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Raucher als Risikopatienten: Warum es gerade in der Krise schwer ist, mit dem Rauchen aufzuhören

  • Die Gesundheitsrisiken des Rauchens sind bekannt.
  • Auch in der aktuellen Corona-Pandemie gibt es Hinweise, dass Raucher besonders gefährdet sein könnten.
  • Professor Robert Bals vom Universitätsklinikum des Saarlandes erklärt, warum es vielen Rauchern aber gerade in der Krise schwer fällt aufzuhören
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Herr Bals, sollten Raucher die Corona-Pandemie zum Anlass nehmen, mit dem Rauchen aufzuhören?

Die meisten Raucher möchten eigentlich aufhören. Dazu braucht es aber eine Möglichkeit, sich zu motivieren und den Rauchstopp noch einmal in Angriff zu nehmen. Eine Krise eignet sich dazu nicht – obwohl es es natürlich sinnvoll wäre, die Corona-Pandemie zum Aufhören zu nutzen.

Warum ist es so schwer, in der Krise mit dem Rauchen aufzuhören?

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Viele Raucher nutzen die Zigarette zum Stressabbau. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass sich Menschen in der Krise deshalb mit Zigaretten eingedeckt haben. Wenn man den ganzen Tag zu Hause ist, viele Nachrichten konsumiert, dann ist es unwahrscheinlich, dass man genügend Ausgleich und Motivation findet, um mit dem Rauchen aufzuhören. Aber vielleicht ist jetzt, wo die Krise in ihrer großen Ausprägung hinter uns liegt, ein günstiger Zeitpunkt, um zu prüfen, ob man nicht noch mal diese Motivation findet. Man kann jetzt wieder rausgehen, der Sommer ist fast schon da – da braucht man nicht unbedingt Zigaretten.

Raucher sind womöglich gefährdeter

Schreckt denn der Gedanke, dass Raucher womöglich zur Risikogruppe gehören, nicht ab?

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Es ist schwierig, jemanden mit Drohungen oder imaginären Ängsten zu motivieren. Es mag sicherlich einige Menschen gegeben haben, die gesagt haben: “Rauchen ist ein Risikofaktor, ich höre lieber auf.” Aber die meisten Menschen lassen sich eher von positiven Dingen motivieren. Also nach dem Motto: Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, dann bin ich fitter, ich muss nicht mehr husten, meine Haut ist besser.

Sind Raucher denn tatsächlich gefährdeter, an Covid-19 zu erkranken?

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Bei vielen bekannten Infektionserkrankungen der Atemwege und der Lunge ist Rauchen ein wichtiger Risikofaktor. Dazu gehören zum Beispiel die Grippe oder Lungenentzündungen. Nun trudeln die ersten Daten ein, die zeigen, dass das auch bei Covid-19 so sein könnte. Allerdings muss man sagen, dass es noch sehr wenige Daten gibt, sodass man das noch nicht quantifizieren kann. Aber es würde mich sehr wundern, wenn Rauchen für Covid-19 nicht auch ein negativer Risikofaktor ist.

Was macht Raucher so anfällig für diese Erkrankungen?

Die Lunge atmet jeden Tag sehr viel Luft ein und aus und dabei gelangen sehr viele Bakterien, Pilze und Viren in den Körper. Normalerweise kann die Lunge diese Partikel sehr gut in Schleim hüllen und wieder aushusten. So werden sie abgetötet, ohne dass man davon etwas merkt. Rauch hemmt diesen Abwehrmechanismus und führt zum Beispiel dazu, dass der Schleim nicht mehr so gut abgehustet werden kann. Die Partikel landen in der Lunge und können nicht abgetötet werden.

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Nikotinpflaster helfen nicht gegen Covid-19

Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Nikotin vor Covid-19 schützen kann. Ist das plausibel?

Ich bin mir sicher, dass Rauchen, auch wenn es dazu noch keine Daten gibt, nicht gegen Covid-19 wirkungsvoll ist. Es hat keinen Sinn zu sagen: Ich rauche jetzt weiter – oder fange vielleicht sogar mit dem Rauchen an. Das ist mit Sicherheit keine gute Idee.

