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  • Unterschied Medikament und Impfstoff: Entwicklung kann Jahre dauern

Medikament oder Impfstoff – was ist eigentlich der Unterschied?

  • Der internationale Wettlauf um das erste Medikament und den ersten Impfstoff gegen Corona ist in vollem Gange.
  • Allerdings setzen Impfstoffe und Medikamente an unterschiedlichen Stellen an.
  • Impfstoffe wirken präventiv, Medikamente bekämpfen eine bereits ausgebrochene Krankheit.
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“Durchbruch bei Forschung …” Es gibt im Moment viele Schlagzeilen, die so beginnen und meist noch die Begriffe Impfstoff, Corona und Medikament enthalten. Jede Nachricht verstärkt die Hoffnung, dass schnell etwas getan werden könne gegen Sars-CoV-2 und die Pandemie.

Ein Problem ist aber die Langwierigkeit. Es dauert gemeinhin Jahre, bis ein Impfstoff entwickelt wird – wenn es ein gänzlich neuer ist, können unter Umständen sogar mehr als zehn Jahre zwischen Forschungs-Durchbruch und zugelassenem Massen-Medikament werden.

Wo setzen Medikamente und Impfstoffe an?

Der grundsätzliche Unterschied zwischen einem Impfstoff und einem Medikament ist der, dass ein Impfstoff für eine aktive Immunisierung des Körpers sorgt und ein Medikament eine passive Immunisierung hervorruft.

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Auf dem Weg - britische Forscher entwickeln Covid-19-Impfstoff
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Dieser Piekser macht Hoffnung auf einen zugelassenen Impfstoff gegen Covid-19 noch vor Ende des Jahres.  © Reuters

Der Impfstoff ist immer präventiv, soll also vorbeugend vor einer Infektionskrankheit schützen. Aktive Immunisierung bedeutet, dass im Körper sozusagen eine Mini-Infektion stattfindet, die genügend Antikörper produziert, um eine wirkliche Infektion zu vermeiden – je nach Wirkstoff sogar lebenslang. Deshalb ist auch die Frage nach der dauerhaften Immunität nach überstandener Covid-19-Erkrankung für die Forscher so wichtig.

Der Impfstoff enthält häufig abgeschwächte oder tote Erreger einer spezifischen Erkrankung – oder deren Fragmente. Man spricht auch von Lebend- oder Tot-Impfstoffen. Die Lebend-Impfstoffe sind meist verträglicher als die Tot-Impfstoffe, die den entsprechenden Erreger komplett abtöten. Der Impfstoff der Zukunft hingegen wird aus der DNA des Erregers entwickelt beziehungsweise aus einem Bestandteil, der RNA, die als Bote Erbinformationen weiterträgt.

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Deren Entwicklung dauert nicht so lange wie die Entwicklung eines Antikörper-Impfstoffs. In Deutschland forschen bereits zwei Unternehmen an einem RNA-Impfstoff, CureVac und BioNTech. Es gibt allerdings noch kein RNA-Medikament weltweit, das zugelassen worden wäre, man betritt hier also Neuland.

Medikamente schützen nicht präventiv vor Corona-Infektion

Medikamente hingegen bekämpfen in erster Linie Symptome einer bereits ausgebrochenen Krankheit und können dafür sorgen, dass deren Verlauf so abgeschwächt wird, dass die Krankheit keine Bedrohung mehr darstellt.

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Das beste Beispiel für die Wirkkraft von Medikamenten ist Aids. Während das eine Virus-Infektion mit HIV in den ersten Jahren nach Auftauchen des Virus beim Menschen meist tödlich verlief, ermöglichen heute Medikamente HIV-Positiven ein weitgehend beschwerdefreies Leben. Einen Impfstoff gegen das HIV-Virus gibt es bis heute nicht.

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Manche Wirkstoffe von Impf-Präparaten attackieren den Erreger direkt, stoppen seine Vermehrung oder eliminieren den Erreger gänzlich – etwa Parasiten oder Bakterien – andere stärken das Immunsystem. Häufig wirken auch Impfstoffe bei neuen Viruserkrankungen, die ursprünglich gegen ein anderes Virus entwickelt wurden – etwa gegen Ebola, Influenza oder Lungeninfektionen.

So wird in den USA große Hoffnung auf das Ebola-Mittel Remdesivir gesetzt. Es änderte bei Corona-Patienten Dauer und Intensität des Verlaufs. Die Wahrscheinlichkeit, dass – wie seinerzeit bei der Schweinegrippe das Anti-Grippemittel Tamiflu – ein bereits erprobter Wirkstoff umgepolt werden kann, um gegen eine neuartige Virusvariante wirksam zu sein, ist deshalb deutlich größer, als dass auf Anhieb ein komplett neuer Wirkstoff entwickelt wird.

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