Smartphone und Tablets im Einsatz gegen das Waldsterben

  • Klimawandel, Hitze, Borkenkäfer: Der Wald in Deutschland steckt in die Krise.
  • Im Kampf gegen das Waldsterben setzen Förster immer häufiger auf digitale Lösungen.
  • Gerade ältere Förster tun sich damit aber schwer.
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Porta Westfalica. Förster Markus Uhr läuft über den matschigen Waldboden, in der Hand ein Tablet. “Ohne dieses Gerät gehe ich nicht mehr aus dem Haus”, sagt er. Seit 21 Jahren arbeitet Uhr als Revierförster in Ostwestfalen-Lippe. Seit zwei Jahren besteht seine Arbeit vor allem aus Krisenmanagement. Inzwischen spricht er von einer Katastrophe. Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben den Wald in Nordrhein-Westfalen krank gemacht. Laut dem Waldzustandsbericht 2019 ist aktuell nur jeder fünfte Baum gesund. Um da den Überblick nicht zu verlieren, sind Smartphone und Tablet inzwischen wichtiger als Kompass und Fernglas.

Vor 30 Jahren waren die meisten Waldreviere in Deutschland um die 1000 Hektar groß, wie Jens Düring vom Bund Deutscher Forstleute (BDF) sagt. Heute seien es im Schnitt bis zu dreimal so viel. Markus Uhrs Revier im Nordosten von Nordrhein-Westfalen umfasst eine Waldfläche von 4400 Hektar, das ist etwa so viel wie 3000 Fußballfelder. Auch deshalb reichen Stift und Papier nicht mehr, um alle Schäden und Bestände im Blick zu haben.

Förster Markus Uhr hält ein Tablet, während er in einem Waldstück im Wiehengebirge vor einem abgeknickten Baum steht. © Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Viel Zeit geht bei der Suche nach beschädigten Bäumen verloren

Für den Kampf gegen Borkenkäfer gibt es seit Frühjahr 2019 in NRW 20 neue Kollegen, ausgestattet mit einer speziellen App. Einer davon ist Michael Schulz. Er sucht den Wald nach befallenen Bäumen

ab. Entdeckt er einen kranken Baum, tippt er einmal auf sein Display, die App speichert die Koordinaten per GPS ab. Die markierten Stellen tauchen dann als rote Punkte in der Karte von Markus Uhr auf. Genauso funktioniert es mit Sturmschäden. Vor 13 Jahren, beim Orkan Kyrill, hat Markus Uhr alle Schäden noch auf einer Karte auf Papier eingetragen. Vor zwei Jahren beim Sturmtief Friederike hatte er schon die digitale Karte. Jetzt hat er die Käfer-App.

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Mit einer Handbewegung wählt Markus Uhr die roten Punkte aus und macht daraus mit einem Klick eine Excel-Tabelle. Die Daten schickt er an ein Forstunternehmen, das die betroffenen Bäume fällt. Bei einem solchen Unternehmen arbeitet Bernd Marcus. Seine Erfahrung zeigt: Bei der Zusammenarbeit zwischen Förstern und externen Dienstleistern geht oft zu viel Zeit für die Suche nach den richtigen Bäumen verloren. Herkömmliche Navigationsgeräte kennen die Wirtschaftswege im Wald nicht. Werden die Koordinaten per Telefon durchgegeben, kann es zu Fehlern kommen. Bei Markus Uhr und vielen anderen Förstern läuft das deshalb inzwischen digital.

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Ältere Förster tun sich mit der Digitalisierung schwer

Nicht allen Förstern fällt das leicht. Der Altersdurchschnitt der deutschen Förster liegt laut BDF bei über 50. Teils gebe es Widerstände, sich auf Neues einzulassen. "Da ist der Forst doch sehr konservativ, ich möchte fast sagen rückständig", sagt Marcus. Daran trügen manche Softwareentwickler Mitschuld: "Anwendungen müssten einfacher konzipiert sein", ist er überzeugt.

Markus Uhr steht vor einem Stapel gefällter Bäume und löst mit einem Taschenmesser ein Stück Rinde ab. Darunter krabbeln Borkenkäfer. Diese Stämme müssen möglichst schnell ins Sägewerk, damit die Käfer aus dem Wald verschwinden. Der Förster öffnet eine App auf seinem Tablet und fotografiert damit den Stapel. Die App zeichnet hellgrüne Kreise um jeden einzelnen Stamm und spuckt die Zahl 149 aus. Normalerweise hätte Uhr das per Hand gezählt und dabei jeden einzelnen Stamm mit einer Sprühdose markiert, um keinen zu vergessen. Das Foto schickt er zusammen mit den Koordinaten des Stapels an ein Abfuhrunternehmen, das das Holz ins Sägewerk bringt.

Der Wald wird digitaler

Die Digitalisierung mache Abläufe schneller und teils unkomplizierter, sagt Düring. Aber auch das modernste Tablet töte keine Borkenkäfer, die beste App könne keinen Baum pflanzen, betont er. Ohne ausreichendes und qualifiziertes Personal könne man die Waldkrise nicht bewältigen.

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Fragt man Markus Uhr und Michael Schulz, wie sie sich den digitalen Wald der Zukunft vorstellen, fällt ihnen noch mehr ein außer Apps. Vielleicht speichern Holzernte-Maschinen künftig selbst die Koordinaten der gefällten Bäume ab? Solche Visionen sind noch Zukunftsmusik. "Erstmal wären wir ja froh, wenn wir überall im Wald Handyempfang hätten", sagt Uhr.

RND/dpa

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