Super Bowl in Miami: Ein Megaevent wird nachhaltig

  • Wenn am Sonntag rund 70.000 Menschen in Miamis Hard Rock Stadium den 54. Super Bowl zwischen den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs sehen, werden sie Teil einer Premiere.
  • Denn zum ersten Mal wird ein sportliches Massenevent in den USA beinahe plastikfrei.
  • Statt Kunststoff gibt es recyceltes Aluminium und Bambus – und auch der maritimen Umwelt kommt der Super Bowl zugute.
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Miami. 50.000 Aluminiumbecher, die sowohl recycelt wie auch wieder recycelbar sind, stehen zur Verfügung. Die federleichten Becher sind sogar spülmaschinenfest – und dazu noch ein tolles Souvenir, das schon im Bierpreis mit enthalten ist. Mit den Aluminiumbechern werden rund eine halbe Million Plastikbecher eingespart, die sonst bei einem Event dieser Größenordnung verbraucht würden, so der Hersteller Ball Corporation.

Zu 99,4 Prozent plastikfrei

Das ist aber noch nicht alles, denn auch Teller und Besteck sind ab dem Super Bowl kunststofffrei. Die Alternative hier ist Bambus. Auch die Bierflaschen sind aus Aluminium oder Glas und nicht mehr aus Kunststoff. Für Heißgetränke gibt es weiterhin Pappbecher, auch die Strohhalme sind aus Pappe.

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So sehen die Aluminiumbecher aus. © Quelle: Getty Images

So sollen 99,4 Prozent aller Plastikprodukte aus dem Stadion verbannt werden. Einzig Popcorn wird noch in Plastikbehältern serviert, die allerdings wiederverwendbar sind. Diese Regeln gelten übrigens ab sofort auch für das Heimteam der Miami Dolphins. Die kommende Saison wird also die erste plastikfreie in Miami sein. Andere Stadien sollen schon bald folgen.

Auch das Cateringunternehmen Centerplate, das bereits seinen 15. Super Bowl ausrichtet, setzt auf Nachhaltigkeit. Mehr als 40 lokale Produzenten und Restaurants sind Teil eines kulinarischen Angebots, das selbst in der absoluten Spitze gänzlich umweltverträglich ist. Und auch in Sachen nicht tierische Lebensmittel haben die National Football League und Centerplate die Zeichen der Zeit bei diesem Super Bowl erkannt: Mehr als zehn unterschiedliche vegane Gerichte werden am Spieltag im Stadion angeboten.

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Nachhaltiger Luxus für die VIPs – vom 5000-Dollar-Edelgedeck werden 1000 Dollar für die marine Natur Südfloridas gespendet. © Quelle: Daniel Killy

In den Suiten, die für 150.000 bis 750.000 Dollar zu mieten sind, gibt es das sogenannte Oysters & Pearls Package. Zwölf Austern, Kaviar mit Crème fraîche und Blini, zwei Champagnergläser von Tiffany’s, eine Flasche Dom Perignon und ein Armband aus Akoyaperlen gibt es für 5000 Dollar zu erwerben. Die Austern sind von einer Biofarm, auch der Kaviar ist nachhaltig produziert – und natürlich werden auch ausschließlich Zuchtperlen verwendet. Damit nicht genug: 1000 Dollar pro Luxusgedeck spendet Centerplate an Organisationen, die sich um die Bewahrung der marinen Ökologie im Süden Floridas kümmern.

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Die Skulptur "The Fishes Wishes" (Die Wünsche der Fische) wurde von drei 13-jährigen freiwilligen Müllsammlern aus Strandgut gefertigt und steht als Symbol für die Nachhaltigkeit dieses Super Bowl im Pressezentrum. © Quelle: Daniel Killy

Menschengemachte Umweltdramen

Das ist auch bitter notwendig, denn in den 1920er-Jahren haben die Menschen der Region das Süßwasser des Lake Okeechobee, dem wichtigsten Südwasserreservoir Floridas, nach Westen und Osten umgeleitet, um Land, das bis dahin zu den Everglades gehörte, urbar zu machen. Die Folge war ein Riesengewinn von Weideflächen und Farmland sowie Trinkwasser für die Großstädte. Aber der See spielt eine entscheidende Rolle für den Wasserhaushalt der Everglades.

Das riesige Feuchtgebiet, die Lunge Floridas, wurde einerseits mit Phosphaten und anderen Abfällen von Rinderwirtschaft und Citrusplantagen belastet, andererseits stieg durch den verminderten Wasserzufluss der Salzgehalt in den Everglades – und somit auch in der angrenzenden Florida Bay, dem Teil des Atlantiks, in den die Everglades münden. „Das führte dazu, dass teilweise sogar die extrem robusten Mangroven abstarben“, erklärt Steve Davis von der Everglades Foundation, die 1993 gegründet wurde, um das fragile Ökosystem zwischen Everglades und offenem Meer zu retten.

Schwimmende Pressekonferenz: Steve Davis erklärt in den Everglades die Folgen der Übersalzung. © Quelle: Daniel Killy

Versalzung der Everglades

Die Foundation, die während der gesamten Woche vor dem Super Bowl auf Miamis Partymeile am Bayfront Park vertreten ist, hatte eigens eine Exkursion veranstaltet, um die Folgen der menschlichen Eingriffe in das fragile Ökosystem Südfloridas zu geben. Mit Booten ging es von der Isla Morada in den Florida Keys in die Everglades und die Bucht von Florida.

Die Auswirkungen des menschengemachten Umweltdramas, das durch Hurrikans, die Salzwasser in die Everglades drücken, noch verstärkt wurde, sind deutlich zu sehen. Das für viele Tierarten als Nahrungsmittel unverzichtbare Seegras fehlt an vielen Stellen des seichten Wassers. Mit gesundem Seegras ist das Wasser kristallklar, fehlt es, ist es trübe – ein ganz schlichter Indikator für die biologische Gesundheit.

Da das Seegras gleichzeitig als Filter dient, ist das auch für die Wasserqualität fatal. Massen von abgestorbenem Seegras trieben vor einigen Jahren über das Wasser, Fische starben, der Blaualgenbefall nahm durch die Übersalzung rapide zu.

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Abgestorbene Mangroven an der Grenze zwischen Everglades und Florida Bay. © Quelle: Daniel Killy

Die Wut der Fischer

Das war der Moment, als sich auch das Bewusstsein der vielen professionellen Fischer änderte. „Früher haben wir uns um die Umwelt nicht geschert“, sagt Captain Daniel, professioneller Anbieter von Hochseeangeltouren. „Aber mit der Versalzung wird auch unsere Lebensgrundlage gefährdet. Seit wir das begriffen haben, hat sich unser Bewusstsein geändert. Und die Wut ist groß, dass das Problem in Washington nicht gesehen wird.“

Wütend auf die Politik in Washington: Captain Daniel. © Quelle: Daniel Killy

Regional und im Bundesstaat allerdings schon. Die Everglades Foundation setzt deshalb auch auf Öffentlichkeitsarbeit. „Eine Veranstaltung wie der Super Bowl ist eine großartige Gelegenheit, das Augenmerk der Menschen auch auf Südfloridas großartige Natur zu lenken“, sagt Steve Davis dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Und die Stiftung hat große Pläne. Sie will den Rückbau der ursprünglichen Wasserflüsse aus dem Lake Okeechobee erreichen, ein langfristiges Projekt, das Davis mit rund 200 Milliarden Dollar veranschlagt.

Gesundes Seegras sorgt für glasklares Wasser – es ist an der fotografierten Stelle etwa 1,20 Meter tief.

Eine ordentliche Anschubfinanzierung wird gewiss die Kampage „Ocean to Everglades“ (O2E) geben, den der CEO der Everglades Foundation, Eric Eikenberg, zusammen mit der Umweltorganisation der NFL, NFL Green, und der Ocean Conservancy ins Leben gerufen hat. Deren Ziel ist es, langfristig Natur und Mensch im Süden Floridas in Einklang zu bringen – und so langfristig die hausgemachte Ökokrise zu überwinden. Die Natur jedenfalls gibt ihr Bestes, dem Menschen dabei zu helfen, und regeneriert sich. Nach dem absoluten Tiefpunkt 2015 mit einem Salzgehalt von teilweise 70 Gramm pro Kilo Meerwasser (normal sind etwa 35) liegt die Salinität, wie eine Vor-Ort-Messung ergab, bei rund 39 Gramm.


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