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Sinn und Zweck des Sonntags: „Wir brauchen die mentale Distanzierung von der Arbeit“

  • Seit genau 1700 Jahren gibt es den Sonntag als Ruhetag.
  • Die Einführung hatte ursprünglich politische Gründe.
  • Heute steht das arbeitsfreie Wochenende zunehmend unter Druck.
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Berlin. Vor 1700 Jahren, am 3. Juli 321, erklärte der römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum Ruhetag. In einigen Quellen wird auch der 3. März genannt, aber der Mittelalterhistoriker Gerhard Lubich von der Ruhr-Universität Bochum hält den 3. Juli für wahrscheinlicher. Sicher ist das Jahr 321.

In römischer Zeit gab es einen „dies solis“, einen Tag des Sonnengottes, der als erster Tag der Woche definiert war. „Konstantin hat diesen Tag zum Feiertag erklärt“, erläutert Lubich. Für den ersten Tag der Woche entschied er sich deshalb, weil er wie andere Kaiser vor ihm selbst den Beinamen „Sol invictus“ - unbesiegter Sonnengott - führte. „Das heißt also, mit diesem Tag feiert er gleichzeitig sich selbst. Das scheint eine Konstante der Weltgeschichte darzustellen: Herrscher, die etwas Besonderes sein wollen, versuchen über die Einführung von Feiertagen bis hin zu Kalenderreformen, das Leben ihrer Untertanen zu beeinflussen.“

Der Sonntag war ursprünglich religiös geprägt

Da der erste Tag der Woche nun ein Feiertag war, sollten an diesem Tag die Geschäfte zumindest der Stadtbevölkerung ruhen. Den von Konstantin begünstigten Christen kam der Tag gut aus, weil Jesus der Überlieferung zufolge am Tag nach dem Sabbat (Samstag), also am Sonntag, von den Toten auferstanden war. „Das jüdische Ruheprinzip des Sabbats wurde damit auf den Sonntag übertragen und im Laufe des 4. Jahrhunderts zu dem, was wir als Sonntag bezeichnen.“

Dieses Ruheprinzip wird bis heute geschätzt, wenn auch nicht mehr unbedingt aus religiösen Gründen. Mittlerweile geht es auch um zwei freie Tage, Samstag und Sonntag. „Diese Ruhephase einmal wöchentlich ist etwas Sinnvolles, das wir nicht aufgeben sollten“, sagt Susanne Völter-Mahlknecht, Direktorin des Instituts für Arbeitsmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Untersuchungen hätten vielfach gezeigt, dass einer Phase der Belastung zeitnah eine Erholungsperiode folgen sollte.

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„Man braucht - generell gesprochen - elf Stunden als Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen, aber eben auch eine längere Ruhephase von zwei Tagen einmal in der Woche“, sagt Völter-Mahlknecht. „Es gibt eine neuere Studie von 2020, in der es Hinweise gibt, dass es - zumindest für manche Berufsgruppen - schlechter ist, eine Stunde am Wochenende zu arbeiten als Überstunden unter der Woche zu machen.“

Wenn Erschöpfung nicht relativ schnell ausgeglichen werde, werde das Erholungsdefizit immer größer. Dann müsse man mit der Zeit immer mehr Energie aufwenden, um die geforderte Arbeitsleistung doch noch zu erbringen - und das könne dann zum Beispiel auf ein Burnout hinauslaufen.

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Abschalten fällt in der heutigen Arbeitswelt vielen schwer

Durch die Flexibilisierung des Arbeitslebens kommt das freie Wochenende allerdings zunehmend unter Druck: Man geht noch mal eben schnell die Mails durch, sei es aus Neugierde oder weil man denkt, dass der Chef es erwartet. Oder man arbeitet sogar vor - mit dem Argument, dass man dann am Montag nicht so viel Stress hat. Einer Studie zufolge beschäftigen sich 60 Prozent der Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit gedanklich mit der Arbeit.

Die Erholungsforscherin Christine Syrek von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg berichtet: „Viele unserer Versuchspersonen checken am Wochenende Emails, ohne dass es nötig wäre.“ Es sei fast so etwas wie eine Zwangshandlung. Das aber könne sich sehr negativ auswirken, warnt Völter-Mahlknecht. „Das Abschalten, das wir für eine qualitativ hochwertige Ruhezeit einfach brauchen, wird dadurch eingeschränkt. Wir brauchen die mentale Distanzierung von der Arbeit.“

Das betont auch Christine Syrek: „Wir brauchen den Kontrast zu unserer beruflichen Tätigkeit. Wenn ich die ganze Zeit geistig gefordert bin, tut's mir gut, mich in meiner Freizeit körperlich zu fordern und umgekehrt.“ Entspannung bedeute nicht unbedingt, die Füße hochzulegen. Im Gegenteil, der Erholungseffekt könne viel größer sein, wenn man etwas unternehme - zum Beispiel Wanderungen oder Fahrradtouren. „Das wirkt sich positiv auf die Stimmung aus, weil man dann das Gefühl hat, etwas Sinnvolles getan zu haben.“

RND/dpa

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