Reicht das, um die Bienenbestände auf Dauer zu retten?

Amerikanische Faulbrut: Erster Impfstoff für Bienen zugelassen

Honigbienen werden nicht nur zur Produktion von Honig genutzt, sie übernehmen auch eine wichtige Funktion als Bestäuber von Pflanzen.

Honigbienen werden nicht nur zur Produktion von Honig genutzt, sie übernehmen auch eine wichtige Funktion als Bestäuber von Pflanzen.

Honigbienen sind durch viele Krankheiten bedroht. Gegen eine davon, die amerikanische Faulbrut, wurde nun ein Impfstoff entwickelt. Die amerikanische Faulbrut wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Paenibacillus larvae ausgelöst: Erwachsenen Bienen schadet es nicht, aber ihre Larven sterben, wenn sie Sporen des Erregers mit dem Futter aufnehmen. Ist die Seuche in einem Bienenstock einmal ausgebrochen, ist dieser oft nicht mehr zu retten. Das gesamte Volk muss dann vernichtet werden, um die Weiter­verbreitung des Bakteriums zu verhindern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bis vor einigen Jahren hatten US‑amerikanische Imkerinnen und Imker präventiv Antibiotika eingesetzt, um die Ausbreitung der amerikanischen Faulbrut einzudämmen. Die US‑Arznei­mittel-Aufsichts­behörde FDA hatte deren Einsatz allerdings 2017 eingedämmt, um die Entwicklung von Resistenzen zu verhindern. In der EU ist die Behandlung von Bienen mit Antibiotika ohnehin verboten, um Rückstände im Honig zu verhindern.

Nun hat die amerikanische Land­wirtschafts­behörde einem Impfstoff die bedingte Zulassung erteilt. Entwickelt hat diesen das in Kalifornien ansässige Unternehmen Dalan Animal Health. Es handelt sich um einen klassischen Totimpfstoff, der abgetötete Bakterien des Erregers enthält und Bienenlarven resistent gegen die Faulbrut machen soll.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bis zu 50 Prozent weniger tote Larven

Der Impfstoff muss an die Bienenkönigin verfüttert werden, die einzige Biene im Stock, die befruchtete Eier legt. Die Larven, die anschließend aus den Eiern schlüpfen, sollen nach Angaben von Dalan Animal Health einen Immunschutz gegen die Bakterien haben. Einer Untersuchung der Herstellers zufolge soll die Impfung der Gesundheit der Bienenkönigin nicht schaden. Tests hätten gezeigt, dass auch die Qualität des Honigs nicht beeinflusst werde. „Unser Produkt ist chemiefrei, nicht genetisch modifiziert und organisch“, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Allerdings scheint die Wirkung der Impfung begrenzt, wie die Zulassungs­­studie zeigt. Getestet worden war der neue Impfstoff an insgesamt 35 Bienenkolonien in Spanien und Österreich und an zwei verschiedenen Unterarten der Westlichen Honigbiene. Insgesamt 25 Kolonien wurde zur Kontrolle ein Placebo verabreicht, ein wirkstoffloses Schein­medikament. In den österreichischen Kolonien, die von der Kärnter Biene bevölkert waren, starben nach der Impfung 30 Prozent weniger Larven als in Bienen­stöcken, die mit Placebo behandelt wurden.

In den Bienenstöcken mit der Iberischen Honigbiene in Spanien wurde die Sterblichkeit um 50 Prozent reduziert. Unklar blieb, ob die verschiedenen Bienenarten vielleicht unterschiedlich empfänglich für den Impfstoff waren. Ob die Schutzwirkung der Bienenimpfung ausreicht, um Bienen­bestände auf Dauer zu retten, muss sich also noch zeigen. Wenn lediglich die Auswirkung der Infektion eingedämmt wird, könnte das auch bedeuten, dass infizierte Bienenstöcke schlechter erkannt werden und sich der Erreger dadurch noch besser ausbreiten kann.

Weltweites Bienensterben

Honigbienen werden nicht nur zur Produktion von Honig genutzt, sie übernehmen auch eine wichtige Funktion als Bestäuber von Pflanzen. Von Imkern und Imkerinnen gehaltene Nutzbienen ersetzen dabei in den USA schon vielfach die Wildbienen, von denen es immer weniger gibt. Die Bienen werden dabei vermietet und durch das Land transportiert, um Nutzpflanzen zu bestäuben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Seit Jahren gibt es ein weltweites Bienensterben, die Gründe sind laut Deutschem Natur­schutz­bund (Nabu) noch nicht vollständig aufgeklärt. Es spielen aber wohl mehrere Faktoren eine Rolle, so der Nabu: Die Pestizideinsätze und Monokulturen in der industriellen Landwirtschaft, das Wegbrechen von Lebensräumen, Luft­verschmutzung und Klimawandel – und eben auch Krankheiten. Obwohl Imkerbienen vom Menschen versorgt werden können, sorgen Infektionen auch bei ihnen für Verluste. Paenibacillus larvae ist dabei nicht der einzige Erreger, der Bienen gefährlich wird.

Auch wenn noch nicht klar ist, ob die erste Bienenimpfung sich durchsetzen wird, arbeitet Dalan Animal Health daher bereits an weiteren Vakzinen. Das Unternehmen forscht nach eigenen Angaben an einer Impfung gegen die europäische Faulbrut, einem Kombiimpfstoff gegen die europäische und amerikanische Faulbrut und einem Vakzin gegen die Kalkbrut, einen Pilz, der Bienenlarven befällt und tötet.

Mehr aus Wissen

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen