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Unwetter über Deutschland: Wir sind den Klimafolgen ausgeliefert

  • Überflutete Straßen und Häuser, vollgelaufene Keller und überschwemmte Bahngleise: Die aktuellen Unwetter zeigen, wie schlecht Deutschland auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet ist.
  • Die Anpassung an den Klimawandel läuft genauso schleppend wie der Klimaschutz.
  • Es ist höchste Zeit, das endlich zu ändern, kommentiert Anna Schughart.
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Erst die Hitze, nun das Unwetter: Niemanden sollte dieser Sommer mit seinen Extremen überraschen. Es ist genau das, was Klimaexperten und Klimaexpertinnen seit Jahren wieder und immer wieder sagen: Außergewöhnliche Wetterlagen werden häufiger, starke Regenfälle heftiger, Hitzewellen schlimmer, Dürren extremer. Der Klimawandel ist längst Realität. Doch die überfluteten Straßen, jeder vollgelaufene Keller, die Sturzbäche und überschwemmten Bahntrassen zeugen eindrücklich davon, wie spärlich diese neue Realität bisher in den Köpfen angekommen ist.

Politik und Gesellschaft stehen derzeit vor zwei monumentalen Klimaaufgaben. Doch nicht nur bei er der ersten – dem Kampf gegen den Klimawandel – hinken sie fundamental hinterher. Auch die zweite große Aufgabe, sich nämlich an die neuen Gegebenheiten des Klimawandels anzupassen, wird nicht ernst genug genommen. Unsere Infrastruktur, die Straßen, Kanalisationen, Städte und Häuser wurden für diese Extremwetterlagen nicht gebaut. Wir sind den Klimafolgen bisher weitgehend hilflos ausgeliefert.

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Der Handlungsbedarf ist enorm

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Wozu das führen kann, sieht man aktuell nicht nur in Deutschland. In Kalifornien und Texas, die derzeit unter einer extremen Hitze ächzen, wird vor einem Kollaps der Stromversorgung gewarnt. Aber auch in Deutschland fürchtet der Katastrophenschutz, dass etwa die Trinkwasserknappheit weiter zunehmen könnte. Die Deutsche Bahn wird sich, so eine aktuelle Studie, in Zukunft besser gegen Hitze und Starkregen schützen müssen. Doch schon heute führen Hitzetage oder Unwetter zu massiven Störungen im Bahnverkehr.

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Der Handlungsbedarf ist also enorm. Es braucht Notfallpläne für Hitzewellen, es braucht Lösungen gegen Starkregen, gegen Trinkwasserknappheit, gegen Sturm, gegen einen steigenden Meeresspiegel. Weil er sich nicht mehr verhindern lässt, müssen wir uns an den Klimawandel anpassen. Das Gute ist: Der Nutzen wäre direkt spürbar. Diskussionen über den Sinn werden selbst Klimawandelleugnern und -leugnerinnen schwerfallen – spätestens wenn der eigene Keller zum wiederholten Male unter Wasser steht. Ideen gibt es durchaus, dazu gehören zum Beispiel mehr Überschwemmungsflächen oder Konzepte, wie man etwa durch Begrünung Städte resilienter gegen Hitze machen kann.

Umso schlimmer, dass dieser Prozess – genau wie der Kampf gegen den Klimawandel – so schleppend verläuft. Denn die beiden Aufgaben gehen Hand in Hand. Die Anpassungen an den Klimawandel machen den Klimaschutz nicht obsolet. Im Gegenteil: Je kleiner die Anstrengungen, das Ausmaß des Klimawandels zu beschränken, desto größer und kostspieliger werden die Anpassungen ausfallen müssen. Das Wichtigste ist, die Auswirkungen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten – und gleichzeitig zu verstehen: Wir müssen trotzdem auf seine Folgen reagieren.

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