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Was wird aus Baikonur? Russischer Weltraumbahnhof könnte schon bald vor dem Aus stehen

Baikonur in Kasachstan hat Geschichte geschrieben. Von dort startete der erste Mensch ins All.

Baikonur.Wenn Mitte März drei Kosmonauten zur Internationalen Raumstation (ISS) fliegen, schauen in Kasachstan nicht alle begeistert zum Himmel. Rund um den Weltraumbahnhof Baikonur werden die Stimmen lauter, die die russischen Sojus-Raketen allzu gern verbannen würden. Doch daraus wird so schnell nichts. Bis mindestens 2050 darf Russland die Startrampen in der Steppe nutzen. Die stolze Raumfahrtnation ist auf sie angewiesen, weil sich die Bauarbeiten am eigenen Weltraumbahnhof im Osten Russlands in die Länge ziehen.

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Mit Baikonur hat die Sowjetunion Geschichte geschrieben. 1959 schossen die Sowjets von dort den ersten Satelliten Sputnik-1 in den Orbit. Zwei Jahre später hob Juri Gagarin als erster Mensch ins All ab. Baikonur entstand 1955, nachdem die Staatsführung in Moskau den Bau des Forschungs- und Testgeländes Nummer 5 an der Bahnstation Tjuratam beschlossen hatte. Das Projekt war zunächst streng geheim.

100 Millionen Euro Pacht

Die gut 2100 Kilometer von Moskau entfernte Anlage in Zentralasien bietet ideale Bedingungen: In der Steppe gibt es keine größeren Wohngebiete. Niederschlag ist rar, weshalb bemannte Starts auffallend oft von schönstem Wetter begleitet werden. Und wegen der Äquatornähe können Raketen auf ihrem Tausende Kilometer langen Flug über russisches Gebiet den Schwung der Erdumdrehung nutzen.

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Das Problem für Moskau aber ist: Mit dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeitserklärung Kasachstans vor 30 Jahren liegt Baikonur im Ausland. Russland überweist jedes Jahr dem zentralasiatischen Nachbarn mehr als umgerechnet 100 Millionen Euro an Pacht. Erst vor wenigen Monaten hat das Parlament der Ex-Sowjetrepublik den 1994 geschlossenen Vertrag mit Russland verlängert – bis 2050.

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Mehr als 10.000 Angestellte

In Kasachstan sind die Überweisungen gern gesehen. Der für Raumfahrt zuständige Minister Bagdat Mussin nannte kasachischen Medien zufolge unlängst die Summe von umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro, die Russland in den vergangenen 27 Jahren an Pacht gezahlt habe.

Politiker des Landes haben ein Interesse, dass der Weltraumbahnhof möglichst lange genutzt wird. „Baikonur nimmt einen besonderen Platz in der Erforschung des Weltraums ein“, meint der Chef des Oberhauses des kasachischen Parlaments, Maulen Aschimbajew. Der Bahnhof sollte möglichst effektiv genutzt werden. Die Anlage ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland. Nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos arbeiten dort mehr als 10.000 Menschen.

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Gefahr für die Gesundheit?

„115 Millionen US-Dollar für all das – eine lächerliche Summe“, sagt der kasachische Politologe Rassul Schumaly. Kritische Stimmen wie diese sind in kasachischen Medien im Zuge der Diskussion um eine Verlängerung des Pachtvertrages nicht selten gewesen.

Die Staatsagentur Kazinform des autoritär regierten Landes zitierte den Senator Murat Baktijaruly, der von Problemen rund um Baikonur sprach, die trotz vieler Beschwerden ungelöst geblieben seien. „Jedes Mal, wenn eine Rakete abhebt, ist das Wetter gestört, und der starke Wind dauert mindestens vier bis fünf Tage an“, sagte er. In den vergangenen Jahren sei zudem die Zahl der Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestiegen. Vor allem die Rückstände des Raketentreibstoffs sehen die Menschen als Gefahr für ihre Gesundheit.

Eine russische Sojus-Rakete mit Meteor M-Satellit und weiteren 18 Mikro-Satelliten hebtvon der Startrampe des neuen Kosmodroms des Weltraumbahnhofs Wostotschny nahe der Stadt Ziolkowski, Russland, ab.

Eine russische Sojus-Rakete mit Meteor M-Satellit und weiteren 18 Mikro-Satelliten hebtvon der Startrampe des neuen Kosmodroms des Weltraumbahnhofs Wostotschny nahe der Stadt Ziolkowski, Russland, ab.

Russland baut eigenen Komplex

Breiten Protest gegen das Tor zum Weltall gibt es aber nicht. Experten sprechen sich für den Erhalt von Baikonur aus, allerdings in der Hand eines Konsortiums unter Beteiligung internationaler Unternehmen. Doch darauf dürfte sich Russland vorerst nicht einlassen. Die Raumfahrtnation baut zwar an einem eigenen Komplex auf russischem Gebiet, um unabhängig zu sein. Doch Wostotschny im Osten des Landes an der Grenze zu China ist nur eingeschränkt in Betrieb.

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Die Anlage rund 6000 Kilometer östlich von Moskau wurde 2016 eröffnet und sollte schon längst komplett funktionieren. Doch immer wieder gibt es Verzögerungen – wegen Korruptionsfällen, pleite gegangener Baufirmen oder Gerichtsentscheidungen. Derzeit wird dort an Startrampen für Raketen neueren Typs wie der Angara gebaut.

Weniger bemannte Flüge

Russlands Raumfahrtchef Dmitri Rogosin erwartet, dass Ende 2022 die Arbeiten an Wostotschny abgeschlossen werden. Danach sollen die neuen Anlagen getestet werden. Neben Baikonur und Wostotschny kann Russland noch auf den hauptsächlich militärisch genutzten Weltraumbahnhof Plessezk im Norden des Landes zurückgreifen.

Seit die US-Raumfahrtbehörde Nasa Raumschiffe privater Unternehmen einsetzt und keine Sitzplätze mehr in russischen Raketen bucht, ist die Zahl bemannter Flüge zurückgegangen. Baikonur werde dennoch gebraucht, sagte der wissenschaftliche Direktor des Moskauer Instituts für Weltraumpolitik, Iwan Moissejew, im Staatsfernsehen: „Wostotschny wird Baikonur nicht ersetzen, zumindest nicht bis zum Ende des mit Kasachstan geschlossenen Pachtvertrags bis 2050.“

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RND/dpa

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