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Vor Rhode Island in den USA

„Termiten der Meere“ drohen Schiffswrack der „Endeavour“ aufzufressen

Familien spielen bei einer neuen Kunstinstallation an dem Standort, an dem Lieutenant James Cook in Australien an Land gegangen sein soll.

Familien spielen bei einer neuen Kunstinstallation an dem Standort, an dem Lieutenant James Cook in Australien an Land gegangen sein soll.

Die vermeintlichen Überreste der berühmten „Endeavour“ – also des Schiffes, mit dem Kapitän James Cook einst in Australien landete – sollen laut eines Forschers von Schiffsbohrwürmern bedroht sein. Die als „Termiten der Meere“ bekannten Tiere nagen wohl bereits kräftig an den historisch bedeutsamen Überresten, die vor Rhode Island in den USA am Meeresboden liegen.

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Die Entdeckung hat Reuben Shipway gemacht, ein Dozent für Meeresbiologie an der University of Plymouth. Shipway war zu dem Wrack hinabgetaucht. Bei seinem Tauchgang musste er feststellen, dass die als „Termiten der Meere“ bekannten Tiere die Überreste infiltriert haben und dabei sind, sich durch das Holz zu fressen. „Das bedeutet, dass eines der wichtigsten Wracks der Menschheitsgeschichte direkt vor unserer Nase zerstört wird“, sagte Shipway dem „Boston Globe“.

Eine besonders zerstörerische Art

Damit würde ein kulturelles Erbe zerstört, das Großbritannien mit Australien und den USA verbinde, so der Forscher. Die „Endeavour“ war während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges 1788 einst im Hafen von Newport versenkt worden. Mit demselben Schiff hatte Kapitän James Cook 18 Jahre zuvor einst Australien erreicht. Nach der Landung beanspruchte er das Land für die britische Krone.

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Ein Befall mit Schiffsbohrwürmern ist eine ernste Angelegenheit. Die Tiere, die wie Würmer aussehen, aber zu den Muscheln gehören, fressen sich in das Holz von Schiffen oder Holzstrukturen wie Bootsanleger und legen mit Kalk ausgekleidete Gänge an. Im Falle des Schiffswracks vor Rhode Island soll es sich um die Art Teredo Navalis handeln. Die Tiere gelten als „Weltenbummler“, die sich sowohl in warmen Tropengewässern wie auch in kühleren Gefilden wohlfühlen. Es soll eine besonders zerstörerische Art unter den Bohrwürmern sein. Laut Shipway wäre es deswegen dringend notwendig, sich um das Wrack zu kümmern und Ressourcen und Mittel aufzubringen, um es zu schützen.

Wrack ist zu einem Zankapfel geworden

Doch letzteres wird dadurch behindert, dass das Wrack zu einem Zankapfel unter den Archäologen und Archäologinnen geworden ist. So meldete das Australian National Maritime Museum (ANMM) im Februar, dass Fachleute eindeutig bestätigt hätten, dass es sich bei den Überresten vor Rhode Island in den USA um das Wrack der „Endeavour“ handele. Die Größe, strukturelle Details und die Form der gefundenen Teile würden passen, so hieß es vonseiten der Australier und Australierinnen. Zudem würden Holzproben darauf hindeuten, dass das Schiff in Europa und nicht in Amerika gebaut worden sei.

In den USA wurde die Meldung dagegen mit Empörung aufgenommen. Das Rhode Island Projekt für Meeresarchäologie (RIMAP) veröffentlichte als Reaktion ein Statement, in dem es die australische Bekanntgabe als „verfrüht“ bezeichnete. RIMAP sei seit jeher die federführende Organisation für die Studie im Hafen von Newport gewesen, hieß es darin. An einer Stelle sprachen die US-amerikanischen Vertreter und Vertreterinnen sogar von einem „Vertragsbruch“ der Australier und Australierinnen.

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Ist es überhaupt die „Endeavour“?

Das, was man am Fundort des Schiffswracks sehen könne, stimme zwar tatsächlich mit dem überein, was man von der „Endeavour“ erwarte. Das gestanden auch die amerikanischen Archäologen und Archäologinnen ein. Doch ihrer Meinung nach ist die Beweislage nicht eindeutig genug. Es gebe nach wie vor viele unbeantwortete Fragen. Im gleichen Atemzug kündigten die RIMAP-Forschenden einen eigenen Bericht an – sobald „ein angemessener wissenschaftlicher Prozess abgeschlossen“ sei, der nicht von „australischen Emotionen oder Politik“ bestimmt sei, wie sie meinten.

Auch RIMAP ist davon überzeugt, dass die „Endeavour“ in der Region liegt. Doch welches der insgesamt 13 Schiffe, die die Archäologen und Archäologinnen an neun Standorten in der Region gefunden haben, Cooks Schiff ist, darauf wollten sich die US-amerikanischen Forschenden bisher nicht festlegen lassen. Ihr Bericht wird nun aber in Kürze erwartet.

„Endeavour“ wurde 1778 versenkt

Der britische Marineoffizier James Cook hatte das Kommando der „Endeavour“ 1768 übernommen. Cook war damals für seine Navigationsfähigkeiten in ganz Großbritannien geschätzt. Sein offizieller Auftrag lautete, den Durchgang der Venus durch die Sonne auf Tahiti zu beobachten und den noch immer sagenumwobenen Südkontinent zu finden, der das logische Gegengewicht zur Landmasse im Norden bilden würde. Nachdem er Plymouth im August 1768 verließ, segelte er zunächst durch die Pazifikinseln, bevor er im September 1769 in Neuseeland ankam. Als er schließlich im April 1770 im Osten Australiens landete, nahm er das Land für die britische Krone in Anspruch.

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1775 wurde die „Endeavour“ schließlich verkauft und in „Lord Sandwich“ umbenannt. Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kam das Schiff als britischer Truppentransporter zum Einsatz und wurde 1778 in einer Blockade vor Rhode Island schließlich versenkt. Ein Nachbau der „Endeavour“ wird im Australian National Maritime Museum in Sydney ausgestellt. Außerdem befindet sich ein Bild des Schiffes auf der neuseeländischen 50-Cent-Münze. Auch das Nasa-Raumschiff „Endeavour“ wurde nach dem Schiff Cooks benannt.

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