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Vor 30 Jahren: Wie Arved Fuchs zu Fuß die Antarktis durchquerte

  • Ende der 1950er sowie 1980/81 gab es bereits erfolgreiche Antarktisdurchquerungen – mit technischer Hilfe.
  • Doch Arved Fuchs und Reinhold Messner bevorzugten 1989/90 eine klassische Expedition.
  • Damit waren sie die ersten Menschen, die nur zu Fuß und auf Skiern die Antarktis durchquerten.
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Bad Bramstedt. 92 Tage und Tausende Kilometer durch die antarktische Eiswüste. Der Südtiroler Reinhold Messner und der Schleswig-Holsteiner Arved Fuchs waren vor 30 Jahren die ersten Menschen, die nur zu Fuß und auf Skiern die Antarktis durchquerten. Am 12. Februar 1990, 9.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit (21.00 Uhr Neuseelandzeit), kamen sie in der McMurdo-Bucht an.

"Ich hatte mich schon lange damit beschäftigt", sagt Fuchs. Er habe immer diese alte Idee von Sir Ernest Shackleton (1874 bis 1922) vor Augen gehabt – eine Durchquerung der Antarktis. Das hatte bis vor dreißig Jahren noch keiner geschafft. "Zumindest nicht auf die klassische Art zu Fuß mit Skiern", erinnert der Polarforscher und Abenteurer. Er habe gehört, dass auch Messner Interesse an einer solchen Expedition hatte.

Sie hätten sich zusammengesetzt und über die Möglichkeiten einer gemeinsamen Tour gesprochen. "Und sind dann zu dem Schluss gekommen, dass wir das machen wollen", sagt Fuchs.

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Durchquerung ohne technische Hilfsmittel

Zuvor war es zweimal Expeditionen mit technischer Hilfe gelungen, die Antarktis zu durchqueren. Ende der 1950er Jahre startete ein technisch hochausgerüstetes Team unter der Führung von Vivian Fuchs und dem Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary zur erfolgreichen Tour. Zur Jahreswende 1980/81 durchquerten drei Engländer den Kontinent mit Spezialschlitten, die mit kräftigen Benzinmotoren ausgestattet waren.

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Heutzutage seien im Sommer viele Expeditionen in der Antarktis, sagt Fuchs. "Es ist ein anderer Zugang. Bei uns ging es darum, anzukommen und zu überleben. Heute geht es darum, wer ist schneller, wer hat welche Hilfsmittel und ist auf welcher Route unterwegs." Damals war es noch eine klassische Expedition." GPS wurde gerade erst installiert, war noch nicht verlässlich nutzbar. Der Seefahrer Fuchs musste noch mit dem Sextanten navigieren.

Messner und Fuchs: Ein ungleiches Team

Die große Herausforderung bei der Antarktis-SDurchquerung sei die mentale Herausforderung gewesen. "Es sind diese ungeheuren Ausmaße, die einem zu schaffen machen können", sagt Fuchs. "Wenn Sie acht Stunden gelaufen sind, abends ihr Zelt aufgebaut haben und dann ihre neue Position eintragen, dann reihen sich Pünktchen an Pünktchen und Sie haben das Gefühl, Sie kommen gar nicht von der Stelle." Erst nach einer Woche merke man, dass vom ersten Pünktchen bis zum letzten Pünktchen doch eine gewisse Distanz bewältigt worden ist.

Die Differenzen mit seinem Expeditionspartner Messner seien hingegen nicht so extrem gewesen, wie manchmal nachgesagt. "Es war viel harmonischer, als es später kolportiert wurde", findet Fuchs. Sie seien eben komplett unterschiedliche Menschen. "Ich habe es genossen, da unterwegs zu sein, und ich weiß nicht, ob ich das im gleichen Maße von Reinhold Messner sagen kann."

Natürlich habe es mal gekracht: "Wir haben uns über verschiedene Strategien auseinandergesetzt. Aber wir haben uns ja immer konstruktiv geeinigt. Sonst wären wir gar nicht angekommen." Die beiden haben seit fast 30 Jahren keinen Kontakt mehr. "Wir sind danach auseinander gegangen und haben beide nicht das Bedürfnis gehabt, noch einmal wieder zusammentreffen."

Der Bergsteiger Reinhold Messner demonstriert mit Ski und Lastenschlitten, wie es ihm und Arved Fuchs auf ihrer Antarktis-Expedition ergangen ist (Archivfoto von April 1990). © Quelle: Bernhart/dpa

Und was ist mit körperlichen Beschwerden, den wunden Füßen, unter denen Fuchs während der Tour litt – Verletzungen? "Ja, Gott, das gehört dazu. Man darf halt nicht zimperlich sein, wenn man so etwas macht."

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Für Fuchs war der Nordpol "eigentlich die viel schwierigere Aufgabe" – unter anderem weil es kälter war, es nicht über das Festland ging, sondern den gefrorenen Ozean. Am 13. Mai 1989 erreichte er mit der international besetzten Expedition den geografischen Nordpol. Am 30. Dezember desselben Jahres kam er gemeinsam mit Messner am Südpol an. Fuchs ist damit der erste Mensch, der innerhalb eines Jahres beide Pole erlief.

Fuchs tritt für Klimaschutz ein

Bis heute lassen die Polarregionen den Abenteurer nicht los. Immer wieder zieht es ihn dorthin. Er will so auch auf den Klimawandel aufmerksam machen, der vor allen in der Arktis sichtbar ist. Er beschreibt, wie er und sein Team durch die Nord-Ost-Passage segelten. Dreimal seien sie zuvor an der Unternehmung am Eis gescheitert. "Und plötzlich ging das ganz geschmeidig."

Von da an beschäftigte er sich noch intensiver mit dem Thema. "Und das hat mir, ehrlich gesagt, so ein bisschen die Unbefangenheit genommen", sagt Fuchs. Er habe nicht mehr von einer Fahrt zurückkommen und nur noch spannende Geschichten und schöne Bilder vermitteln können. Seitdem thematisiert er den Klimawandel auch in seinen Vorträgen.

Arved Fuchs, Polarforscher und Preisträger des "Seadevcon Maritime Award", ist überzeugt, dass den Klimaproblemen entgegengewirkt werden kann. © Quelle: Georg Wendt/dpa
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Den Problemen könne entgegengewirkt werden, ist der 66-Jährige überzeugt. "Wir haben die Techniken, wir haben das Know-how." Und es sei auch schon einiges angeschoben worden, gerade auch durch die Bewegung Fridays for Future, die Fuchs "sensationell wichtig und gut" findet. Aber die Zeit dränge. Man muss gar nicht mehr bis in die Arktis fahren, um die Auswirkungen des Klimawandels zu sehen. Ein Blick an die Nordsee reiche, sagt Fuchs. "Der Klimawandel ist bei uns angekommen."

RND/dpa