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Schleimiger Angriff: Wie Quallen mit Nesselzellen auf Beutefang gehen

  • Ein Forscherteam aus Japan und den USA hat das Phänomen des "stechenden Wassers" untersucht.
  • Besondere Mangrovenquallen sondern in Stresssituationen kleine Schleimgranaten ab.
  • Noch ist nicht ganz geklärt, zu welchem Zweck die Quallen den Schleim absondern.
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Washington/Sendai. Bislang war das Phänomen unter Schnorchlern und Schwimmern als “stechendes Wasser” bekannt. Nun haben Forscher dessen Ursache aufgedeckt: Einige Quallen sondern kleine Tröpfchen ins Wasser ab, die mit Nesselzellen versehen sind.

Mangrovenqualle Cassiopea xamachana: Auslöser des “stechenden Wassers”

“Die Entdeckung war beides: eine Überraschung und eine lang erwartete Lösung des Mysteriums vom stechenden Wasser”, sagt Erstautorin Cheryl Ames von der Smithsonian Institution in Washington und der Tohoku University in Japan. Zuvor seien als Ursache für das Phänomen unter anderem freie Tentakel, Anemonen, Lachsläuse – auch Seeläuse genannt – oder andere Meerestiere diskutiert worden.

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Produzentin dieser kleinen Schleimgranaten ist die Mangrovenqualle Cassiopea xamachana, wie das Team im Journal Communications Biology berichtet. Sie treibt nicht wie viele andere Quallen im Meer, sondern liegt umgedreht mit ihren Mundarmen nach oben auf dem Boden seichter Gewässer. Die für Quallen üblichen Tentakel am Rand des Schirmes fehlen bei ihr.

Die Mangrovenqualle Cassiopea xamachana liegt mit dem Rücken auf dem Meeresboden (Screenshot, Studie in Communications Biology). © Quelle: A. Morandini

Nesselzellen lösen Hautirritationen beim Menschen aus

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Die Qualle liebt stilles Wasser und ist in zahlreichen Lagunen, Seegrasgebieten und Mangroven der Tropen und Subtropen zu finden. Da sie vor allem in gut erhaltenen Mangroven lebt, gilt sie für diese Gebiete als Indikator für erfolgreichen Küsten- und Naturschutz.

Die Forscher hatten den Schleim der Qualle zunächst unter dem Mikroskop betrachtet und fanden überraschenderweise kleine zerklüftete Bällchen, die sich darin bewegten. Sie nannten diese Cassiosome. Bei näherer Betrachtung stellten diese sich als Tropfen in “Popcorn-Form” heraus, deren Außenschicht vor allem aus Nesselzellen besteht. Mit Hilfe dieser Mini-Harpunen, die meist Gifte enthalten, können auch andere Quallen Beute fangen und beim Menschen das typische Brennen auf der Haut auslösen.

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Haut, die mit Quallen in Berührung kommt, reagiert meist mit einem roten Ausschlag und Pusteln. © Quelle: Getty Images/iStockphoto

Quallen sondern bei Stress Cassiosomen ab

Daneben gibt es auf den Cassiosomen aber auch haarähnliche Filamente als eine Art Antrieb. In den Cassiosomen fanden die Forscher ockerfarbige Algen, die auch in den Quallen vorhanden sind.

Die Cassiosomen stecken zunächst in löffelartigen Strukturen der Qualle. Provozierten die Forscher die Qualle leicht, dann entließ sie eine Art Schleim mit Tausenden von Cassiosomen. Gaben die Forscher kleine Salzkrebschen in ein Gefäß mit Cassiosomen, dann starben die Tiere rasch.

Vor allem in Stresssituationen sondern Quallen Schleim ab, der kleine zerklüftete Bällchen hält. Diese werden Cassiosomen genannt. (Screenshot, Studie in Communications Biology). © Quelle: Cheryl L. Ames, Anna M. L. Klompen et al.

Cassiosome kommen mehrheitlich bei Wurzelquallen vor

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Es ist noch nicht genau nachgewiesen, wozu die Cassiosomen gut sind. Ames vermutet, dass sie der Nahrungsbeschaffung dienen. Die ockerfarbenen Algen liefern den Quallen zwar auch Nährstoffe, doch sie benötigen Ames zufolge zuweilen wahrscheinlich eine Ergänzung. Zuvor war bereits bekannt, dass Cassiopea-Schleim einzelne Nesselzellen enthält und allein über den Kontakt Fische verschiedener Arten töten kann.

“Es sind nicht die giftigsten Lebewesen, aber sie können der menschlichen Gesundheit schaden”, sagte Mitautorin Anna Klompen von der University of Kansas (USA). Inzwischen haben die Forscher die Cassiosomen bei vier weiteren Quallenarten gefunden, die alle zur Ordnung der Wurzelquallen gehören. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob Cassiosome auch bei anderen Quallen vorkommen.

RND/dpa

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