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Studie: Mensch nicht zwingend für das Aussterben der Neandertaler verantwortlich

  • Bislang war man davon ausgegangen, dass der moderne Mensch einen direkten Einfluss auf das Aussterben des Neandertalers hatte.
  • Wissenschaftler aus den Niederlanden haben nun herausgefunden, dass das nicht zwingend der Fall gewesen sein muss.
  • Schuld am Aussterben des Urmenschen kann eine Kombination aus Inzucht, hohen Sterblichkeitsraten und ungünstigen Geschlechterverhältnissen gewesen sein.
Heidi Becker
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Vor etwa 40.000 Jahren ist der Neandertaler ausgestorben – darin sind die Wissenschaftler sich einig. Was aber nicht ganz klar ist, sind die Gründe dafür. Bislang war man davon ausgegangen, dass der moderne Mensch den Neandertaler beim Eintreffen in Europa überrannt hat und für sein Aussterben verantwortlich war.

Eine Studie der Technischen Universität in Eindhoven, über die der "Guardian" berichtet, lässt nun aber einen anderen Schluss zu. Demnach hatte der Neandertaler möglicherweise einfach nur Pech. Von Inzucht, natürlichen Schwankungen der Geburtenraten, hohen Sterblichkeitsraten und ungünstigen Geschlechterverhältnissen geplagt, könnte das Aussterben einfach ein natürlicher Prozess ohne das Zutun des modernen Menschen gewesen sein. Die Studie ist im Fachjoural "Plos One" erschienen.

Aussterben begünstigt durch Inzucht

Eine große Rolle spielte dabei auch Inzucht. Die Forscher aus Eindhoven wiesen zwar in verschiedenen Modellen nach, dass die Urmenschen wahrscheinlich nicht allein durch Inzucht ausgestorben sind. Inzucht in Kombination mit anderen natürlichen Veränderungen in der Bevölkerung könnte jedoch für das Aussterben verantwortlich gewesen sein.

Neandertaler wurde durch modernen Menschen isoliert

Als der moderne Mensch in Europa ankam, war die Population bereits auf 10.000 bis 70.000 Neandertaler geschrumpft. Die niederländischen Wissenschaftler malen ein Szenario aus, in dem der moderne Mensch nur eine Teilschuld am Aussterben des Neandertalers trägt. Allerdings nicht wegen dessen Überlegenheit, sondern weil ihr Eintreffen in Europa die unterschiedlichen Gruppen noch weiter isolierte.

Neandertaler war Homo Sapiens nicht unterlegen

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Tatsächlich war der Homo Sapiens dem Neandertaler laut der Wissenschaftler wohl nicht wirklich überlegen: Der Neandertaler soll ein ähnliches Gehirn wie der Homo Sapiens und eine ausgeprägte Kultur gehabt haben.

Allerdings: Wirklich repräsentativ sind die Ergebnisse aus den Niederlanden nicht: Die Modelle der Wissenschaftler stützen sich auf moderne menschliche Gruppen, aber diese unterscheiden sich biologisch. Die Untersuchungen zu dem Thema werden also noch andauern.

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