• Startseite
  • Wissen
  • Verschmutzte Meere: Forscher finden Mikroplastik in Babyfischen

Verschmutzte Meere: Forscher finden Mikroplastik in Babyfischen

  • Fischlarven wachsen in planktonreichen Meeresströmungen, den sogenannten Slicks, auf.
  • Einer Studie zufolge befinden sich über 90 Prozent des Plastiks, das an der Westküste Hawaiis im Meer schwimmt, in den Slicks.
  • In den Slicks verschlucken die Larven doppelt so viele Plastikteilchen wie im sonstigen Wasser.
Anzeige
Anzeige

Honolulu. Zahlreiche Fische der Weltmeere sind in ihren ersten Lebenstagen besonders stark von Plastikmüll umgeben. Das zeigt die Studie eines internationalen Forscherteams vor der Westküste Hawaiis. In den Arealen an der Wasseroberfläche, in denen sich Fischlarven besonders gerne aufhalten, schwimmt demnach weit mehr Plastikmüll als im übrigen Wasser. Da die Fische den Müll verschlucken, vermuten die Forscher Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette bis zum Menschen.

Junge Fische leben in Schlieren

Wie Schlieren ziehen sich planktonreiche, besonders ruhige Wasserbahnen durch die Meere. Von oben betrachtet sind sie als helle Linien zu erkennen. Das Wasser wird hier durch Strömungen zusammengedrückt und ist relativ glatt und nährstoffreich. Nach Erkenntnissen der Forscher leben in diesen Schlieren, die auch Slicks genannt werden, besonders viele junge Fische. Zudem werde dort besonders viel Plastik zusammengetrieben, berichten sie in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das Team um Jamison Gove vom Pacific Islands Fisheries Science Center in Honolulu untersuchte von 2016 bis 2018 die Slicks und andere Wasserregionen vor der Westküste von Hawaii. Es stellte fest, dass die Slicks besonders reich an Nährstoffen sind. Durch Strömungen sammeln sich hier zudem pflanzliches Plankton und kleinste Wassertiere. Die Slicks bieten somit eigentlich ideale Aufwachsbedingungen für kleine Fische.

Satellitenbilder zeigten, dass diese Wasserbahnen zwar nur einen kleinen Teil des Meerwassers ausmachen, dennoch lebten dort über 42 Prozent der jungen Fischlarven. Die Jungfische in den Slicks waren zudem größer und konnten besser schwimmen als die Jungfische im umgebenden Wasser.

Slicks haben höhere Plastikdichte

Anzeige

„Wir haben herausgefunden, dass die Slicks reich an Fischlarven aus verschiedensten ozeanischen Lebensräumen sind, solche aus seichtem Wasser an den Korallenriffen und auch Fische aus Tiefseegewässern. Zu keinem anderen Punkt ihres Lebens teilen sich diese Tiere einen Lebensraum“, so Co-Autor Jonathan Whitney in einer Pressemitteilung der Bangor University.

Diese Kinderstube birgt inzwischen allerdings auch besondere Gefahren. Denn durch die Strömung sammelt sich dort auch Plastikmüll. Der Studie zufolge befinden sich über 90 Prozent des Plastiks, das an der Westküste Hawaiis im Meer schwimmt, in den Slicks. Damit fanden die Forscher in diesen Wasserbahnen eine höhere Plastikdichte als im berühmten Nordpazifikwirbel, der auch Großer Pazifischer Müllteppich genannt wird. In den Netzen der Forscher waren siebenmal mehr Plastikteilchen als Fischlarven.

Anzeige

Forscher finden Plastikteilchen im Verdauungstrakt

Die Forscher sezierten 658 Fischlarven aus acht Fischfamilien und fanden bei 42 Larven aus sieben Familien Plastikteilchen im Verdauungstrakt. Darunter war der Nachwuchs von Schwertfischen, Goldmakrelen, Fliegenden Fischen (einer Beute von Thunfischen und Vögeln) aber auch von Fischen aus Korallenriffen. Mit 8,6 Prozent hatten in den Slicks mehr als doppelt so viele Larven Plastik verschluckt wie im sonstigen Wasser.

Dabei enthielten die jungen Fische vor allem blaue, durchscheinende Teilchen, die ihrer Nahrungsgröße von höchstens einem Millimeter entsprachen. Die Forscher vermuten, dass die Larven das Plastik mit einer Krebsart verwechseln, die ebenfalls blau reflektiert und zur Nahrung der Tiere zählt.

Plastikmüll ist ein Problem für die Nahrungskette

Anzeige

Die Plastikteilchen in den Netzen der Forscher waren hauptsächlich Zersetzungsprodukte von Alltagsgegenständen wie Plastiktüten, Verpackungen oder Plastikflaschen. Aber auch in der Fischerei zum Beispiel für Kisten und Netze wird diese Art von Plastik verwendet. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Menge dieses Plastikmülls durch Abfallmanagement und Konsumverhalten stark beeinflussbar wäre.

Sie glauben, dass die Verschmutzungen ein Problem für die gesamte Nahrungskette darstellen können. Auch wenn bisher noch Untersuchungen fehlen, die den gesundheitlichen Einfluss von Plastik auf Fischlarven nachweisen, so ist doch von ausgewachsenen Fischen bekannt, dass der Plastikmüll für die Tiere tödlich sein kann. Die Fischarten, in denen solche Plastikteile gefunden wurden, werden beim gewerblichen Fischfang für Menschen gefangen oder bilden die Nahrung für andere Fische oder Wasservögel.

„Die Biodiversität und die Fischproduktion sind derzeit von einer ganzen Reihe von Stressfaktoren bedroht, die von Menschen verursacht werden, so wie der Klimawandel, der Verlust von Lebensräumen und Überfischung. Leider hat unsere Forschung nun gezeigt, dass wir die Aufnahme von Plastik über die Nahrung von Fischlarven wohl mit auf diese Gefahrenliste setzen können“, so Gove in der Mitteilung.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen