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Psychische Erkrankungen bei Hund und Katze: Wie man sie erkennt und richtig handelt

  • So wie Menschen können auch Tiere unter verschiedenen psychischen Erkrankungen leiden.
  • Hervorgerufen durch seelische Überbelastung oder Traumata, entwickeln sich Depressionen oder Angst- und Zwangsstörungen, unter denen die betroffenen Tiere oft eine quälende Last zu tragen haben.
  • Rechtzeitiges Handeln ist wichtig, da den Tieren durch gezielte Therapien meist gut geholfen werden kann.
Markus Keimel
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Auch die liebsten Gefährten des Menschen, die Haustiere, können unter psychischen Erkrankungen leiden. Depressionen oder Angststörungen kommen auch bei Hund und Katze vor – aber genau wie beim Menschen können sie behandelt und therapiert werden.

Das beliebteste Haustier der Deutschen ist die Katze. Etwa 15,7 Millionen Stubentiger lebten im Jahr 2020 in deutschen Haushalten. Dicht gefolgt auf Platz 2: der Hund. Davon tollten im selben Jahr um die 10,7 Millionen in deutschen Häusern oder Wohnungen. Katzen und Hunde geben den Menschen das Gefühl gebraucht zu werden. Sie versüßen ihren Alltag und wachsen im Idealfall zu vollwertigen Familienmitgliedern heran. Manches Mal erfüllen sie sogar die Aufgabe eines Seelsorgers. Doch so wie ihre Besitzer, verfügen auch die Tiere über Emotionen, Stimmungslagen und bestimmte angeborene und erworbene Verhaltensmuster.

Erleben sie Traumata wie zum Beispiel durch Trennung, werden sie nicht artgerecht gehalten oder leiden sie an einer organischen Erkrankung, kann die Psyche von Hunden und Katzen genauso erkranken wie die des Menschen. Am häufigsten kann es schließlich zur Entwicklung von Angst- und Zwangsstörungen, aber auch zu kognitiven Dysfunktionen kommen. Auch chronischer Stress, Sozialisations-Defizite oder häufige Frustration können zu genannten Verhaltensstörungen und Leiden der Psyche führen.

Symptome erkennen und richtig handeln

Die Anzeichen können in unterschiedlichen Formen auftreten, wie die Fachtierärztin für Tierverhalten, Dr. med. vet. Dunia Thiesen-Moussa erklärt: „Häufige Symptome sind anhaltende Stressanzeichen, Angstsymptome oder aggressives Verhalten. In anderen Fällen können abnormal repetitiv auftretende Verhaltensweisen, wie zum Beispiel zwanghaftes Schattenjagen oder Pfotenlecken, auf das Vorliegen einer psychischen Erkrankung hindeuten.“ Aber auch „destruktives oder depressives Verhalten, plötzlich deutliche Verhaltensänderungen oder Orientierungslosigkeit“ sind laut Dr. Thiesen-Moussa mögliche Indizien auf eine Erkrankung der Psyche.

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Bei manchen Hunde- und Katzenrassen liegen sogar genetische Prädispositionen für diverse Zwangsstörungen oder Stereotypien vor. Von deutschen Schäferhunden, Bullterriern und Australian Cattle Dogs kennt man beispielsweise das Jagen der eigenen Rute. Weitere Zwangsstörungen, die man bestimmten Hunderassen zuschreiben kann, sind das Flankensaugen bei Dobermännern, die akrale Leckdermatitis (chronisches Lecken und Knabbern an einer Körperstelle bis zum Wundwerden, Red.) bei Labrador Retrievern oder das Jagen von Lichtreflexen beziehungsweise das Anstarren von Schatten bei Hütehunden. Krankhafte Verhaltensmuster bei Katzen sind zum Beispiel das orale Aufnehmen nichtverdaulicher Gegenstände bei Burma- und Siamkatzen.

Die Veterinärmedizinerin rät beim Auftreten derartiger Symptome umgehend den zuständigen Haustierarzt aufzusuchen. „Zur weiteren Abklärung und Behandlung sind Fachtierärzte für Tierverhalten oder Tierärzte mit Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie empfehlenswert.“, erklärt sie weiter.

Therapie und Behandlung

Therapien und Therapiekonzepte basieren auf dem Prinzip der Ethologie, der Lehre des Verhaltens. Sie richten sich stets nach dem indivuellen Symptomen und können so in Dauer und Umfang stark variieren. „Grundsätzlich wird bei Angststörungen im Bereich der Verhaltensmodifikation viel mithilfe von systematischer Desensibilisierung und Gegenkonditionierung oder dem Training eines Alternativverhaltens therapiert.“, erklärt Dr. Thiesen-Moussa. Bei dieser Therapiemethode wird anfangs besonders kleinschrittig vorgegangen, wobei jeder einzelne Schritt individuell gesetzt wird. Unterstützend bietet sich folglich die Möglichkeit, verschiedene Entspannungshilfen einzusetzen, wobei Arzneimittel zwar gelegentlich, aber stets nur begleitend eingesetzt werden.

„Bei Zwangsstörungen spielt die medikamentöse Therapie hingegen die wichtigere Rolle, aber auch hier werden viele Maßnahmen zur Verhaltensmodifikation und aus dem Bereich des Managements eingesetzt.“, sagt die Tierärztin. Die Therapiedauer richtet sich auch nach dem Grad der Erkrankung und wird vom Halter selbst bestimmt. Oftmals sind Halter aber leider bereits mit kleinen Veränderungen zufrieden gestellt, die ihnen den Alltag mit dem Tier erleichtern, lange bevor die Therapie aus verhaltenstierärztlicher Sicht abgeschlossen wäre. Daher ist es wichtig, die Therapie zu Ende zu führen, um dem Tier unnötige Leiden, Schmerzen oder gar Schäden zu ersparen. „Zudem erhöht sich im Rahmen der Verhaltenstherapie in der Regel nicht nur das Wohlbefinden des Tieres, sondern auch das des Halters“, erkärt Dr. Thiesen-Moussa.

Therapiekosten

Die Kosten einer tierärztlichen Verhaltenstherapie richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte und setzen sich aus den Behandlungs-, Material- und Medikamentenkosten zusammen. Ein einstündiges Erstgespräch kostet dabei meist zwischen 120 und 150 Euro. Weitere Beratungs- und Therapietermine werden in der Regel viertelstündlich mit je circa 38 Euro berechnet.

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