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Comeback einer gefährdeten Vogelart

Tierschutz­projekt auf Bali: So sollen Balistare vor dem Aussterben gerettet werden

Mit dem sogenannten Balistar wird aufgrund seines Aussehens noch immer stark gehandelt.

Mit dem sogenannten Balistar wird aufgrund seines Aussehens noch immer stark gehandelt.

Babahan. Die drei schneeweißen Vögel sitzen zusammen auf einem Ast und werfen zwitschernd ihre Köpfe hin und her. Im Sonnenlicht leuchten die charakteristischen blauen Flecken um die Augen der Balistare auf. Nach wenigen Minuten schließen sich vier weitere der hochgefährdeten Vögel an: ein Anblick, der noch vor 20 Jahren in der Wildnis unmöglich war.

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Balistare wurden lange Zeit als Käfigvögel gehalten

Um die Wildpopulation zu stärken, lassen Tierschützerinnen und Tierschützer Stare auf Bali frei. Sie arbeiten dafür mit Vogelzüchterinnen und ‑züchtern sowie ‑händlerinnen und ‑händlern zusammen – und damit mit genau jener Gruppe, die zur Gefährdung der Tiere beigetragen hat. Auch wenn aus Sicht von Expertinnen und Experten weitere Forschungen und Beobachtungen notwendig sind, hat sich das Naturschutzprojekt in den vergangenen zehn Jahren vielversprechend entwickelt. Es könnte nach Ansicht von Ornithologen auch auf andere bedrohte Vogelarten in Indonesien wie den Schwarzflügelstar übertragen werden.

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Wegen ihres auffälligen weißen Gefieders und markanten Gesangs waren die auf Bali beheimateten Balistare mehr als 100 Jahren lang heiß begehrt auf dem internationalen Markt für Käfigvögel. Die Jagd auf sie fiel zusammen mit dem Verlust von Lebensräumen durch Flächenumwandlungen für die Landwirtschaft und für Bauprojekte. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) nahm den auch als Bali-Mynah bekannten Vogel 1988 als „stark gefährdete Art“ in ihre Rote Liste auf. Seit 1994 gilt er sogar als „vom Aussterben bedroht“. Im Jahr 2001 gingen Expertinnen und Experten von nur noch etwa sechs Balistaren in Freiheit aus; mehrere Tausend leben weltweit in Gefangenschaft.

Wildpopulation soll wieder wachsen

Eine Nichtregierungsorganisation, die heute den Namen Birdlife International trägt, erkannte in den 1980er-Jahren die dringende Notwendigkeit, die Vogelart zu schützen. Zusammen mit der Regierung startete sie ein Programm zur Aufzucht der Tiere in Gefangenschaft. Um sich daran zu beteiligen, müssen sich Züchter zunächst um eine Lizenz bewerben. Im Fall einer Zustimmung erhalten sie von der Regierung Balistare und dürfen 90 Prozent des Nachwuchses für den privaten Verkauf behalten. Die verbleibenden Vögel werden im Nationalpark West-Bali freigelassen, wo sie von den Parkbehörden beobachtet werden können.

Die Methode lässt sich mit der indonesischen Kultur vereinbaren, in der die Haltung von Käfigvögeln weit verbreitet ist, wie der Ornithologe Tom Squires von der Manchester Metropolitan University erklärt, der sich mit Balistaren und anderen bedrohten Arten in Indonesien befasst. Dort seien auch viele Menschen finanziell auf den Vogelhandel angewiesen.

„Der Nationalpark hat angefangen, das zu verstehen und... Bedingungen zu schaffen, in denen eine Wildpopulation existieren und wachsen kann“, sagt er. „Vogelhalter können weiterhin Vögel halten und ihrem Hobby nachgehen, ohne für Wildpopulationen echte Probleme zu verursachen – was meiner Ansicht nach wesentlich besser ist als die Ausrottung von Arten auf der Welt.“

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Schutzmaßnahmen scheinen Erfolg zu zeigen

Die ersten Freilassungsaktionen verliefen indes nicht ganz reibungslos. Einige Stare waren mit einem Parasiten infiziert, der zu einer hohen Sterberate unter Jungvögeln führte. Andere wurden von natürlichen Feinden getötet. Die Wilderei ging ebenfalls weiter – zudem wurde die Aufzuchtstation des Nationalparks von bewaffneten Angreifern ausgeraubt, die fast 40 Tiere entwendeten. In den vergangenen zehn Jahren verliefen die Schutzbestrebungen jedoch erfolgreicher, wie Squires erklärte. Die Gründe dafür seien eine verstärkte Überwachung der Vögel, eine größere Datenbasis und mehr Forschung.

Parkchef Agus Ngurah Krisna Kepakisan führt die Erfolge des Aufzuchtprogramms auch auf die Einrichtung von „Pufferdörfern“ rund um den Park zurück. Die Bewohner dort erhalten Unterstützung bei ihrem Bemühen um eine Zuchtlizenz. „Indem sie sich als Züchter betätigen, helfen sie uns dabei, die Vögel in der Natur zu schützen“, sagt er. „Sie sind auch diejenigen, die sich oft um Balistare in der Natur kümmern.“

Nach Angaben von Squires gilt es eindeutige Beweise dafür, dass freigelassene Vögel Nachwuchs bekommen haben. Er gehe deshalb davon aus, dass die Population bis zu einem bestimmten Grad selbsterhaltend sei, sagt er.

Die Fortschritte des Programms sind im ganzen Park sichtbar. Dort leben laut Kepakisan inzwischen 420 Balistare, die in den Bäumen herumhüpfen, ihre Köpfe aus Nistkästen strecken und Besucher ankreischen. Auch in anderen Regionen wie dem drei Fahrtstunden entfernten Tabanan wurden die Tiere wieder angesiedelt. Die Behörden hoffen, damit auch vogelbegeisterte Touristen anzulocken – und auf entsprechende Einnahmen.

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RND/AP

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