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Friedrich-Loeffler-Institut warnt: Schweinepest “kann jederzeit irgendwo in Deutschland auftreten”

  • Seit dem ersten Fall der Afrikanischen Schweinepest vor fast zwei Wochen haben die Behörden insgesamt 14 bestätigte Fälle gemeldet – alle davon in Brandenburg.
  • Das Friedrich-Loeffler-Instituts betont jedoch, dass man sich nicht nur auf das Geschehen in diesem Cluster konzentrieren sollte.
  • Nun gelte es, bundesweit schnell und flexibel auf weitere Fälle mit Maßnahmen zu reagieren.
Ben Kendal
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Es fing alles mit einem toten Wildschwein an: Als ein Spaziergänger im Brandenburger Landkreis Spree-Neiße auf den strengen Geruch eines Wildschweinkadavers aufmerksam wurde, meldete er den Fund einem Jäger. Daraufhin wurden Proben des Kadavers für eine virologische Analyse ins Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gebracht. Dort bestätigte sich der Verdacht einer Infektion mit dem Afrikanischen Schweinepestvirus (ASP) – der erste Fall der Tierseuche in Deutschland

Die Behörden meldeten inzwischen insgesamt 20 Fälle in den Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree. Der Ausbruch kam nicht unerwartet: “Die ersten Fälle in Deutschland waren keine überraschenden Ereignisse, wenn man die Verbreitung des Virus in Asien und Europa betrachtet”, sagte Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

“Man sollte sich nicht nur auf das Geschehen in dem Cluster in Brandenburg konzentrieren”

Alle derzeit bestätigten Fälle befinden sich innerhalb des gefährdeten Gebiets. Es werde derzeit intensiv nach weiteren Fällen gesucht und somit auch ständig weitere Kadaver untersucht. Mettenleiter warnt jedoch davor, den Blick nur auf das derzeit gefährdete Gebiet zu richten: “Man sollte sich nicht nur auf das Geschehen in dem Cluster in Brandenburg durch die mögliche Westwärtsausdehnung aus Westpolen konzentrieren. Die ASP kann jederzeit irgendwo in Deutschland auftreten”, sagte der FLI-Präsident. “Jetzt gilt es, flexibel und vorausschauend zu planen. Wenn mehr Fälle dazukommen, muss schnell mit Maßnahmen reagiert werden, um die Ausbreitung einzudämmen.”

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Schweinepest-Schutzmaßnahmen laufen auf Hochtouren
1:24 min
Nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg hat China den Import von Schweinefleisch aus Deutschland verboten.  © Reuters
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Der Ausbruch der Schweinepest hält deutsche Hausschweinehalter in Atem. China, der größte Abnehmer für deutsches Schweinefleisch, stoppte die Einfuhren aus der Bundesrepublik. Auch Japan verhängte ein Importverbot. Landwirte stellen sich daher die Fragen: Wie lange wird die Tierseuche noch bleiben – und welche Gebiete werden betroffen sein? “Im Frühstadium lässt sich überhaupt noch nicht sagen, ob und wo weitere Ausbreitungsherde entstehen", sagte Mettenleiter.

Deutschland orientiert sich bei Maßnahmen an Tschechien und Belgien

Um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen, orientiere man sich an den Maßnahmen, die zuvor bereits in Tschechien und Belgien getroffen wurden. In Tschechien grassierte die Afrikanische Schweinepest etwa ein Jahr lang. Die Tierseuche wurde durch eine Abriegelung der Ausbruchsherde bekämpft und trat dort seit April 2018 nicht wieder auf. In Belgien kam es 2018 zu den ersten Fällen, allerdings wurden im Frühjahr 2020 Virusgenome nur noch in alten Kadavern nachgewiesen. “Wichtig ist, dass wir Maßnahmen ergreifen, wie sie schon in Tschechien und Belgien durchgeführt wurden: Also Einzäunungen, Jagdreglementierungen, Betretungsverbote und Kadaversuche", betont Mettenleiter.

Kontaminierte Lebensmittel: Ausbreitungsrisiko durch menschliche Aktivitäten

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Die Erkrankung sei im Hausschweinbestand durch Methoden der Tierseuchenbekämpfung – wie die Tötung infizierter Tiere – schnell bekämpfbar. “Das Problem sind insbesondere die Wildtiere: Das Virus kann sich im Wildschweinbestand festsetzen und durch infizierte Tiere ausbreiten”, sagt Mettenleiter. Die Ausbreitung sei hierbei deutlich schwieriger nachzuverfolgen.

Bislang sind in Deutschland nur Wildschweine an der Afrikanischen Schweinepest erkrankt. © Quelle: Lino Mirgeler/dpa

Obwohl sich das Virus in Deutschland nur von Schwein zu Schwein überträgt, kann auch der Mensch an der Verbreitung der Krankheit beteiligt sein. “Ein Ausbreitungsrisiko besteht auch durch menschliche Aktivitäten, etwa wenn möglicherweise kontaminierte Lebensmittel wie rohes Fleisch wie Rohwürste und Rohschinken nicht sachgemäß beseitigt werden oder kontaminiertes Material nicht genügend desinfiziert wird”, sagte der Virologe. Daher müsse Fleisch und Material in verschlossenen Tonnen entsorgt werden und dürfe nicht für Wildschweine zugänglich sein.

FLI: Hausschweinehalter müssen “strikt die Hygieneverordnung einhalten”

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Noch ist unklar, wie die ASP genau nach Deutschland kam. Mettenleiter schätzt, dass es zu einer Westwärtsausdehnung des westpolnischen Geschehens gekommen ist. Die Afrikanische Schweinepest breitete sich ursprünglich durch den Reiseverkehr von Afrika nach Armenien, Aserbaidschan, Russland, Ukraine und Weißrussland aus. So wurden auch in weiteren osteuropäischen Ländern wie Ungarn und Polen Fälle bestätigt. In Asien breitete sich das Virus innerhalb eines Jahres in weiten Teilen Chinas und vielen Nachbarländern aus.

“Wichtig ist, dass Hausschweinehalter strikt die Hygieneverordnung einhalten – und derzeit auch lieber darüber hinaus gehen”, betont Mettenleiter. Die Krankheit sei bei Schweinen zunächst über allgemeine Symptome wie hohes Fieber zu erkennen. In 90 Prozent der Fälle führe sie zum Tod des infizierten Tiers. “Ein eindeutiger Befund lässt sich nur über eine Labordiagnostik mit anschließender Bestätigung beim Friedrich-Loeffler-Institut feststellen”, sagt er.

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