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Vitamin B in der Tierwelt: Hyänenmütter geben Beziehungen an Nachwuchs weiter

  • Bei Hyänen ist die Rangordnung im Rudel extrem wichtig.
  • Dabei stehen die Weibchen über den Männchen.
  • Und Mütter vererben ihre sozialen Netzwerke an den Nachwuchs.
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Ramat Gan/Philadelphia. Bei Tüpfelhyänen geben die Weibchen den Ton an: In den Rudeln, die mehr als hundert Tiere umfassen können, stehen selbst die schwächsten von ihnen im Rang über den Männchen. Die genaue Position im Verband hängt dabei stark von ihren sozialen Netzwerken ab – und die erben sie von ihren Müttern, wie Forscherinnen und Forscher aus Israel und den USA im Fachblatt „Science“ schreiben. Dieses soziale Erbe beeinflusst sowohl den Fortpflanzungserfolg der Tiere als auch ihre Überlebenschancen.

Obwohl die Sozialstrukturen von Hyänen seit Langem erforscht werden, war über ihr Zustandekommen bislang wenig bekannt. Die Biologen um Amiyaal Ilany von der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan, Israel, werteten nun Daten zu 74.000 Interaktionen von Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) in Kenia über einen Zeitraum von 27 Jahren aus.

Hyänen leben mit strengen Regeln und einer Rangordnung

„Soziale Zugehörigkeiten werden innerhalb von Hyänengruppen vererbt“, wird Erstautor Ilany in einer Mitteilung zitiert. „Wir fanden überwältigende Belege dafür, dass die sozialen Bindungen der Nachkommen denen der Mutter ähnlich sind.“ Konkret könne ein Muttertier, das soziale Bindungen zu einer anderen Hyäne hat, seinen Nachwuchs mit diesem Tier in Kontakt bringen. Die entstehende Beziehung zwischen den beiden Individuen halte sogar dann noch an, wenn sich die Mutter-Kind-Bindung selbst dramatisch abschwäche, berichtet das Team.

Die Ähnlichkeit der sozialen Beziehungen nahm dabei mit dem sozialen Rang der Mutter zu: „Individuen, die in einen höheren Rang hineingeboren wurden, vererben genauer, und sie haben guten Grund dazu“, so Ilany. „Es gibt sehr strenge Regeln darüber, welchen Platz eine Hyäne in der Hierarchie einnimmt.“

Tiere sind dominanter, wenn sie gut vernetzt sind

Wie wichtig soziale Verbindungen für Hyänen sind, hatten Forscherinnen und Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin schon 2018 im Fachblatt „Nature Ecology and Evolution“ berichtet. Demnach sind weibliche Tüpfelhyänen dann dominanter, wenn sie besser sozial vernetzt sind und sich im Konfliktfall auf eine größere Unterstützung der Gruppenmitglieder verlassen können.

Die Stellung im Rudel entscheidet etwa auch darüber, wer sich zuerst auf ein gemeinsam gerissenes Beutetier stürzen darf. „Der Rang ist extrem wichtig“, betont Co-Autor Erol Akçay von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia. „Diejenigen, die von einer rangniedrigeren Mutter geboren werden, haben eine geringere Wahrscheinlichkeit zu überleben und sich fortzupflanzen.“

Für die Autorinnen und Autoren unterstreicht die Studie, wie stark nicht genetische Faktoren den Fortpflanzungserfolg und das Gesamtüberleben beeinflussen. „Viele Dinge, die standardmäßig als genetisch bestimmt angesehen werden, können von Umwelt- und sozialen Prozessen abhängen“, betont Ilany. Berliner IZW-Forscherinnen und -Forscher hatten schon 2009 im Fachblatt „Behavioral Ecology“ berichtet, dass verwaiste Hyänenjunge, die von fremden Weibchen adoptiert wurden, später auf einer ähnlichen Stufe in der Hierarchie wie ihre Adoptivmütter standen.

RND/dpa

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