Studie: Klimawandel macht Städte heißer und trockener

  • Der Klimawandel wirkt sich auch auf das Klima in den Städten aus.
  • US-Forscher haben herausgefunden, dass es in den urbanen Regionen auf der Erde zukünftig immer heißer und trockener wird.
  • Im extremsten Fall könnten sich in den Monaten Juni bis August urbane Regionen um durchschnittlich 4,4 Grad Celsius erwärmen.
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Städte rund um den Globus könnten bei fortschreitender Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts immer mehr zu trockenen Hitzeinseln werden. In urbanen Regionen drohe bis 2100 im schlimmsten Fall ein durchschnittlicher Temperaturanstieg um mehr als vier Grad Celsius bei gleichzeitiger Abnahme der Luftfeuchtigkeit, wie Wissenschaftler im Fachblatt „Nature Climate Change“ schreiben. Die Autoren schlagen vor, diesem Effekt mit grüneren Städten entgegenzusteuern.

Gut drei Viertel der Weltbevölkerung leben laut dem „Atlas of the Human Planet“ der EU in urbanen Ballungsräumen – eine Zahl, die künftig vermutlich noch weiter wachsen wird. Städte tendieren dazu, sich aufgrund der vielen Beton- und Asphalt-Oberflächen wesentlich stärker aufzuheizen als ländliche oder vorstädtische Gebiete. Dieser Effekt macht Städte wärmer und trockener und stellt eine gesundheitliche Belastung für die Bewohner dar. So können vermehrte Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Folge sein. Eine Studie im Fachblatt „The Lancet“ kam zu dem Schluss, dass in Deutschland 2018 rund 20.200 Todesfälle bei über 65-Jährigen im Zusammenhang mit Hitze standen.

Städte könnten sich um über vier Grad erwärmen

Deshalb ist es wichtig, die Folgen des Klimawandels auch speziell für urbane Regionen besser abschätzen zu können. Ein Team um den Umwelt- und Atmosphärenforscher Lei Zhao von der Universität von Illinois entwickelte daher ein statistisches Modell, in dem 26 verschiedene Klimamodelle mit mittleren und hohen Emissionsszenarien auf städtische Gebiete angewandt werden können. Dabei konzentrierten sich die Forscher auf die Entwicklung zwischen der Periode von 2006 bis 2015 im Vergleich zur Periode von 2091 bis 2100.

Das Ergebnis: Im schlimmsten Fall (RCP 8.5.) könnten sich in den Monaten Juni bis August urbane Regionen um durchschnittlich 4,4 Grad Celsius erwärmen, in Klimamodellen mit weniger Emissionen (RCP 4.5.) betrage diese Erwärmung immer noch 1,9 Grad Celsius. Mit Ausnahme von Küstenstädten sagen die Wissenschaftler zudem eine fast flächendeckende Abnahme der relativen Luftfeuchtigkeit voraus.

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Städteplaner und Politik sollten Modelle in zukünftige Planungen miteinbeziehen

Die Autoren zitieren in ihrer Arbeit eine deutsche Studie des Climate Service Center Germany (GERICS), welche den Unterschied in Temperatur und Luftfeuchtigkeit für Berlin und Umgebung dargestellt und modelliert hatte. Auch jene Modellierung ergab, dass der urbane Ballungsraum Berlin bei stark fortschreitendem Klimawandel wärmer und trockener als das Umland wird.

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Die Autoren der aktuellen Studie hoffen, dass Städteplaner und politische Entscheider das neue statistische Modell nutzen, um die jeweiligen Auswirkungen des Klimawandels für ihre spezifischen urbanen Regionen besser abschätzen und entsprechende Anpassungsmaßnahmen ergreifen zu können.

Die Autoren nennen in der Studie vor allem das Stichwort Grüne Infrastruktur, zu der vereinfacht die Begrünung von Flächen und Gebäuden zählt. Der Gedanke dahinter: Die Verdunstung von Wasser auf der Oberfläche von Pflanzen kann einen kühlenden Effekt haben. Dieser Effekt ist den Forschern zufolge in trockenen Städten größer als in feuchteren.

RND/dpa

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