Rohstoffe aus dem All? Eine Frage der Zeit!

Der Vize-Chef der Bundesanstalt für Bergbau und Rohstoffe sieht im Bergbau im All große Chancen und Aufgaben für die Zukunft. Gleichzeitig zweifelt er an der baldigen Wirtschaftlichkeit der Megaprojekte. Ein Gespräch.

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Herr Steinbach, für wie realistisch halten Sie die Pläne für den Bergbau im All?

Wissenschaftlich betrachtet ist das schon heute ein sehr spannendes Thema. Realistisch betrachtet ist die Umsetzung eine Frage der Zeit. Ich gehe davon aus, dass es noch weit über 50 bis 100 Jahre dauern wird, bis wir die Technologien und die Infrastruktur entwickelt haben, um einen Abbau im All auch wirtschaftlich zu betreiben – zumindest was den Transport zur Erde angeht. Schneller könnte es sicherlich gehen, Stationen für Treibstoff, Wasser und Pflanzenzucht zu schaffen, die die Raumfahrt mit den Ressourcen aus dem Weltall versorgt.

Brauchen wir die Rohstoffe aus dem All überhaupt?

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Interessant sind vor allem sogenannte Hightech-Metalle mit sehr hohem Wert, also Platingruppenmetalle wie Platin, Palladium, Rhodium, Iridium oder Osmium, die etwa für den Bau von Hightech-Produkten der Elektronik- und der Medizintechnik oder Anlagen für erneuerbare Energietechnologien benötigt werden. Der Gesamtbedarf ist steigend, obwohl sie nur in geringen Mengen verwendet werden. Auch für kommende Generationen reichen die primären und sekundären Rohstoffe auf der Erde aus. Letztendlich ist es eine Frage der Wirtschaftlichkeit und der Auswirkungen der Rohstoffgewinnung auf die Umwelt und den Menschen.

Industrie und UN warnen davor, dass elementare Rohstoffe wie Wasser oder Sand oder bestimmte Metalle und Mineralien auf der Erde immer knapper werden.

Aus geologischer Sicht stimmt das nicht. Man kann davon ausgehen, dass einige Bereiche unserer Kontinente bisher nur wenig erkundet sind und dass die Erde noch über große Rohstoffvorkommen verfügt. Entlegene Regionen in Sibirien, Brasilien oder auch Kanada wie auch Teile Afrikas besitzen zweifelsfrei ein großes Potenzial an Rohstoffen. Allerdings ist die Erschließung der Gebiete schwierig, weil dies entweder einen massiven Infrastrukturaufwand bedeutet oder die politischen Verhältnisse oftmals schwierig sind.

Die BGR sucht zurzeit am Meeresgrund nach mineralischen Rohstoffen. Ist das einfacher?

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Derzeit hat die Internationale Meeresbodenbehörde 29 Lizenzen zur Erkundung von sogenannten Manganknollen, polymetallischen Sulfiden und Kobaltkrusten an meist staatliche Institutionen vergeben. Für Deutschland untersuchen wir im Pazifik Manganknollen und im Indischen Ozean polymetallische Sulfide. Manganknollen enthalten neben Mangan hohe Gehalte an Kupfer, Kobalt und Nickel und in geringen Mengen Molybdän und Lithium. Auch der Abbau von Lagerstätten in größeren Tiefen am Festland wird in den nächsten Jahrzehnten voranschreiten – erst später wird es so weit sein, einen Abbau im All bewerkstelligen zu können.

Von Sonja Fröhlich

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