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SpaceX fliegt Astronauten zur ISS: Eine neue Ära in der Raumfahrt?

  • Als erstes kommerzielles Raumfahrtunternehmen fliegt Elon Musks SpaceX Astronauten zur Internationalen Raumstation.
  • Die Mission läutet ein neues Kapitel in der Raumfahrtgeschichte ein.
  • Gelingt sie, könnten weitere Missionen folgen.
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Ein großer Feuerball, ein lauter Knall, Flammen. Als die “Crew Dragon” plötzlich explodiert, bildet sich eine Rauchwolke, die noch in weiter Ferne zu sehen ist und den Himmel über Cape Canaveral orange färbt. Zum Glück war es nur ein missglückter Test. Das Raumschiff stand fest am Boden, an Board waren keine Menschen.

Trotzdem ist die Explosion ein Schock. Denn schließlich sollte das von SpaceX entwickelte Raumschiff einmal genau das tun: Menschen transportieren. Die Explosion im April 2019 ließ daran plötzlich Zweifel aufkommen. Was wenn SpaceX es doch nicht kann? Was wenn die Idee, dass ein kommerzielles Unternehmen Aufgaben übernimmt, die sonst in der Hand von öffentlichen Organisationen wie der Nasa oder Roskosmos liegen, irre war - und irre bleiben muss?

Rund ein Jahr nach dem missglückten Test muss SpaceX nun seinen Kritikern das Gegenteil beweisen. Am Samstag soll an vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral eine “Falcon 9” starten. Es ist der zweite Startversuch, nachdem der erste wegen schlechten Wetters abgebrochen werden musste. Ganz oben, an der Spitze der SpaceX-Rakete, sitzt dann die ebenfalls von SpaceX entwickelte “Crew Dragon” und darin wieder die amerikanischen Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley. Ihr Ziel: die Internationale Raumstation ISS.

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Eine historischer Start - in zweierlei Hinsicht

Der Start wird schon im Vorfeld als historisch gefeiert. Das liegt zum einen daran, dass sich die USA mit der Mission aus der Abhängigkeit von Russland lösen wollen. Seit 2011 sind von amerikanischem Boden aus keine Menschen mehr ins All gestartet. Wollte die Nasa ihre Astronauten zur ISS bringen, musste sie - wie die Esa auch - einen Platz in einer russischen Sojus-Kapsel buchen. Für die USA wäre ein geglückter Start also ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit im All, ein Push für das nationale Ego.

Hier den Start live verfolgen:

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Doch das ist nur ein Grund, warum etwa Nasa-Chef Jim Bridenstine im Vorfeld des Starts mächtig Pathos versprüht. Was Amerika an diesem Mittwoch erlebe, sei auch eine “Veränderung der Raumfahrt generell”, sagte Bridenstine. Das stimmt. Wenn es SpaceX und seinem Gründer Elon Musk tatsächlich gelingt, die zwei Astronauten wohlbehalten zur ISS zu bringen, ist ein neues Zeitalter angebrochen - zumindest für das Weltraum-Business. Denn SpaceX wäre das erste kommerzielle Unternehmen überhaupt, dass einen Menschen ins All transportiert. Bisher ist das nur drei Ländern geglückt - den USA, Russland und China.

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Weltall - geht das nicht kostengünstiger?

Die Sicht auf das Weltall hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Das liegt nicht zuletzt an Elon Musk und dem 2002 gegründeten SpaceX. Während das All früher vor allem Sehnsuchtsraum für patriotische Fantasien und internationale Kooperation war, lockt nun dazu noch das Versprechen auf Profit. Das Weltall ist nicht mehr nur ein Raum, der entdeckt und erforscht, sondern auch genutzt werden will.

Unter dem Stichwort “New Space” summieren sich dann auch die verschiedensten Ideen - vom Internet aus dem All, über Space-Tourismus bis hin zum Asteroiden-Bergbau. Kleine Startups mit großen Ideen sind aus dem Boden geschossen und reiche Milliardäre wie Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos (Eigentümer des Raumfahrtunternehmens Blue Origin) ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Frei nach bekannter Silicon-Valley-Ideologie lautete der Ansatz: Warum den Weltraum den großen, trägen Behörden überlassen? Geht das nicht effizienter, kostengünstiger - besser?