Ob allerdings Nikotin als Reinsubstanz sich möglicherweise auf den Krankheitsverlauf auswirken könnte, darüber kann man theoretisieren. Nikotin greift ja in viele Stoffwechselwege ein, das wäre also möglich. Aber das müssen klinische Studien zeigen, das kann man nicht anhand von einzelnen Zellversuchen abschätzen. Es spricht nichts dagegen, über Nikotin als Medikament oder zumindest therapeutischen Ansatz nachzudenken, auch wenn es da meiner Meinung nach verheißungsvollere Kandidaten gibt. Ganz wichtig ist aber: Man sollte jetzt bloß nicht losrennen und sich in der nächsten Apotheke Nikotinpflaster oder -sprays besorgen. Es gibt derzeit keinerlei Daten, dass das gegen Covid-19 hilft.

Verläuft eine Covid-19 Erkrankung bei Rauchern anders als bei Nichtrauchern?

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Es gibt dazu widersprüchliche Ergebnisse aus kleinen Studien. Viele von ihnen sagen, dass es den Rauchern schlechter geht und ein paar wenige Studien sagen, dass es ihnen womöglich besser geht. Aber ehrlicherweise muss man einschränken: Die Datenqualität ist so, dass man das derzeit nicht sagen kann.

Robert Bals ist Direktor der Klinik für Innere Medizin V – Pneumologie, Allergologie, Beatmungsmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes. © Quelle: Rüdiger Koop

Abwehrfähigkeit der Lunge ist deutlich schlechter

Was würde Raucher denn anfälliger für einen schweren Verlauf machen?

Auch darüber kann man nur spekulieren: Die Abwehrfähigkeit der Lunge ist, wie gesagt, deutlich schlechter. Hinzu kommt, dass Raucher ein höheres Risiko für viele Begleiterkrankungen haben, besonders für solche, die das Herz-Kreislauf-System betreffen. Man weiß inzwischen, dass bei Covid-19 Begleiterkrankungen und gerade Herz-Kreislauf-Krankheiten eine wichtige Rolle spielen und das Überleben stark beeinflussen. Wenn man eine schwer Covid-19-Erkrankung hat und dazu noch eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, dann kann das schon eng werden.

Angenommen ich bin jahrelanger Raucher: Nutzt es überhaupt etwas, wenn ich jetzt mit Blick auf Covid-19 aufhöre zu rauchen?

Dazu gibt es natürlich überhaupt keine Daten. Aber generell kann man sagen: Wenn man es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, entwickeln sich sehr viele Dinge zum Guten. Das Brennen im Hals, der Raucherhusten hören schnell auf, man stinkt nicht mehr so, man hat mehr Geld in der Kasse. Den allermeisten Menschen geht es im Verlauf der nächsten Wochen deutlich besser. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt innerhalb von wenigen Monaten und Jahren wieder auf den ursprünglichen Wert eines Nichtrauchers. Das Risiko für Lungenerkrankungen bleibt allerdings lebenslang etwas erhöht.

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Wie gewöhnt man sich das Rauchen denn dann am besten ab?

Der beste Weg ist, dass sich man sich erstmal schlaumacht und zum Beispiel das Programm “Rauchfrei” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzt. Das Wichtigste ist dann, dass man sich überlegt, ob man die nötige Motivation aufbringt und sich auch mit Menschen zusammentut, die einen dabei unterstützen. Gut ist es zudem, wenn man Unterstützung von einem Arzt oder einer Ärztin hat. Es ist auch empfehlenswert, Kurse zu besuchen, dabei geht es dann im Wesentlichen darum, das Verhalten zu modifizieren. Das ist in der Gruppe am effektivsten. Bei Menschen, die stark körperlich abhängig sind, macht es auch Sinn, dass sie vorübergehend Nikotinersatzprodukte nutzen.

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