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Verbraucherschützer kritisieren den Umgang mit Produktrückrufen

  • Beim Rückruf verunreinigter Produkte läuft laut Verbraucherschützern einiges falsch.
  • Die Kritikpunkte: Es vergeht zu viel Zeit, es gibt kaum Regeln und die Bekanntmachung läuft fast nur noch digital.
  • Die Verbraucherschützer fordern mehr Transparenz und dass das Problem künftig zur Ländersache wird.
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Hannover. Eine neue Woche, ein neuer Lebensmittelskandal: Die Produktrückrufe wegen verunreinigter Lebensmittel haben sich in den letzten Wochen gehäuft. Sie verunsichern nicht nur die Verbraucher, sondern rufen auch die Verbraucherschützer auf den Plan. Die kritisieren nämlich schon länger den Umgang der Händler, Hersteller und Behörden mit Produktrückrufen. „Es vergeht zu viel Zeit, bis ein Lebensmittel zurückgerufen wird, es gibt zu wenige Vorgaben, und Menschen, die nicht digital unterwegs sind, bekommen einen Rückruf oft gar nicht mit.“ So fasst Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg die Problematik gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland zusammen.

Rückrufe müssen schneller gehen

Für Valet geht bereits zu viel Zeit ins Land, bevor es zu einem Rückruf kommt. In Deutschland läuft ein derartiger Vorgang wie folgt ab: Ein Unternehmen kann sich entweder selbst für einen Rückruf entscheiden oder es wird von einem Gericht dazu verpflichtet, nachdem Verunreinigungen gefunden wurden – in jedem Fall muss ein Rückruf erfolgen, wenn der Endverbraucher geschädigt werden kann.

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Dafür hat der Hersteller mehrere Möglichkeiten. „Bei einem Rückruf wird zuerst der Hersteller angehört, also wie er sich das weitere Vorgehen vorstellt. Ist die Behörde damit nicht einverstanden, legt sie ihr Veto ein – und das Warten beginnt“, erklärt Valet. Seine Kritik: Es könne nicht sein, dass die Behörden auf die Hersteller warten müssen, eine zeitnahe Benachrichtigung ist zum Schutz der Menschen unabdingbar, fordert der Verbraucherschützer.

Hersteller informieren teils nur spärlich

Ist ein Produktrückruf nötig, leiten die Hersteller die Bekanntgabe selbst in die Wege. Doch: „Die Form der Bekanntgabe kommt oft nicht beim Verbraucher an. Oft scheitert es schon daran, dass die Hersteller keine Bilder des zurückgerufenen Produkts veröffentlichen.“ Wie die Hersteller die Öffentlichkeit informieren, ist ihnen ebenfalls selbst überlassen, Vorgaben gibt es nicht. „Manche Hersteller geben eine Pressemitteilung heraus, doch manche geben den Hinweis ganz versteckt auf ihrer Internetseite bekannt. Hier muss es endlich einheitliche Standards geben“, fordert Valet weiter.

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Supermärkte in der Pflicht

Auch die „Vertragspartner“, die Supermärkte, spielen eine große Rolle bei Produktrückrufen – denn am Ende werden die Lebensmittel hier eingekauft. Doch auch hier warnt jeder Markt anders, kritisiert Valet. „Supermärkte sollten in der Pflicht sein, ihre Kunden ausführlich zu informieren. Durch ein gleiches Layout und gleiche Platzierung der Warnmeldung immer am Eingang, am Regal und an der Kasse, beispielsweise.“

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Denn Supermärkte sind heutzutage gut vernetzt und könnten eine Vielzahl Menschen erreichen. „Kein Unternehmen nutzt alle verfügbaren Kanäle. Gerade soziale Medien oder E-Mail-Newsletter dienen meist nur der Marketing-Kommunikation, aber nicht zur Information über gefährliche Produkte und Rückruf­aktionen.“

Was ist mit denen, die nicht digital unterwegs sind?

Wenn Supermärkte ihre Kunden besser informieren, könnte ein weiteres Problem aufgefangen werden: Menschen, die sich nicht im Internet bewegen, sich also nicht online über Rückrufe informieren, sind auf die Warnungen der Supermärkte quasi angewiesen.

„Besonders ältere Menschen sind besorgt und wir dürfen sie nicht vergessen. Das betont die Wichtigkeit, dass Händler Bereitschaft zeigen, ihre Kunden zu schützen.“

Mehr Transparenz, mehr Kontrollen

Grundsätzlich müsse es mehr Transparenz im Umgang mit Rückrufen geben, fordert Valet. Beispielsweise durch ein Hygienebarometer: „Berichte von Lebensmittelkontrollen sollten veröffentlicht werden, Produktrückrufe müssen schneller gehen und der Verbraucher muss wissen, dass alles in Ordnung ist.“ Nötig seien zudem mehr Kontrollen und eine schnellere und umfangreichere Information der Öffentlichkeit im Krisenfall. Die Verantwortung für die Überwachung müsse zudem künftig bei den Ländern liegen, nicht mehr bei den Kommunen, so der Verbraucherschützer.

Auskunft im Internet finden Verbraucher unter produktrueckrufe.de und produktwarnung.eu.

Aktuell gibt es folgende Rückrufe:

- Listerien in Salat von Aldi

- Krebsverdacht bei Säuglingsmilch

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- Folienteilchen in Babybrei

- Erhöhter Chlorat-Gehalt in Tiefkühlfisch

- Schimmel in Joghurt von Zott

- Kunststoff in Lidl-Hackfleisch

- Bakterien in Milch

- Bakterien in französischem Käse

- Metallstücke in Röstzwiebeln

- Explosionsgefahr bei Apfelschorle von Kaufland

- Metallteile in Kochmettwurst

- Salmonellen in Eiern

RND/Alice Mecke