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Verkehrte Welt: Dieser Käfer kann kopfüber unter Wasser laufen

  • Ein Forscher in Australien hat einen Käfer entdeckt, der an der Unterseite der Wasseroberfläche laufen kann.
  • Dabei läuft er so selbstverständlich, als wäre er auf einer festen Oberfläche.
  • Das höchst erstaunliche Insekt entkommt auf diese Art und Weise vermutlich Räubern, die am Grund lauern.
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Eigentlich wollte John Gould eine australische Froschart erforschen. Der Biologiedoktorand war dafür von seiner Universität in Newcastle, rund zwei Autostunden nördlich von Sydney, in die nahe gelegenen Watagan Mountains gefahren. Während er dort jedoch auf der Lauer lag, um besagte Frösche zu beobachten, fiel ihm ein kleiner Käfer auf.

Käfer läuft kopfüber an der Unterseite der Wasseroberfläche

Der Winzling, der nur etwa sechs bis acht Millimeter groß ist, huschte kopfüber auf der Unterseite der Wasseroberfläche an ihm vorbei. Dabei lief er so selbstverständlich, als wäre er auf einer festen Oberfläche.

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„Ich mache ziemlich viel Feldforschung an Gewässern und sehe oft Wasserläufer über die Wasseroberfläche gleiten“, berichtete Gould in einer E-Mail. „Aber ich habe noch nie gesehen, dass sich ein Insekt an der Unterseite der Wasseroberfläche entlangbewegt.“ Der Käfer lief dabei nicht nur mit Leichtigkeit kopfüber an der Unterseite der Wasseroberfläche entlang, als würde er über eine normale feste Oberfläche an Land laufen, er blieb hin und wieder sogar stehen und ruhte sich aus. „Das heißt, er kann ohne Energieaufwand an der Wasseroberfläche verbleiben“, sagte Gould. Große Tiere wie beispielsweise Eidechsen, die sich übers Wasser bewegen, müssten weiterlaufen, um nicht zu versinken.

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Laufen, ohne die Oberflächenspannung zu brechen

Diese höchst erstaunliche Fortbewegungsart gelingt dem Käfer, der nach ersten Erkenntnissen zur Familie der Wasserkäfer (Hydrophilidae) gehört, vermutlich dank haarähnlicher Ausbuchtungen am Körper. Diese scheinen es ihm zu ermöglichen, am Bauch Luft einzuschließen. Die Luft erzeugt vermutlich eine Auftriebskraft, dank dieser der Käfer gegen die Unterseite der Wasseroberfläche gedrückt wird. Außerdem vermutet der Forscher, dass an den Beinen angewachsene Organe noch zusätzlich Luftblasen einschließen. Dies wiederum scheint der Grund dafür zu sein, dass der Käfer laufen kann, ohne die Oberflächenspannung zu brechen.

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„Natürlich kann auch seine geringe Größe zu dieser Fähigkeit beitragen, da eine Störung der Oberflächenspannung im Vergleich zu größeren Insekten weniger wahrscheinlich ist“, sagte Gould. „Der genaue Mechanismus, wie der Käfer diese bemerkenswerte Fortbewegungsart erreichen kann, bedarf weiterer Untersuchungen“, so der Forscher, der seine Beobachtungen im Fachmagazin „Ethology“ veröffentlicht hat.

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Dieser Käfer kann kopfüber unter Wasser laufen
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Ein Forscher in Australien hat einen Käfer entdeckt, der an der Unterseite der Wasseroberfläche laufen kann, als wäre diese eine Glasscheibe.  © John Gould

Seltenes Verhalten in der Tierwelt

Gould und seine Kollegen vermuten, dass der Käfer mit seinem ungewöhnlichen Aufenthaltsort Räubern aus dem Weg gehen will. „Es gibt viele Raubtiere, die geduldig am Grund des Wassers oder entlang der Unterwasservegetation warten, bis ihre Beute ihnen, ohne es zu wissen, zu nahe kommt“, sagte Gould. „Indem der Käfer an der Unterseite der Oberfläche entlangläuft, kann er diesen Raubtieren ausweichen.“

Ein Verhalten wie das des bisher nicht wissenschaftlich beschriebenen australischen Käfers ist zuvor nur selten in der Tierwelt beobachtet worden. Neben dem neu entdeckten Wasserkäfer können sich laut Gould wohl auch einige Wasserschnecken entlang der Unterseite der Wasseroberfläche bewegen. Dafür nutzen die Schnecken ihren Fuß – also das weiche Teil außerhalb der Schale. „Diese Fortbewegungsform unterscheidet sich stark von der des Laufens, aber beide erfolgen durch Ausnutzung der Oberflächenspannung“, so Gould. „Aufgrund dieser funktioniert die Wasseroberfläche wie jede andere Oberfläche, an der man sich entlangbewegen oder gegen die man sich drücken kann.“

Wie atmet der Käfer unter Wasser?

Während seiner Beobachtungen fiel dem Forscher auch auf, dass der Käfer nicht an die Wasseroberfläche kommen musste, um zu atmen. „Einige Wasserkäfer atmen unter Wasser, indem sie Luft entlang ihrer Außenhaut einschließen, fast wie eine Sauerstoffflasche, die von einem Taucher verwendet wird“, erklärte der Australier. Die Luft leiten sie anscheinend über die Fühler zum Körper. Unklar ist bisher jedoch, ob die Käfer die Unterseite der Wasseroberfläche verlassen können, wenn sie dies möchten. „Es wäre interessant herauszufinden, ob sich der Käfer jederzeit von der Oberfläche abstoßen kann, um durch das Wasser zu schwimmen, oder ob er auftauchen und aus dem Wasser klettern kann“, sagte Gould.

Die Ergebnisse zeigen laut des australischen Forschers, „wie oft wir die erstaunlichen Dinge, die die kleinsten Tiere jeden Tag tun, ignorieren oder übersehen“. Deswegen sei die Beschreibung der Naturgeschichte der kleinen Tiere genauso wichtig wie die jedes großen Säugetieres oder Vogels.

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