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Brände breiten sich nach Norden aus

Waldbrandgefahr in Europa: Hitzewellen und Dürren dauern immer länger an

Als Folge des Klimawandels ächzt Europa unter Dürren und Hitzewellen, die früher, häufiger und heftiger einsetzen. Bild: Feuer lodert bei einem Waldbrand im Landkreis Wittenberg (Sachsen-Anhalt).

In weiten Teilen Europas sorgen eine anhaltende Dürre und Hitzewellen schon im Juni für erhöhte Waldbrandgefahr. Mehrere Mittelmeeranrainer klagen über Trockenheit, die Hitzewelle der vergangenen Woche reichte bis nach Norddeutschland. Sorgen machen auch die hohen Treibstoffkosten für Löschflugzeuge.

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„In weiten Teilen des Kontinents herrscht Dürre“, sagt Cathelijne Stoof, Umweltwissenschaftlerin an der Universität im niederländischen Wageningen. Die Gefahr für Waldbrände sei „eine große Herausforderung in ganz Europa“. Im vergangenen Sommer vernichteten Waldbrände mehr als 11.000 Quadratkilometer Land – ein Gebiet mehr als vier Mal so groß wie Luxemburg. Etwa die Hälfte der Schäden entstand in der Europäischen Union.

Sehr frühe Hitzewelle in Spanien

Fachleuten zufolge sind die Waldbrände nicht nur ein Problem für die südlicheren, heißeren Länder. „Wissenschaftler warnen uns davor, dass die Brände sich offensichtlich nach Norden ausbreiten und wir in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Deutschland und skandinavischen Ländern in Zukunft häufiger mit Waldbränden rechnen müssen“, sagt Catherine Gamper, Expertin für die Anpassung an den Klimawandel bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

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In Spanien vernichteten Brände Zehntausende Hektar Wald, bevor ein Temperatursturz in den vergangenen Tagen bei der Eindämmung half. Es begann mit der frühesten Hitzewelle seit zwei Jahrzehnten: Die Temperaturen kletterten in vielen spanischen Städten auf Werte über 40 Grad Celsius, die normalerweise erst im August erreicht werden.

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Vorbereitung auf Waldbrände schwierig

Auch Portugal erlebte den wärmsten Mai seit 90 Jahren, und in Frankreich war der Mai der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. „Als Folge des Klimawandels setzen Hitzewellen früher ein und werden häufiger und heftiger, weil die Konzentration von wärmebindenden Treibhausgasen Rekordwerte erreicht“, erklärte die Weltorganisation für Meteorologie. „Was wir heute erleben, ist ein Vorgeschmack auf die Zukunft.“

Trotz umfangreicher Planung, Frühwarnsystemen und Vorhersagemodellen bleibt die Vorbereitung auf Waldbrände eine große Herausforderung. Die EU erweitert in diesem Sommer eine Flotte von Flugzeugen und Hubschraubern, die zur grenzüberschreitenden Unterstützung bereitstehen, und will voraussichtlich mit weiteren Nicht-EU-Ländern zusammenarbeiten.

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Treibstoffkosten machen Sorgen

„Es ist sehr schwierig, Waldbrände vorherzusagen“, sagt Marta Arbinolo, OECD-Expertin für Klimaanpassung und Resilienz. „Wir wissen, dass der Sommer 2022 als besonders warm und trocken vorhergesagt wird, möglicherweise sogar mehr als 2020 und 2021, der der trockenste und wärmste Sommer in Europa war. Wir können davon ausgehen, dass die Waldbrandgefahr in Europa diesen Sommer sehr hoch sein wird.“

In Griechenland, das im August 2021 unter verheerenden Bränden litt, machen den Behörden auch die hohen Treibstoffkosten Sorgen, da die Feuerwehren bei der Bekämpfung von Bränden in dem gebirgigen Land stark auf Löschflugzeuge angewiesen sind. Das Land will in diesem Jahr dem Löschwasser erstmals feuerhemmende Chemikalien zusetzen. Die EU entsendet unterdessen für den ganzen Sommer mehr als 200 Feuerwehrleute mit Ausrüstung unter anderem aus Deutschland und Frankreich nach Griechenland.

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Klimawandel sorgt für längere Brandsaison

Zudem wird die Waldbrandsaison immer länger. „Das Konzept der Waldbrandsaison verliert im Moment an Bedeutung. Wir haben das ganze Jahr Waldbrandsaison“, sagt Victor Resco de Dios, Professor für Forsttechnik an der Universität von Lleida in der spanischen Region Katalonien im Nordosten, die im Sommer stark von Bränden betroffen war. „Die wichtigste Veränderung, die wir im Zusammenhang mit dem Klimawandel sehen, ist eine Verlängerung der Brandsaison.“

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Laura Vilagra von der katalanischen Regionalregierung warnte, zur Brandprävention könnte in diesem Jahr auch die Schließung von Parks gehören: „Das Wetter wird von Jahr zu Jahr widriger, und die Dürre ist in diesem Jahr ganz offensichtlich“, sagte sie auf einer Regionalkonferenz. „Wir rechnen mit einem sehr komplizierten Sommer.“ Forstexperte Resco prophezeit Spanien eine düstere Zukunft: Die derzeit von Bränden betroffenen Gebiete „werden bis zur Jahrhundertwende wahrscheinlich nicht mehr viele Waldbrände erleben – warum? Weil die Wälder knapp werden und es nichts mehr zu verbrennen gibt“.

Notwendigkeit eines integrierten Feuermanagements

Andere Fachleute blicken nicht ganz so pessimistisch in die Zukunft. Gamper und Arbinolo von der OECD weisen darauf hin, dass einige der schlimmsten Waldbrände auch positive Entwicklungen mit sich gebracht haben, wie zum Beispiel das EU-Katastrophenschutzverfahren, das im Notfall eine schnelle Zusammenarbeit zwischen den Ländern ermöglicht. Die europäischen Länder öffneten sich auch für eine Risikominderung in ihrer Planung, anstatt einfach nur ihre Ressourcen für die Brandbekämpfung aufzustocken.

„Im Kern geht es um die Notwendigkeit eines integrierten Feuermanagements, die Überwachung von Bränden während des gesamten Jahres und nicht nur bei Trockenheit, und Investitionen in die Landschaftspflege“, sagt Umweltwissenschaftlerin Stoof. Gamper verweist auf zwei Maßnahmen mit großer Wirkung: Erstens sollte die Stadtplanung überdacht werden, also nicht in die Nähe von Wäldern mit extremem Risiko gebaut werden: „Unser Appell an die Länder ist, dass sie sich überlegen sollten, wo sie in der Zukunft Siedlungen planen.“ Und zweitens sollten sie nach Ansicht Gampers bestehende Vorschriften durchsetzen. „Die Länder wissen, was zu tun ist.“

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RND/AP

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