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Studie: Der typische Hochschulleiter ist männlich, weiß, Ende 50 und aus Westdeutschland

  • Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat Hochschulleitungen in Deutschland untersucht.
  • Das Ergebnis: Mehr als drei Viertel sind männlich, die Frauenquote liegt bei nur 22,9 Prozent.
  • “Gerade bei der großen Anzahl an Neubesetzungen von Hochschulleitungen in den vergangenen fünf Jahren wurde eine Chance zur Diversität verpasst”, kritisiert Ulrich Müller vom CHE.
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Gütersloh. An den Hochschulen in Deutschland stehen einer Studie zufolge größtenteils Männer an der Spitze, bevorzugt aus Westdeutschland. Die typische Leitung ist männlich und 59 Jahre alt, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Auswertung des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) ergab. Die Frauenquote liege hier bundesweit bei nur 22,9 Prozent.

Kaum Ostdeutsche, kaum Menschen mit Migrationshintergrund

Auch zeige sich ein starkes regionales Gefälle: Zurzeit würden nur zehn der rund 180 staatlichen Hochschulen von Menschen aus ostdeutschen Bundesländern, die Hauptstadt Berlin mit eingeschlossen, geleitet, hieß es. Nur fünf Rektoren in Deutschland haben demnach einen Geburtsort im Ausland.

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Die Soziologin Isabel Roessler, die am CHE unter anderem zum Thema Hochschulentwicklung forscht, hat für die Erhebung die Daten von rund 300 veröffentlichten Lebensläufen der Hochschulleitungen ausgewertet. Ergänzend befragte sie die Präsidien und Rektorate der 81 öffentlich-rechtlichen Universitäten - ausgenommen Pädagogische Hochschulen und Kunstuniversitäten - sowie der 101 Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Stand der Erhebung ist September/Oktober 2020.

Private Unis sind diverser

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Die Studie wird seit 2018 jährlich erhoben. Erstmals berücksichtigte Roessler die 101 privaten Hochschulen und Universitäten in Deutschland. Dort liege die Frauenquote auch nur bei 20,8 Prozent. Doch im Vergleich zu staatlichen Hochschuleinrichtungen wiesen die privaten Unis insgesamt eine leicht höhere Diversität in der Führungsebene auf, hieß es.

Hier fänden sich eher ausländische Geburtsorte (10 von 15 bundesweit) oder vorgeschaltete praktische Berufsausbildungen. So sammelten die Rektoren und Präsidentinnen im Schnitt rund 13 Jahre Berufserfahrung außerhalb des Wissenschaftssystems, vielfach davon auch im Ausland, bevor sie Karriere an einer privaten Uni oder Hochschule machten.

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Chance zur Diversität verpasst

Laut der Analyse wurde seit 2016 rund jeder zweite Posten als Präsident beziehungsweise Rektor an einer deutschen Hochschule neu vergeben. „Gerade bei der großen Anzahl an Neubesetzungen von Hochschulleitungen in den vergangenen fünf Jahren wurde eine Chance zur Diversität verpasst, etwa die Frauenquote zu erhöhen“, kritisierte der Leiter politische Analysen beim CHE, Ulrich Müller.

Das CHE ist eine gemeinnützige Einrichtung, die regelmäßig das CHE-Ranking und Studien zu Hochschulthemen veröffentlicht. Gesellschafter sind die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz.

RND/epd

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