Schatzkiste Natur: Basteln mit Moos, Eichel und Co.

  • Die Natur hält eine Schatzkiste aus Bastelmaterialen bereit.
  • Bei einem Spaziergang kann man allerhand Naturmaterialien sammeln.
  • Im Herbst macht das Basteln mit Eicheln, Blätter, Mais, Kastanien oder Moos besonders viel Spaß.
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Hannover. Die Natur hält im Herbst viele Materialien bereit, aus denen man mit den lieben Kleinen beispielsweise "Eichelzwerge", Blattkäferchen" oder süße "Moos-Monster" basteln kann. Sabine Lohf hat schon viele Kinderbücher herausgebracht. Ihr neustes Buch heißt "Das große Naturbastelbuch", in dem sie viele Basteln-Ideen zusammengetragen hat. Einen kleinen Überblick diverser Bastel-Ideen gibt es in der Bildergalerie.

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Der Aztekenkönig: Aus den Kolben und Blättern vom Mais lassen sich tolle Kunstwerke basteln – wie der Aztekenkönig. Sind die Blätter sehr grau, kann man sie in einer Schüssel mit Seifenwasser waschen und abbürsten. Zum Trocknen zwischen einige Lagen Zeitungspapier legen. So werden sie auch schön glatt. Für den König die getrockneten Maisblätter in passende Streifen schneiden und auf Tonkarton kleben. Die Körner vom Maiskolben lösen und die Figur damit verzieren. Für das Zepter ein Stück von einer Rispe abschneiden.

Sabine Lohf: Bastelkönigin und Autorin

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Sabine Lohf wird auch gern die „Bastelkönigin“ genannt. Die 62-Jährige hat in Berlin Malerei, Grafik und Fotografie studiert und war viele Jahre verantwortliche Redakteurin und Grafikerin der Zeitschrift „Spielen und Lernen“, wobei sie das Basteln für sich entdeckte. Der Herbst hält ihrer Meinung nach besonders viele Schätze bereit, aus denen man tolle Sachen basteln kann. Ob nun mit Eicheln, Blättern, Mais, Kastanien oder Moos: Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, sagt die Kinderbuch-Autorin im Interview.

Frau Lohf, jetzt ist es auch offiziell: Der Herbst ist da – und mit ihm haufenweise buntes Laub, reifes Obst und kullernde Kastanien. Was bedeutet Ihnen diese Jahreszeit?

Der Herbst ist für mich ganz reich und bunt an Farben. Und er hält – von Kürbissen bis Kastanien – unglaublich viele Schätze bereit. Im Herbst muss man nach draußen gehen, vor allem mit Kindern. Sie können so viel entdecken, so viel sehen lernen: Ein Ahornblatt, gezackt wie ein Drache, eine Kartoffel mit Nase oder eine Hagebutte mit Königskrone. Im Herbst sammle ich alles ein, was ich finden kann, trage es nach Hause und mache daraus kleine Kunstwerke.

Was macht das Basteln mit Dingen aus der Natur so reizvoll?

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Es ist besonders kreativ, denn man schafft etwas ganz Individuelles, etwas ganz Eigenes. In der Natur gleicht kein Teil dem anderen. Es gibt keine identischen Kürbisse. Hagebutten sind mal krumm, mal kugelrund, mal länglich wie ein Hexenschuh. All die Früchte und Schätze, die ich in der Natur finde, sind für mich irgendwie beseelt, nahezu magisch besetzt. Das macht die ganze Sache für Kinder noch einmal abenteuerlicher.

Wer mit Blättern, Hagebutten und Moos bastelt, wird keine Kunstwerke für die Ewigkeit erhalten. Ist die Vergänglichkeit ein Problem?

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Nein, für mich ist das Teil des Projekts. Alles entsteht und vergeht, für mich ist der Weg das Ziel. Ich finde es richtig und wichtig, dass man zusieht, wie eine Kastanie schrumpelt oder wie ein Blatt zerbröselt. Auf diese Weise erfährt das Kind die Gesetze der Natur und es kann sich auf den nächsten Herbst freuen. Ich bin ein Freund des Wegschmeißens: Ist eine Bastelei alt und kaputt, muss sie weg. Das schafft Raum für Neues und die Möglichkeit, immer dranzubleiben. Naturbasteln kann man das ganze Jahr über.

Weshalb ist das Basteln mit Naturmaterialien schöner als mit Pappe, Papier und Plastikperlen?

Weil man dafür in die Natur gehen und sich sein Material suchen muss. Das Draußensein ist doch so wichtig: sich hinausbewegen, die Angst vor der Natur verlieren, auch mal in den Wald gehen, bei Wind und Wetter. Das kommt heute oft zu kurz und ist dabei doch so einfach – und kostenlos.

Worauf sollte man beim Basteln aus Naturmaterialien achten?

Was man immer braucht, ist ein Holzbohrer. Wenn man mit ihm hantiert, muss man als Kind natürlich ein bisschen aufpassen – vielleicht sollte man sogar Handschuhe tragen, um keine Splitter in die Hände zu bekommen oder sich in den Finger zu bohren. Zur Grundausrüstung gehören zudem Bindfaden, eine stumpfe Stopfnadel, ein bisschen Schnur, ein normaler Klebstoff und Knete. Mit diesen wenigen Dingen kann man schon viel erreichen.

Sie sind eine wahre Bastelpäpstin, etliche Bastelbücher gehen auf ihr Konto. Womit hat alles angefangen?

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Ich habe von Kindesbeinen an viel gewerkelt. Mein Großvater hatte eine Tischlerei, meine Großmutter war Schneidermeisterin, dadurch bin ich von klein auf viel mit Materialien in Berührung gekommen. Ich habe mit Stoffresten gebastelt, Holzstücke geschnitzt und bin draußen herumgestromert, um Schätze zu sammeln. Mein Wunsch war es, Künstlerin zu werden. Tatsächlich habe ich dann auch die Berliner Kunsthochschule besucht. In die Rolle der „Basteltante“ bin ich eigentlich erst später bei der Zeitschrift „Spielen und Lernen“ irgendwie so reingerutscht.

Was bringt das Basteln?

Konzentration, Fingerfertigkeit, Fantasievermögen. Das Wichtigste aber ist: Man beschäftigt sich mal etwas länger mit einer Sache. Viele können das gar nicht mehr so gut. Ich bin entsetzt, dass manche Achtjährigen heutzutage nicht mal ein Papierschiff basteln können. Das konnten die Kinder früher mit vier. Außerdem kommt beim Basteln etwas heraus, das man selbst geschaffen hat: ein eigenes Produkt, das man nicht kaufen kann.

Ist das Basteln heutzutage aus der Mode gekommen?

Nein, das glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass manchmal die Zeit und die Fantasie dafür fehlen. Mit meinen Büchern möchte ich nicht nur Eltern, sondern bewusst auch Erzieher in Kindertagesstätten ansprechen, denn dort werden Grundfertigkeiten wie Ausschneiden und Falten gelegt. Aber in etlichen Kitas kommt das Basteln viel zu kurz, es fehlt an Geld, Zeit und Ideen. Das finde ich sehr schade.

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