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Tag der Deutschen Einheit 2019: Warum feiern wir den 3. Oktober?

  • Am 3. Oktober 2019 jährt sich der Tag der Deutschen Einheit zum 29. Mal.
  • Überall in Deutschland werden Feste zur Feier der Wiedervereinigung ausgerichtet.
  • Der Nationalfeiertag ist in allen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag.
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Berlin. Der 3. Oktober 1990 markiert eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Deutschlands. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) trat der Bundesrepublik Deutschland (BRD) bei, aus zwei Ländern wurde nach 41 Jahren wieder eins. Des historisch bedeutsamen Moments wird in der gesamten Republik deshalb mit dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober gedacht. In vielen Städten und Gemeinden finden Feierlichkeiten statt, Schulen und Geschäfte bleiben geschlossen. Natürlich haben auch Arbeitnehmer an dem deutschen Nationalfeiertag frei.

Seit 1990 wird die deutsche Wiedervereinigung jedes Jahr am 3. Oktober gefeiert. In diesem Jahr fällt der Nationalfeiertag auf einen Donnerstag.

Wie kam es zum Tag der Deutschen Einheit?

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Nach dem Zweiten Weltkrieg teilten die Alliierten Deutschland unter sich auf. Zunächst gab es vier Besatzungszonen, am 23. Mai 1949 wurde aus den drei Westzonen die Bundesrepublik, am 7. Oktober 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone die DDR. Schon bald darauf verhärteten sich die Fronten zwischen Ost und West. Der sogenannte Eiserne Vorhang trennte Europa. Die Grenze verlief mitten durch Deutschland, Berlin wurde durch die Berliner Mauer in einen Ost- und einen Westteil geteilt.

Ende der 1980-er Jahre verringerte die Sowjetunion unter Generalsekretär Michail Gorbatschow ihren Machteinfluss in Osteuropa immer weiter. Zudem wagten immer mehr Menschen, gegen die Staatsführungen in der DDR und anderen osteuropäischen Staaten aufzubegehren. So erstarkte die politische Opposition auch in der DDR immer mehr, die Friedliche Revolution wurde eingeläutet. 1989 wurde die Grenze in Ungarn für Ostdeutsche geöffnet. Immer mehr Bürger flohen aus der DDR in den Westen.

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Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 bedeutete zugleich das Ende der DDR und der Teilung Deutschlands. Im folgenden Jahr stimmten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs einer deutschen Wiedervereinigung offiziell zu. Am 3. Oktober 1990 schließlich trat der Einigungsvertrag zwischen Ost- und Westdeutschland in Kraft. Damit war das Land wiedervereint und der Tag der Deutschen Einheit wurde als Feiertag im Bundesgesetz verankert.

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Warum ist der Tag der Deutschen Einheit nicht am Tag des Mauerfalls?

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, womit die Teilung Deutschlands, zumindest symbolisch, überwunden war. Ursprünglich sollte daher der 9. November zum Tag der Deutschen Einheit erklärt werden. Allerdings fällt auf dieses Datum auch die sogenannte Reichspogromnacht von 1938, in der das nationalsozialistische Regime brutal gegen die jüdische Bevölkerung im Deutschen Reich vorging. Im Zuge der Novemberpogrome kam es zu Verhaftungen, Misshandlungen und Morden. Zudem ordnete das Regime die massenhafte Zerstörung von jüdischen Geschäften, Wohnungen und Gotteshäusern an. Deshalb gilt der 9. November 1938 als Beginn der strukturierten Vernichtung jüdischen Lebens durch die Nazis.

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Um die Überschneidung mit diesem Datum zu vermeiden, entschied man sich für den 3. Oktober als gesamtdeutschen Nationalfeiertag.

Traditionen zum Tag der Deutschen Einheit

Seit 1990 findet zum Tag der Deutschen Einheit eine offizielle Feier statt. Die Ausrichtung wird immer von der jeweiligen Landeshauptstadt des Bundeslandes übernommen, welches den Vorsitz im Bundesrat innehat. Somit ist 2019 die Stadt Kiel für die Feier zum Tag der Deutschen Einheit zuständig. Die Festlichkeiten finden in diesem Jahr unter dem Motto "Mut verbindet" statt. Aber auch in zahlreichen anderen deutschen Städten werden jedes Jahr Feste am 3. Oktober organisiert.

Eine besondere Erinnerung an den Tag der Deutschen Einheit ist die sogenannte Einheitsflagge vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Die größte offizielle Flagge der Bundesrepublik Deutschland wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 gehisst. Seitdem wurde sie viermal auf Halbmast gesetzt, zuletzt nach den Terroranschlägen in Brüssel am 22. März 2016.

Wie vereint ist Deutschland im Jahr 2019?

In die Freude über die überwundene Teilung mischte sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung auch Ernüchterung. Viele Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind auch 29 Jahre nach der Einheit nicht gänzlich aufgehoben. Ungleiche Lebensverhältnisse bestimmen noch heute politische Debatten und beschäftigen die Menschen in den neuen und alten Bundesländern.

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Um die Bevölkerung über den Stand der Deutschen Einheit zu informieren, veröffentlicht die Bundesregierung seit 1997 einen Jahresbericht. Im aktuellen Bericht zieht der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), eine positive Bilanz der Entwicklung im Osten nach 1989. Kritiker weisen allerdings auf noch immer bestehende wirtschaftliche Diskrepanzen zwischen Menschen in Ost- und Westdeutschland hin.

RND/lk