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Pilzkrankheit tötet massenhaft Amphibien und bedroht jetzt Schlangenarten

  • Die Ausbreitung des Chytridpilzes führt einer neuen US-Studie zufolge nicht nur zu einem deutlich Rückgang der Amphibienpopulation, sondern auch von Schlangen.
  • Das Amphibiensterben sorge dafür, dass einige Schlangenarten weniger Nahrungsquellen haben und somit körperlich abbauen.
  • Die Studie soll eine der umfassendsten Untersuchungen sein und beweisen, dass Rückgänge von Tierpopulationen eine Kettenreaktion auslösen können.
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East Lansing. Die Pilzkrankheit, die seit Jahrzehnten massenhaft Amphibien tötet, führt einer Studie zufolge auch zu einem deutlich Rückgang von Schlangenpopulationen. Zwar habe der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) keine direkten Auswirkungen auf Schlangen, schreiben die Wissenschaftler um Elise Zipkin von der Michigan State University in East Lansing in der Fachzeitschrift Science. Doch durch das Amphibiensterben fehlten Schlangen eine wichtige Nahrungsquelle – nämlich Frösche und Froschlaich.

Pilzkrankheit sorgt für Artensterben

Die Forscher hatten in einem Nationalpark die Vielfalt und Bestände von Schlangen 13 Jahre lang untersucht. Zunächst sieben Jahre (von 1997 bis 2004) vor Ausbruch der Seuche, danach weitere sechs Jahre (von 2006 bis 2012). Der Chytridpilz tötete dort ab Ende 2004 mehr als drei Viertel der Amphibien und rottete mindestens 30 Arten aus.

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Das Aussterben von Amphibien wie Fröschen bedroht auch zahlreiche Schlangenarten.

Fand das Team in der ersten Phase bis 2004 noch 30 Schlangenarten, so waren es ab 2006 nur noch 21. „Der Vergleich zeigt eine enorme Veränderung der Schlangengemeinschaft”, wird Ko-Autorin Karen Lips von der University of Maryland in College Park in einer Mitteilung ihrer Hochschule zitiert. „Die Zahl der Arten sank. Viele Arten wurden seltener, während wenige häufiger vorkamen.”

Seuche verschlechtert körperlichen Zustand von Schlangen

Da Schlangen im Verborgenen leben, lässt sich aus fehlenden Sichtungen im Dschungel nicht automatisch auf das Verschwinden einer Art schließen. Aber auch mehr als die Hälfte der häufig vorkommenden Arten – neun von 17 Spezies – kam nach dem Amphibiensterben seltener vor. Dies gilt etwa für die grazile Schneckennatter Sibon argus, die sich besonders stark von Amphibieneiern ernährt und deren Sichtungen von 149 auf 49 fielen. Weil das Untersuchungsgebiet in einem Nationalpark liegt, schließt das Team andere Umwelteinflüsse wie Umweltzerstörung oder -verschmutzung aus.

Neben der Individuenzahl untersuchten die Forscher auch den Ernährungszustand jener Schlangen, die sie vor und nach der Epidemie jeweils mindestens fünf Mal fanden. Ihr Ergebnis: Einige Arten wie die Bananennatter Sibon annulatus oder die Spitzkopfnatter Oxybelis brevirostris wogen nach der Seuche im Mittel deutlich weniger. „Nach dem Froschsterben war die körperliche Verfassung vieler Schlangen schlechter”, sagt Lips. „Viele waren dünner und es schien, als ob sie hungerten.”

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Nach dem Sterben einiger Amphibien wurde die Spitzkopfnatter (Oxybelis brevirostris) dünner und hatte weniger Energiereserven. © Quelle: Kevin Enge

Der Schlangenexperte Sebastian Lotzkat vom Naturkundemuseum Stuttgart, der nicht an der Studie beteiligt war, nennt die Ergebnisse alarmierend. Er hatte über Schlangen in Panama promoviert. Der Schlangenexperte sagt, dass dies die mit Abstand umfassendste und über den längsten Zeitraum laufende systematische Studie zu einer lokalen Schlangenfauna in dem Land sei, die er kenne. „Wesentlich stichhaltigere Datengrundlagen hat momentan niemand.” Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Autoren seien durchaus berechtigt.

Suche nach Schlangen ist oft schwierig

Zur Schlangensuche würden vordefinierte Strecken langsam, behutsam und sehr aufmerksam abgegangen, erklärt Lotzkat. „Man hat zum Beispiel eine Harke, recht ein bisschen im Laub herum, dreht Totholz oder Steine am Boden um.” Alle vorhandenen Schlangen könne man aber niemals finden. „Die allermeisten Schlangen leben ein sehr heimliches Leben.”

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Die Bedeutung der Studie reicht nach Ansicht der Forscher weit über Amphibien und Schlangen hinaus. Sie belege, dass Rückgänge von Tierpopulationen eine Kaskade von Folgen auslösen können, die oft im Verborgenen ablaufe. „Diese Arbeit unterstreicht die Bedeutung von Langzeitstudien, um die unsichtbaren, kaskadenartigen Folgen des Aussterbens von Arten zu verstehen”, sagt Studien-Autorin Lips. „Alles, was wir sahen, änderte sich, nachdem die Frösche verschwunden waren. Wir müssen wissen, was wir verlieren, um es wirksam schützen zu können.” Das gelte umso mehr angesichts der derzeitigen, vielfältigen Bedrohungen wie Krankheiten, invasive Arten, Umweltzerstörung und Klimawandel.

RND/dpa

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