Superzellen: Wie entstehen diese gefährlichen Gewitter?

Sie sind sehr viel mächtiger und wesentlich langlebiger: Die sogenannten Superzellen sind gefährlicher als Gewitter und äußern sich in Sturmböen, Hagel und Tornados. Ein Wetterexperte warnt sogar vor einem erhöhten Auftreten dieser Gewitter durch den Klimawandel.

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Hannover. Lange Hitzeperioden und anschließende Unwetterwarnungen – schon längst ist das keine Seltenheit mehr. Immer häufiger wird im Zusammenhang mit Gewittern von sogenannten Superzellen gesprochen. Erst Anfang August sorgten drei davon in Süddeutschland für Unwetter. Aber was ist das überhaupt und wie entstehen sie? "Superzellen sind im Gegensatz zu kleineren Wärmegewittern sehr große Gewitter", erklärt Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt vom Wetterdienst "Wetterkontor" gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Diese gewaltigen Gewitter entstehen durch "dynamische Prozesse in der Atmosphäre". Voraussetzung dafür seien eine hohe Luftfeuchtigkeit, ein hoher Temperaturunterschied zwischen dem Boden und der höhren Atmosphäre, sowie die starke Zunahme des Windes vom Boden bis in höheren Schichten.

Superzellen: Deutlich gefährlicher als normale Gewitter

Die Superzellen entladen sich schließlich in schweren Unwettern mit Sturmböen, Starkregen, Blitzeinschlägen sowie Tornados, so Schmidt. Das klingt zunächst genauso, wie bei normalen Gewittern, doch wegen ihrer enormen Intensität seien sie deutlich gefährlicher als normale Gewitter. „Die Superzellen stabilisieren sich zwischenzeitlich immer wieder“, so Schmidt. Der Unterschied zwischen normalen Gewittern und Superzellen sei für einen normalen Betrachter jedoch kaum zu erkennen.

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Anders ist es bei der Langlebigkeit der Superzellen: „In den höheren Schichten ist der Wind stärker, dadurch ziehen die Superzellen sehr schnell weiter“, erklärt Schmidt. Zudem seien sie über mehrere Stunden aktiv und legen in dieser Zeit mehrere hundert Kilometer zurück. „Währenddessen schwächen sie sich immer wieder ab und nehmen an Intensität zu“, so der Wetterexperte. Im Vergleich: Wärmegewitter sind in der Regel nach 30 Minuten wieder vorbei.

Verstärkt treten die größeren Gewitterkomplexe im Westen der USA auf. „Aber aber auch in Mitteleuropa kommt es zu diesen starken Gewittern“, erklärt Schmidt. Vor allem im Sommer, wenn die Luft feucht und warm ist, sei das Potenzial für die Superzellen sehr hoch – vollkommen unabhängig von der Tageszeit.

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Potenzial für Unwetter steigt durch den Klimawandel

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Obwohl in jüngster Vergangenheit immer häufiger von Superzellen die Rede war, revidiert Schmidt ein verstärktes Auftreten dieser Unwetter. "Es gab die Superzellen auch schon früher, allerdings verbreiteten sich die Informationen über das Internet heute sehr viel schneller." Trotzdem könnte es bald viel mehr Superzellen geben. "Durch den Klimawandel und die damit verbundene wärmere Luft steigt das Potenzial für solche Unwetter." Zumindest für die kommenden drei Tage ist kein Gewitter angekündigt.

Von Cecelia Spohn/RND

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