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Schlucken statt pieksen: Mediziner entwickeln neuartigen Grippeschutz

Können wir uns bald gegen Grippe schützen, ohne Antikörper gespritzt zu bekommen? Mediziner haben jetzt einen neuen Ansatz entwickelt.

San Diego.Mediziner haben einen neuen Ansatz gegen Grippeviren entwickelt. Die Substanz könne geschluckt werden und wirke gegen mehrere Virus-Subtypen, berichtet ein internationales Team im Fachjournal „Science“. Erste Versuche mit Mäusen und menschlichen Zellen seien erfolgreich gewesen. „Das ist eine technisch tolle, sehr gut gemachte Arbeit“, kommentierte der Virologe Stephan Ludwig von der Universität Münster. Der Ansatz ziele aber zunächst auf die Entwicklung der Methode. Bis die zu einem Medikament führe, werde es noch lange dauern.

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In Deutschland gingen in der Saison 2017/18 nach Schätzung des Robert Koch-Instituts neun Millionen Menschen wegen einer Influenza-Erkrankung zum Arzt. Vermutlich starben damals mehr als 20.000 Infizierte an Grippe – auch in diesem Jahr steigt die Zahl der Grippefälle immer weiter.

Antikörper müssen gespritzt werden – und sind teuer

Als Vorbild für den neuen Wirkstoff nahmen die Forscher um Ian Wilson vom Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien sogenannte breit neutralisierende Antikörper (bNAb), die sich an ein Kernelement von Grippeviren lagern: das Hämagglutinin. Es spielt eine wichtige Rolle beim Andocken und damit auch beim Eindringen der Grippeviren in Körperzellen. Der Kernbereich von Hämagglutinin bleibt in vielen Grippeviren unverändert erhalten. Es ist daher ein vielversprechendes Ziel für neue Impfungen und Medikamente.

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Antikörper müssen jedoch gespritzt werden und sind teuer. Daher analysierten die Forscher 500.000 Substanzen, die genau an derselben Stelle wie die breit neutralisierenden Antikörper andocken. Sie fanden die Substanz mit dem kryptischen Titel „JNJ4796“, die wie ihr Antikörper-Vorbild bestimmte Grippeviren vom Typ A blockierte.

Mäuse überlebten dank einer neuen Substanz

Mäuse, die eine tödliche Dosis Grippeviren bekamen, überlebten dank der Substanz „JNJ4796“ die Attacke. Sie wurde ihnen einen Tag vor und einige Tage nach der Infektion gegeben. Zudem schaltete die Substanz die Grippeviren auch in Laborkulturen von menschlichen Bronchialzellen aus.

Der Ansatz des Forscherteams, kleine Moleküle zu entwickeln, die die Wirkweise der größeren Antikörper simulieren, sei vielversprechend und breiter verwendbar, sagt Ludwig, der Grippe-Experte der Gesellschaft für Virologie ist. Es sei für ein Grippe-Medikament jedoch nötig, alle zirkulierenden Grippeviren und nicht nur wie hier rund ein Drittel davon zu bekämpfen. Zudem müssten die Nebenwirkungen noch besser erforscht – und mögliche Resistenzen vermieden werden. Der Weg ist also noch lang. Doch der Anfang scheint gemacht.

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Von RND/DPA

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