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Struddlefish: Wissenschaftler haben versehentlich einen neuen Fisch gezüchtet

  • Störe sind stark vom Aussterben bedroht, weshalb Forscher Wege suchen, sie zu retten
  • Durch einen Zufall ist es dabei gelungen, russische und amerikanische Störarten miteinander zu kreuzen.
  • Der "Struddlefish" zeigt damit erneut: Die Natur macht eh, was sie will.
Alice Mecke
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Hannover. In freier Wildbahn wären sich diese beiden nie begegnet - und gepaart hätten sie sich erst recht nicht: Der Löffelstör kommt aus den USA. Der Waxdick, auch russischer Stör genannt, aus Russland. Beide Arten gelten als lebende Urgesteine, da sie sich seit Millionen Jahren kaum verändert habt. Und beide sind vom Aussterben bedroht. Forschern ist es nun durch einen Zufall gelungen, beide Arten zu kreuzen. Das rettet die Arten leider nicht vor dem Aussterben, trotzdem freuen sich die Forscher über den Zufall. Im Fachblatt “Genes” berichtet das Team des ungarischen Forschungsinstituts für Fischerei und Aquakulturen, wie es dazu gekommen ist.

Gynogenese: Weibchen erzeugen natürliche Klone

Die Forscher wollten eigentlich eine seltene Art der Fortpflanzung bei Fischen untersuchen, die Gynogenese. Dabei handelt es sich um ungeschlechtliche Fortpflanzung, die bei Fischpopulationen vorkommt, die rein weiblich sind - Amazonenkärpflinge beispielsweise, die sich ausschließlich auf diese Art fortpflanzen. Die Weibchen lassen dich dabei von artverwandten Männchen begatten. Deren Spermien verschmelzen jedoch nicht mit der Eizelle, sodass die Nachkommen nicht mit dem Männchen verwandt sind.

Bei der Gynogenese dringt ein Spermium in eine Eizelle ein, befruchtet sie dabei allerdings nicht. Das Durchdringen der Zellwand bringt die Eizelle jedoch dazu, sich selbst zu teilen. Dadurch entsteht ein Embryo, der genetisch mit dem Muttertier identisch ist, es entsteht ein Klon von ihr. Das Phänomen wird auch als Sexualparasitismus bezeichnet.

Der Struddelfish - ein Versehen

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Wissenschaftler wollten diesen Sexualparasitismus-Effekt mit Löffelstören und Waxdicks nachstellen, beziehungsweise versuchen, beide Fische in Gefangenschaft zu züchten. Denn beide Arten sind stark gefährdet. Der Waxdick vor allem deshalb, weil aus seinen Eiern Kaviar der Spitzenklasse hergestellt wird. Ein letzter chinesischer Verwandter des Löffelstörs gilt zudem aus ausgestorben, womit er der letzte seiner Art ist.

Die ungarischen Forscher haben für das Fortbestehen der Arten auch die Gynogenese imitiert, was jedoch zu einer neuen Mischform geführt hat, nicht zu einer Kopie der Mutter, wie eigentlich üblich. Das von den Forschern verwendete Fischsperma des Störs befruchtete erfolgreich die Eier des Waxdicks. Geplant war die Erzeugung eines Hybrids laut Forschern nicht - umso überraschender, dass es funktioniert hat. Das Internet hat bereits einen Namen für den Hybrid: Struddlefish.

Waxdick (a), Löffelstör (d) und die Mischformen dazwischen (b und c). © Quelle: Genes

Mund und Appetit der Mutter

Der Struddlefish zeigte Merkmale beider Arten. Die knapp 100 erzeugten Hybride haben alle den Mund ihrer Mutter und laut Forschern auch den “fleischfressenden Appetit” - der Vater ist Vegetarier. Einige haben jedoch die Flossen und Schnauze des Vaters. Nach einer DNA-Analyse an acht Sturddlefish-Exemplaren konnten die Forscher die Hybride in zwei Gruppen aufteilen. Einige der Sturddlefishs haben von ihrer Mutter eine doppelte Dosis DNA erhalten und sehen ihr dadurch sehr ähnlich. Die anderen erhielten fast die gleiche Menge an mütterlicher und väterlicher DNA - und sind deshalb eine Mischung aus beiden.

Die Struddlefishs werden nun von den Wissenschaftlern gepflegt, es gebe aber keine Pläne, weitere zu züchten. Die Hybride könnten zum einen keinen Kaviar produzieren. Zum anderen bestehe die Möglichkeit, dass Struddlefishs die Wildfischpopulationen gefährden.

Die ungarischen Forscher vermuten außerdem, dass die Hybride unfruchtbar sind, denn das ist bei ihnen oft der Fall. Weitere, bekannte Mischformen im Tierreich sind Maultiere (halb Pferd, halb Esel) oder Liger (halb Löwe, halb Tiger).

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