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Umweltforscher alarmiert: Naturzerstörung begünstigt neue Krankheiten

  • Wissenschaftler für Biodiversität gehen davon aus, dass Naturzerstörungen Krankheiten wie Ebola oder Sars begünstigen.
  • An den Grenzen der Lebensräume kämen Menschen erst mit Wildtieren in Kontakt, die entsprechende Viren enthielten.
  • Man gehe davon aus, dass von Tieren auf den Menschen übertragene Krankheiten 700.000 Todesfälle pro Jahr verursachen.
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Genf, Bonn. Führende Umweltwissenschaftler warnen, dass die Zerstörung natürlicher Lebensräume die Ausbreitung neuer Krankheiten begünstigt. Mehr als 70 Prozent der neuen Erreger, von denen Menschen infiziert würden, stammten von wilden oder domestizierten Tieren, hieß es in einer Erklärung, die von vier Experten des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) am Montag veröffentlicht wurde.

Pandemien entstünden, wenn immer mehr Menschen durch ungebremste Abholzung, die unkontrollierte Ausbreitung der Landwirtschaft oder andere intensive Landnutzung in direkten Kontakt mit Tieren kämen, die Krankheitserreger in sich trügen.

Ebola, Sars, Zika: Erreger springen auf Menschen über

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Solche Erreger bekämen durch das Eindringen in bislang unberührte Naturräume überhaupt erst die Gelegenheit, auf den Menschen überzuspringen, bestätigte der Generaldirektor des Zentrums für Globale Waldforschung (CIFOR), Robert Nasi, am Montag in Nairobi. Beispiele aus der Vergangenheit dafür seien etwa Ebola, Sars oder Zika. Ob auch das Coronavirus ähnlichen Ursprungs sei, sei noch nicht erwiesen, aber möglich. Hätten sich Erreger von den neu geschaffenen Waldrändern etwa durch Wanderarbeiter erst einmal in Städte ausgebreitet, sei eine Epidemie kaum noch aufzuhalten.

1,7 Millionen unidentifizierte Viren bei Wildtieren

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Dem über den Weltbiodiversitätsrat verbreiteten Beitrag zufolge, den die Professoren Josef Settele, Sandra Díaz, Eduardo Brondizio und Peter Daszak gemeinsam verfasst haben, sind Tier-zu-Mensch-Krankheiten bereits für 700.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Das Potenzial für künftige Pandemien sei sogar deutlich größer. Man gehe davon aus, dass bei Säugetieren und Wasservögeln 1,7 Millionen bisher unidentifizierte Viren existierten, die Menschen womöglich infizieren könnten.

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Vor diesem Hintergrund sei es dringend notwendig, künftige Pandemien durch eine neue Wirtschaftsweise zu verhindern. Bei den absehbaren Konjunkturpaketen zum Wiederaufbau der Wirtschaft müssten zwingend Umweltauflagen eingehalten oder erhöht werden. Die auf komplexe Art miteinander verbundene Gesundheit von Mensch und Tier müsse bei der Naturnutzung stets in Betracht gezogen werden. Zudem müsse massiv in die Gesundheitssysteme in den Regionen investiert werden, wo das höchste Risiko für neue Krankheiten herrsche.

Dem globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrats von 2019 zufolge sind in den kommenden Jahrzehnten eine Million Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht. Derzeit wird innerhalb des Gremiums ein Bericht vorbereitet, der den Zusammenhang zwischen Artenvielfalt, Wasser, Nahrung und Gesundheit beleuchtet. 132 Staaten, darunter auch Deutschland, sind Mitglied des Weltbiodiversitätsrats mit Sitz bei den UN in Bonn. Das Gremium sammelt weltweit wissenschaftliche Daten, analysiert sie und zeigt Handlungsoptionen zum Schutz der Artenvielfalt auf.

RND/epd

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