Raumfahrt ist trotz allem schwierig

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Exemplarisch dafür steht etwa der Google Lunar X-Prize. Das Tech-Unternehmen hatte 2008 dem ersten Unternehmen, dass eine Sonde auf dem Mond landen würde, 20 Millionen Dollar versprochen. Verschiedene internationale Teams stürzten sich auf die Herausforderung. Doch bis zur Deadline hatte niemand es geschafft. Und dass, obwohl sie immer wieder nach hinten verschoben wurde. Zuletzt zerschellte die israelische Sonde Beresheet 2019 auf dem Mond. Alle anderen Teams sind nicht einmal losgeflogen.

Ihr Scheitern verdeutlicht eine unbequeme und einfache Wahrheit: Raumfahrt ist trotz aller Faszination schwierig. Das hat kürzlich auch Virgin-Chef Richard Branson wieder einmal spüren müssen: Der erste Testflug einer Trägerrakete des US-Raumfahrt-Unternehmens Virgin Orbit ist misslungen. Die Vorstellung, dass ein Flug ins Weltall einmal so alltäglich ist wie eine ICE-Fahrt von München nach Berlin, ist zwar verlockend - aber nicht einfach in die Realität umzusetzen.

Alles neu designt: Die Astronauten Douglas Hurley (links) und Robert Behnken tragen SpaceX-Raumanzüge. © Quelle: imago images/ZUMA Wire

Elon Musk: SpaceX- und Tesla-Chef polarisiert

Elon Musk und anderer Space-Unternehmer wie Bezos oder Branson wurden und werden daher auch manchmal belächelt. Haben die reichen Männer keine effizientere Möglichkeit gefunden, Geld zu verbrennen? Besonders die Person Elon Musk polarisiert. Der SpaceX- und Tesla-Chef verkündet, auf den Mars ziehen und Touristen zum Mond schießen zu wollen, er provoziert regelmäßig mit seinen Tweets und muss sich wegen wüster Beschimpfungen vor Gericht verantworten. Manche halten Musk deshalb für einen Spinner. Für einen Typen, der sich gerne in PR und Gedöns verwickelt - wie man auch jetzt beim groß inszenierten Start beobachten kann. Aber auch das wäre nur die halbe Wahrheit.

Denn die Autos von Tesla fahren tatsächlich auf der Straße und die Raketen von SpaceX fliegen erfolgreich ins All. Die Idee von der wiederverwendbaren Rakete, die die Raumfahrt effizienter machen soll, ist mit SpaceX inzwischen Realität geworden. 2012 hat das Unternehmen als erstes überhaupt eine Lieferung zur ISS gebracht - mittlerweile hat SpaceX ganze 21 Cargo-Missionen bewerkstelligt.

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2014 wählte die Nasa das Unternehmen dann gemeinsam mit Boeing aus, um auch Menschen zur Internationalen Raumstation zu befördern. Die heutige Mission, noch Demo-2 genannt, soll bloß der Auftakt für weitere sein. Wenn alles nach Plan verläuft, soll es noch in diesem Jahr einen weiteren Start geben, der dann vier Astronauten zur ISS bringen soll. Und vielleicht transportiert SpaceX dann ja tatsächlich auch bald Touristen ins All.

Leitet SpaceX eine neue Ära der Raumfahrt ein?

Vor dem Start gibt es also viele Fragen: Tritt die kommerzielle Raumfahrtindustrie nun in ein neues Zeitalter ein? Kann auf die erste Phase mit der Belieferung der ISS die zweite Phase der kommerziellen Raumfahrt mit dem Transport von Menschen folgen? Und darauf vielleicht sogar die dritte Phase, in der kommerzielle Raumfahrtunternehmen sogar eigene Raumstationen betreiben, wie auch das Portal Space.com fragt. Vieles hängt von dieser Mission ab.

Erstmal aber muss alles gut gehen. Laut Plan sollen die Astronauten einen Tag nach dem Start an der ISS andocken. Dort erwarten sie keine großen Aufgaben. Das Ziel sei es, sie zur ISS zu bringen, die Systeme zu testen und die Astronauten dann wieder nach Hause zu bringen, sagte Birdenstine. “Wenn sie mehr Arbeit machen können, während sie auf der ISS sind, dann ist das sicher in Ordnung. Aber das hier ist ein Testflug.”

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