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  • Unwetter in Deutschland: Warum das Wetter immer extremer wird

Weshalb Unwetter in Deutschland extremer werden

  • Heftiger Regen führt in Teilen Deutschlands zu Überschwemmungen und Hochwasser.
  • Solche Wetterextreme werden in Zukunft häufiger und extremer auftreten, sagen Forschende.
  • Das sei eine Folge des Klimawandels.
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Feuchtwarme Luftmassen, Überflutungen, Dauerregen, Hagel, Sturmböen, Gewitter: Tief „Bernd“ bestimmt gegenwärtig ungewöhnlich lange und auf extreme Weise das Wetter in Deutschland. Zuvor hatte das Tief sein Unwesen in der Schweiz getrieben und auch dort eine Schneise der Zerstörung geschlagen. Meteorologinnen und Meteorologen sprechen dabei von einer „blockierenden Wetterlage“: Dabei setzen sich größere Hoch- und Tiefdruckgebiete über mehrere Tage fest und können insbesondere im Sommer zu Extremen führen: also Hitzewellen und Dürre – oder, wie gerade zu beobachten, besonders starke Niederschläge und Unwetter.

Solche Ereignisse kommen hierzulande schon seit Langem und immer wieder einmal vor. Und in Zukunft werden sie wohl häufiger auftreten. Denn derlei Extreme, wie gerade bei Tief „Bernd“ zu beobachten, sind nicht nur auf den kurzfristigen Zustand des Wetters zurückzuführen. Wenn es um die Intensität und Häufigkeit von Starkregen geht, spielt auch der Klimawandel eine Rolle. Die Wissenschaft hat das kommen sehen – und auch Meteorologie-Expertinnen und -Experten verweisen darauf.

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„Bei den extremen Niederschlägen, die wir in den letzten Tagen in Europa erleben, handelt es sich um Extremwetter, dessen Intensität sich durch den Klimawandel verstärkt und mit zunehmender Erwärmung weiter verstärken wird“, sagt Dr. Friederike Otto, Direktorin des Environmental Change Institute (ECI).Das wissen wir sowohl aus der Physik als auch von Beobachtungen und Klimaprojektionen.“

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Allerdings sei die Erhöhung der Häufigkeit des Auftretens solcher Starkregenfälle geringer als bei Hitzeextremen. „Dass derartige Starkregenfälle so dramatische Konsequenzen haben, liegt zu einem großen Teil an der Versiegelung der Böden“, erklärt die Expertin.

Klimaerwärmung führt zu Wetterextremen

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„Eine Folge des Klimawandels in Deutschland ist die Zunahme von Starkregenereignissen“, fasst auch eine aktuelle Faktensammlung zum gegenwärtigen Forschungsstand zusammen, die unter anderem der Deutsche Wetterdienst, die Helmholtz-Klima-Initiative und das Deutsche Klima-Konsortium zusammengetragen haben. Andererseits nehme vor allem im Sommer auch die Zahl aufeinanderfolgender Trockentage zu. „Beide Vorgänge haben zur Folge, dass sich hydroklimatische Gefahren wie Dürren und Überschwemmungen erhöhen – ein Trend, der auch für die Zukunft prognostiziert wird“, heißt es im Bericht.

Dass bei höheren Temperaturen in Deutschland zunehmend extreme Niederschläge zu erwarten sind, haben Forschende des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung aus Karlsruhe bereits in einer im Fachmagazin „Nature“ erschienenen Studie von 2013 deutlich gemacht. Für ihre Analyse kombinierten sie große Datensätze aus Radar- und Niederschlagsmessungen mit Temperaturaufzeichnungen, Wolkenbeobachtungen und Wettervorhersagen.

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Und dass es in Deutschland immer wärmer wird, zeigen die Daten des Deutschen Wetterdienstes. Das letzte Jahrzehnt war demnach rund 1,9 Grad Celsius wärmer als die ersten Jahrzehnte (1881 bis 1910) der Aufzeichnungen. Das Tempo des Temperaturanstiegs habe in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren deutlich zugenommen. Seit den 1960er-Jahren war hierzulande jedes Jahrzehnt deutlich wärmer als das vorherige.

„Schon vor mehr als zehn Jahren hat die Klimaforschung vorausgesagt, dass extreme Niederschläge mit dem Klimawandel stärker ausfallen und häufiger vorkommen werden“, sagt Dr. Jakob Zscheischler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klima und Umweltphysik an der Universität Bern. Eine wärmere Atmosphäre könne mehr Wasserdampf aufnehmen, welcher dann bei einem Niederschlagsereignis als Regen fällt. „In der Zukunft werden solche Starkniederschläge also noch extremer werden, solange wir weiterhin CO₂ ausstoßen“, prognostiziert der Wissenschaftler.

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Extremwetter hat weltweit Auswirkungen

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit nehmen Extremwetterereignisse durch die Erwärmung deutlich zu und werden heftiger. Hitzewellen, Dürren und lokal auch Starkniederschläge machen sich unter anderem im Mittelmeerraum, in Westasien, vielen Teilen Südamerikas sowie eines Großteils Afrikas und Nordostasiens bemerkbar. Und in Nordwesteuropa hat in den vergangenen Jahrzehnten das Risiko von Flusshochwassern zugenommen, heißt es im Bericht.

Dürre und Starkregen können nicht nur fatale Folgen vor Ort haben – wie etwa eingestürzte Häuser, Todesopfer, Straßenschäden. Der Temperaturanstieg, veränderte Niederschlagsmuster und die Zunahme der Wetterextreme beeinträchtigen beispielsweise auch die Sicherheit der Lebensmittelversorgung. Und die ist relevant für die Bevölkerung vor Ort, aber auch in der Welt. In vielen äquatornahen Regionen sind dadurch beispielsweise die Erträge von Mais und Weizen gesunken. In Afrika schadet der Klimawandel bereits der Viehzucht.

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