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Seit Jahrzehnten ausgestorben

Forscher wollen den Tasmanischen Tiger „wiederauferstehen“ lassen

Ein Foto zweier Tasmanischer Tiger, aufgenommen im Jahr 1902.

Ein Foto zweier Tasmanischer Tiger, aufgenommen im Jahr 1902.

Die Bilder des letzten bekannten Tasmanischen Tigers, der 1936 im Zoo von Hobart auf Tasmanien starb, sind weltberühmt. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen ein elegantes, eher schmächtiges Tier mit einer gestreiften Musterung.

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Dieses vermeintlich letzte Exemplar starb nur zwei Monate, nachdem die Spezies gesetzlich geschützt worden war. Forscher und Forscherinnen halten es bisher für unwahrscheinlich, dass die Tierart noch lange danach in ihrer Heimat – den Wäldern der australischen Insel Tasmanien – überlebt hat. 1982 erklärte die Weltnaturschutzunion die Tiere offiziell für ausgestorben, 1986 folgte auch die Regierung von Tasmanien.­­

Eine Prämie für jeden gefangenen Tasmanischen Tiger

Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hing mit einer Kombination von Faktoren zusammen, die sich allesamt auf die Ankunft der Europäer in Australien im 18. Jahrhundert zurückführen lassen. Denn die neuen Siedler und Siedlerinnen rodeten Wälder, schleppten Krankheiten ein und begannen bald eine erbarmungslose Jagd auf den Beutelwolf, wie der Tasmanische Tiger auch genannt wird.

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Als Fleischfresser standen die Tiere in Verdacht, Vieh zu reißen, und so führte die tasmanische Regierung 1888 eine Prämie von einem Pfund pro gefangenen Beutelwolf ein. Die rund 5000 Beutelwölfe, die zum Zeitpunkt der europäischen Besiedlung wohl noch auf Tasmanien lebten, wurden auf diese Weise rasant dezimiert. Bisher galt der Tasmanische Tiger deswegen – ähnlich wie der Dodo oder die Wandertaube – als Symbol für das vom Menschen verursachte Artensterben.

Doch immer wieder gibt es auch mehr oder weniger glaubwürdige Berichte über Sichtungen. Die Frage, ob der Tasmanische Tiger nun tatsächlich in den 1930ern oder zumindest in den Jahrzehnten danach ausgestorben ist, liefert deswegen immer wieder Stoff für Zeitungsberichte.

Der Tasmanische Tiger soll zum Leben erweckt werden

Auch die Nachricht der Universität von Melbourne sorgte am Mittwoch für großes Aufsehen in Australien: So wollen Forschende der Universität gemeinsam mit US-amerikanischen Kollegen und -Kolleginnen der texanischen Firma Colossal Biosciences versuchen, den Tasmanischen Tiger wieder zum Leben zu erwecken. Bei dem Prozess sollen Stammzellen von einer lebenden Beuteltierart mit ähnlicher DNA – der Schmalfußbeutelmaus – entnommen werden. Das Team hofft, den Beutelwolf dann mithilfe von Stammzellen und Gen-Editing-Technologie, einer sogenannten Genschere, rekonstruieren zu können. Das neue Projekt ist dank einer Spende über mehrere Millionen Dollar möglich.

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Das Team ist deswegen optimistisch, da es bereits das Genom eines jugendlichen Exemplars sequenziert hat, das sich im Besitz der Victoria Museen befindet. Das Ergebnis davon sei – wie Andrew Pask, der die Forschung an der Universität von Melbourne leitet, gegenüber dem „Guardian“ sagte – „ein vollständiger Plan zum Bau eines Beutelwolfs“. „Ich glaube, dass wir in zehn Jahren unser erstes lebendes Beutelwolfbaby bekommen könnten“, wird der Forscher in einer Pressemitteilung zitiert. Das endgültige Ziel des Teams ist es, den Beutelwolf irgendwann dann auch wieder auf Tasmanien auszusiedeln.

Klonversuch misslang

Mehrere andere Fachleute haben jedoch mit Skepsis auf die Ankündigung aus Melbourne reagiert und eine „Wiedergeburt“ der Tiere als „Science-Fiction“ bezeichnet. Ausgestorbene Tiere wieder zum Leben zu erwecken sei „eine märchenhafte Wissenschaft“, sagte Jeremy Austin vom Australian Centre for Ancient DNA der australischen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“. Seiner Meinung nach gehe es bei dem Projekt „mehr um die Medienaufmerksamkeit für die Wissenschaftler und weniger darum, ernsthafte Wissenschaft zu betreiben“.

Auch Corey Bradshaw, ein Ökologe der Flinders-Universität in Südaustralien, hielt es für unwahrscheinlich, dass das Projekt erfolgreich sein könnte. Selbst wenn es im Labor möglich wäre, die Tiere wiederzubeleben – und selbst da habe er seine Zweifel, meinte der Forscher –, so glaube er nicht, dass das Team es schaffen würden, Tausende von Individuen mit ausreichender genetischer Variation zu züchten. Letzteres wäre aber notwendig, um eine gesunde Population an Beutelwölfen zu schaffen, wie er im Interview mit dem „Guardian“ sagte.

Tatsächlich ist es der Wissenschaft bisher nicht gelungen, ausgestorbene Tiere „zurückzuholen“. Ähnliche Versuche, das Wollmammut wiederzubeleben, haben bisher beispielsweise nicht gefruchtet. Auch im Fall des Tasmanischen Tigers hat man in den vergangenen 20 Jahren bereits erfolglos experimentiert: So versuchte das Australian Museum, die Tiere zu klonen. Das Projekt wurde 2005 eingestellt.

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