am Hafen auf. Eine schwere Explosion erschüttert die Innenstadt von Beirut und beschädigte Gebäude. Es sollen Hunderte Menschen verletzt worden sein.

Rauch steigt nach einer Explosion über einem Gebäude am Hafen auf. Eine schwere Explosion erschüttert die Innenstadt von Beirut und beschädigte Gebäude. Es sollen Hunderte Menschen verletzt worden sein.

Eine Explosion hat die libanesische Hauptstadt Beirut am Dienstag erschüttert. Unsachgemäß gelagertes Ammoniumnitrat könnte laut Ministerpräsident Hassan Diab der Auslöser für die Katastrophe mit bisher mehr als hundert Toten sein.

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Ammoniumnitrat ist ein Salz, das aus Ammoniak und Salpetersäure besteht. Es wird wegen seines hohen Stickstoffgehalts zur Herstellung von Düngemitteln und als Oxidationsmittel zum Antrieb von Raketen genutzt. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz. Wird der Stoff sachgemäß gelagert, geht keine große Gefahr von ihm aus, da er selbst nicht brennbar ist.

Enorme Sprengkraft: Darum ist Ammoniumnitrat so gefährlich

Der Stoff ist jedoch wärmeempfindlich. Bereits bei 32,2 Grad wechselt Ammoniumnitrat laut der Fachzeitschrift Chemie Technik seine Erscheinungsform, die Kristalle beginnen bei 170 Grad zu schmelzen. Bei der Erhitzung entstehen zunächst Lachgas und Wasserdampf.

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Bei einer starken Initialzündung durch einen anderen, brennbaren Stoff zerfällt der feste Stoff jedoch schlagartig in ausnahmslos gasförmige Produkte. Ein Kilogramm des festen Salzes verwandelt sich dabei explosionsartig zu 980 Litern Wasserdampf, Stickstoff und Sauerstoff. Dies erklärt die enorme Sprengkraft von Ammoniumnitrat. Dazu kommt eine Detonationsgeschwindigkeit von 2500 Metern pro Sekunde.

Das online Chemikalien-Lexikon empfiehlt deshalb die Lagerung in trockenen, dicht verschlossenen Behältern. Der Stoff soll nicht mit brennbaren Stoffen in Kontakt kommen und vor Hitze geschützt werden.

2750 Tonnen waren im Hafen in Beirut gelagert

In einer Halle im Hafen von Beirut sollen 2750 Tonnen Ammoniumnitrat gelagert worden sein. Der Stoff könnte von einem Frachtschiff stammen, dem libanesische Behörden laut Berichten im Jahr 2013 wegen verschiedener Mängel die Weiterfahrt untersagt hatten. Das Schiff war demnach von Georgien aus ins südafrikanische Mosambik unterwegs. Der Besatzung gingen dann Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt.

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Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde. Medienberichten zufolge war die Feuerwehr Beirut vor der Detonation aufgrund eines Brandes in der Hafenanlage im Einsatz. Ob das Ammoniumnitrat tatsächlich Auslöser für die Detonation war, steht noch nicht fest. Auch Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gibt es bisher nicht.

Trump bezeichnet Explosion in Beirut als mutmaßlichen Bomben-Anschlag

US-Präsident Donald Trump hat nach der schweren Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut den Menschen im Libanon sein Mitgefühl ausgesprochen.

Ammoniumnitrat schon oft Ursache von Explosionskatastrophen

Ammoniumnitrat war in der Vergangenheit bereits mehrmals Auslöser für eine verheerende Katastrophe. Am 12. August 2015 explodierten 800 Tonnen Ammoniumnitrat in der chinesischen Hafenstadt Tianjin, 173 Menschen starben. 2013 ließen 14 Menschen ihr Leben bei einer Explosion der Substanz in Texas, 2001 detonierte eine Ammoniumnitrat-Ladung in Toulouse. In Texas-City führte der Stoff 1947 zu einer Explosion, die rund 500 Menschen ihr Leben kostete und 8000 verletzte. Die bisher größte Katastrophe lösten 4500 Tonnen Ammoniumnitrat bei der BASF 1921 in Ludwigshafen am Rhein aus. 561 Menschen wurden dabei getötet, 1952 verletzt.

mit dpa

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