Studie an Mäusen: Stress sorgt für graue Haare

  • Wer öfter gestresst ist, bekommt schneller graue Haare - zu der Erkenntnis ist ein Forscherteam der Harvard University gekommen.
  • Für die Testreihe wurden Mäuse unter Stress gesetzt, die als Reaktion teilweise graues Fell bekamen.
  • Die Ursache dafür fanden die Wissenschaftler im sympathischen Nervensystem.
Laura Beigel
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Cambridge. Für viele Menschen ist es ein kleiner Schock, wenn sie beim Kämmen die ersten, kleinen grauen Haare entdecken. Dabei muss der Auslöser für das allmähliche Ergrauen nicht unbedingt die Genetik sein. Forscher der amerikanischen Harvard University fanden in einer Untersuchungsreihe nun heraus, dass auch akuter Stress für graue Haare sorgen kann.

Hauptauslöser ist das sympathische Nervensystem

Veröffentlicht haben die Wissenschaftler um Ya-Chie Hsu, Professorin am Department für Stammzell- und regenerative Biologie, ihre Studie in der aktuellen Ausgabe des Nature-Magazins. Ihre Versuchsreihe wandten die Forscher allerdings nicht bei Menschen an, sondern an Mäusen. Diesen wurde Resiniferatoxin verabreicht, das einen Rezeptor im Nervengewebe aktiviert und so einen intensiven Schmerz auslöst. Daraufhin färbte sich das Fell der Tiere an einigen Stellen gräulich.

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Für ihre Untersuchungen verabreichten die Forscher Mäusen eine Schmerz auslösende Chemikalie.

Hsu und ihr Team schlussfolgerten, dass der künstlich ausgelöste Stress direkte Auswirkungen auf das Ergrauen hat. Die Ursache dafür fanden die Forscher im vegetativen Nervensystem, genauer gesagt im Sympathikus. Der Sympathikus beziehungsweise das sympathische Nervensystem schüttet die Hormone Adrenalin und Cortisol aus und sorgt so für eine hohe Leistungsbereitschaft des Körpers.

Gibt es ähnliche Effekte auch beim Menschen?

Einige dieser sympathischen Nerven enden in den Haarfollikeln. Unter Stressbedingungen wird der Neurotransmitter Noradrenalin von den Nerven ausgeschüttet. Dieser Botenstoff bewirkt, dass aus den Stammzellen der Follikel neue Melanin-Zellen gebildet werden. Diese sind maßgeblich für die Färbung der Haare. Nach der übermäßigen Bildung von Melanin bleiben jedoch keine Stammzellen mehr übrig, sodass auch keine neue Zellen zur Melaninproduktion entstehen können. Die nachkommenden Haare werden somit farblos.

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Die sympathischen Nerven schütten in Stresssituationen Botenstoffe aus, die spezielle Stammzellen der Haarfollikel dauerhaft ausschalten können. © Quelle: Sergey Nivens - Fotolia

„Unsere Ergebnisse unterstützen die sich abzeichnende Vorstellung, dass das sympathische Nervensystem nicht nur die Körperphysiologie reguliert, sondern auch eine Vielzahl von Prozessen in der Entwicklung und Gewebeerhaltung beeinflusst“, heißt es im abschließenden Forschungsbericht. Die Befunde zeigen erstmals auch, dass die Aktivität von Stammzellen über Nervensignale regulierbar ist.

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Ob ein ähnlicher Stress-Effekt auch beim Menschen eintreten kann, muss allerdings noch geklärt werden. Da sympathische Nerven beinah überall im menschlichen Körper vorkommen, könnte diese Nervenstimulation durch Stress allerdings auch auf andere Gewebe oder Organe Auswirkungen haben.

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