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Studie: Bis 2050 könnte viermal so viel Plastik wie jetzt im Meer treiben

Plastiktüten im Meer: Das Verpackungsmaterial verrottet nicht.

Plastiktüten im Meer: Das Verpackungsmaterial verrottet nicht.

Hamburg. Vor den dramatischen Ausmaßen einer globalen Plastikkrise warnt die Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Laut einer am Montag vorgestellten Studie zu Auswirkungen von Plastikmüll auf Arten und Ökosysteme des Ozeans droht bis 2050 eine Vervierfachung der Plastikmüllkonzentration in den Weltmeeren. Erforderlich sei ein verbindliches globales Abkommen, „um die unwiderrufliche Vermüllung der Weltmeere zu stoppen“, sagte Heike Vesper, Leiterin des Fachbereiches Meeresschutz beim WWF Deutschland.

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Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnten Meeresgebiete von der zweieinhalbfachen Fläche Grönlands ökologisch riskante Schwellenwerte der Mikroplastikkonzentration überschreiten. Die Menge des marinen Mikroplastiks drohe bis dahin um das 50-fache zuzunehmen. In einigen Brennpunktregionen wie dem Mittelmeer, dem gelben Meer, dem Ostchinesischen Meer und dem Meereis der Arktis habe die Mikroplastikkonzentration den ökologisch kritischen Schwellenwert bereits heute überschritten.

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Müll lässt sich kaum zurückholen

Etwa 19 bis 23 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr gelangten vom Land in die Gewässer der Welt – das entspricht fast zwei LKW-Ladungen pro Minute. Die Durchdringung des Ozeans mit Plastik sei unumkehrbar, so Vesper: „Einmal im Meer verteilt, lässt sich Kunststoffmüll kaum zurückholen.“ Er zerfalle stetig, sodass die Konzentration von Mikro- und Nanoplastik noch jahrzehntelang ansteigen werde. Die Ursachen der Plastikverschmutzung im Keim zu bekämpfen, sei viel effektiver als die Folgen im Nachhinein zu beseitigen. „Wenn Regierungen, Industrie und Gesellschaft jetzt geschlossen handeln, können sie die Plastikkrise noch eindämmen.“

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Dabei würden regionale oder freiwillige Maßnahmen jedoch nicht ausreichen. Der WWF fordere daher von den Regierungen, auf der UN-Umweltversammlung Ende des Monats in Nairobi den Vereinten Nationen ein Verhandlungsmandat für ein rechtsverbindliches globales Abkommen gegen die Plastikverschmutzung der Meere zu erteilen. „Ein solcher globaler Vertrag muss sich mit allen Phasen des Lebenszyklus' von Plastik befassen und die Verschmutzung der Meere durch Plastik bis 2030 stoppen“, so Vesper.

Chemische Weichmacher im Blut

Für fast alle Artengruppen des Meeres seien bereits negative Auswirkungen von Kunststoffmüll nachweisbar: Plastikstücke im Magen, tödliche Schlingen um den Hals, chemische Weichmacher im Blut. Die Gefahren für Meeresbewohner sind der Studie zufolge zahlreich. Plastik führe zu inneren und äußeren Verletzungen oder gar zum Tod von Meerestieren, es schränke die Fortbewegung oder das Wachstum ein, mindere die Nahrungsaufnahme oder die Fortpflanzungsfähigkeit von Tieren und ändere ihr Verhalten.

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Bei fast 90 Prozent der untersuchten marinen Arten wurden negative Auswirkungen von Plastik festgestellt, so Melanie Bergmann, Meeresbiologin am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Mit fortschreitender Plastikverschmutzung werden die nachgewiesenen schädlichen Auswirkungen zunehmen. Für die wenigen verbleibenden Exemplare bereits stark gefährdeter Arten wie Mönchsrobben oder Pottwale im Mittelmeer könnte sich die Plastikkrise sogar „als Zünglein an der Waage erweisen und zur Überlebensfrage werden“.

Plastik und Korallenriffe

Nach wissenschaftlichen Schätzungen verschlucken schon heute bis zu 90 Prozent aller Seevögel und 52 Prozent aller Meeresschildkröten Plastikmüll. „Eine kleine Plastiktüte sieht für eine Meeresschildkröte aus wie eine Qualle“, so Bergmann. Besonders hart treffe die „Plastifizierung“ Korallenriffe und Mangrovenwälder, die zu den weltweit wichtigsten marinen Ökosystemen gehören.

Für die im Auftrag des WWF vom AWI erstellte Studie wurden 2.592 wissenschaftliche Studien ausgewertet. Die UN-Umweltkonferenz findet vom 28. Februar bis zum 2. März in Nairobi statt. Dort soll über das Mandat zur Entwicklung eines verbindlichen Abkommens gegen den Plastikeintrag in die Meere entschieden werden.

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RND/epd

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