Vorsicht, die zweite Welle droht!

  • Die Leute reagieren relativ besonnen auf die Corona-Krise.
  • Doch es gibt große Risiken.
  • Das Virus jetzt zu unterschätzen wäre ein verhängnisvoller Fehler, meint Daniel Killy.
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Freunde von Endzeitszenarien haben es leicht dieser Tage. Corona verführt sowohl Ökonomen wie auch Politiker dazu, von einem Superlativ zum nächsten zu hechten. “Die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg” ist eine der meist gehörten Umschreibungen der aktuellen Situation. Und wechselweise werden wir von der Politik rangenommen wie Erstklässler, denen man das Abc einbimst, oder wie Pubertierende, die johlend auf Maß und Mitte pfeifen.

Dabei sind die Leute doch gar nicht unvernünftig, wie ein Blick auf die Covid-19-Zahlen zeigt. Bei 160.059 bestätigten Fällen (Stand 29.04., 15.30 Uhr) sind in Deutschland 6314 Todesfälle zu beklagen. Dem gegenüber stehen 120.400 Genesene. Akut erkrankt sind also derzeit 33.345 Menschen. Das entspricht bei einer Gesamtbevölkerung von 83,02 Millionen (Stand 2019) einem Anteil von 0,4 Promille. Wenn man jetzt noch die Dunkelziffer bedenkt, die wahrscheinlich an Infizierten im Lande existiert, dann sinkt die Sterberate, die im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland auch sehr moderat ist, noch einmal signifikant.

+++ Schneller Corona-Exit? Lesen Sie hier den Pro-Kommentar +++

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Gleichzeitig trauen sich viele Menschen mit anderen Beschwerden oder gar Krankheiten gar nicht zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen – aus Angst, sich womöglich mit Corona zu infizieren. Das mag im Einzelfall zwar auch fatal sein. Doch haben die Leute grundsätzlich ein feines Gespür, ob sie sich einer Gefahr aussetzen oder nicht.

Das Virus scheint zwar derzeit beherrschbar zu sein. Aber wir dürfen jetzt nicht in die Falle des “Präventions-Paradoxons” tappen, vor dem auch der Virologe Christan Drosten warnt: Es wäre in der Tat ein verhängnisvoller Fehler, wenn die Deutschen jetzt auf einmal die positiven Folgen der geglückten Prävention als Nichtexistenz einer Bedrohung betrachteten.

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Die Spanische Grippe hat die Menschheit auf furchtbare Weise gelehrt, dass eine epidemische Ruhe auch trügerisch sein kann – die zweite Welle kam damals mit noch mehr, mit wesentlich tödlicherer Wucht. Insofern gilt es, weiterhin umsichtig zu sein. Covid-19 muss in unseren Alltag integriert werden – mit viel Wachsamkeit und viel Sensibilität.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will in Pflegeheimen verstärkt auch ohne Covid-19-Symptome testen lassen.  © Reuters
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