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Pilze sammeln: Was man zur Pilzsaison im Herbst 2019 wissen sollte

  • Herbstzeit ist Pilzzeit – im September und Oktober ist die Hauptsaison für Pilzsammler.
  • Doch gerade unerfahrenen Sammlern gestaltet sich die Suche als schwierig.
  • Welche Pilze sind essbar und wo findet man sie? Bei der Suche gilt es, einige Tipps zu beachten.
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Hannover. Der Herbst steht in den Startlöchern und in den Wäldern beginnen die Pilze zu sprießen. Es ist die Zeit, in der eifrige Pilzsammler auf der Suche nach den beliebten Leckerbissen durch das Unterholz streifen. Das Ganze richtig anzugehen, ist aber nicht unbedingt einfach. Erfahrene Sammler wissen genau, worauf sie achten müssen – der Laie tut sich dabei schon etwas schwerer.

Wie viele Pilze darf man ernten und welche sind überhaupt genießbar? Es gibt einiges, was beim Pilzesammeln zu beachten ist.

Wie bereitet man sich auf das Pilzesammeln vor?

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Bevor die Reise in die Wälder losgeht, sollte man sich ein wenig Zeit für die Theorie nehmen. Ein gewisses Grundwissen über Pilze schadet nie und kann im Zweifel böse Überraschungen vermeiden. Oberste Regel beim Pilzesammeln: Bei Unsicherheiten ist es immer besser, den Pilz stehen zu lassen, als ein Risiko einzugehen.

Die richtige Ausrüstung ist ein weiteres Thema. Warme Kleidung und festes Schuhwerk sind in den herbstlichen Wäldern von Vorteil. Ein Taschenmesser zum Abschneiden der Pilze und ein offener Korb für den Transport gehören ebenfalls zur Standardausrüstung.

Zusätzlich sollte ein Handbuch mit Informationen zu heimischen Pilzarten auf die Suche mitgenommen werden. Als Alternative bieten sich entsprechende Apps an. Allerdings sind diese meist kein Ersatz für ein solides Grundwissen. Unerfahrene Sammler sollten sich nicht allein auf die Informationen, die die App liefert, verlassen.

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Erfahrene Sammler sind auch mit der Biologie der Pilze vertraut. Der Teil des Pilzes, der über der Erde bei der Ernte abgeschnitten wird, ist nur der Fruchtkörper. Im Boden darunter befindet sich ein weit verzweigtes Wurzelgeflecht aus Fäden, auch Myzel genannt. Teils erstrecken sich diese Fäden über mehrere Meter durch den Erdboden und bilden den Hauptteil des Pilzes. Bei günstigen Bedingungen werden die bekannten Fruchtkörper an der Oberfläche ausgebildet.

Da sie zu demselben Geflecht gehören, wachsen Pilze an der Oberfläche meist in Gruppen nahe beieinander. Es lohnt sich also, die Umgebung genau zu untersuchen. Werden die Pilze richtig geerntet und damit der unterirdische Hauptteil nicht beschädigt, wachsen an derselben Stelle im folgenden Jahr wieder neue Pilze heran.

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Welche Pilze kann man im Herbst sammeln?

Die meisten essbaren Pilzarten in Deutschland wachsen im Zeitraum zwischen Juni und November. Die Hauptsaison bilden aber die Monate September und Oktober, wenn das Wetter das Wachstum begünstigt. Einige essbare Pilze und ihre Wachstumszeit:

  • Maronen-Röhrling: Juni - November
  • Steinpilz: Juli - November
  • Birkenpilz: Juni - November
  • Pfifferling: Juni - Oktober
  • Mohrenkopf-Milchling: Juli - Oktober
  • Krause Glucke: Juli - November
  • Riesenschirmling (Parasol): Juli - November
  • Violetter Rötelritterling: August - Dezember

Weitere Pilzarten, die im Herbst geerntet werden können, sind: Bovist, Hallimasch, Herbsttrompete, Rauchblättriger Schwefelkopf, Stockschwämmchen und mehrere Champignonarten. Die Hauptsammelzeit der Wiesenchampignons ist im Sommer, doch viele Exemplare sind noch bis Oktober auf ökologisch bewirtschafteten Rasenflächen zu finden.

Wo findet man Pilze?

Für Pilzsammler sicherlich die interessanteste Frage: Wo sind möglichst viele essbare Pilze zu finden? Erfahrung und Glück spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, mit einem reichlich befüllten Korb nach Hause zu kommen. Doch wer sich im Vorfeld schlau macht, begrenzt die Suche auf Orte, wo die Wahrscheinlichkeit auf Pilze zu treffen, am größten ist.

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Generell gelten Waldböden, die mit Moos und Flechten bewachsen sind, als gute Anlaufstelle für die Pilzsuche. Wo neue Fichten-, Kiefern-, Eichen- und Lärchenbestände angepflanzt wurden, kann mit erhöhtem Pilzwachstum gerechnet werden. Lohnenswert ist die Suche auch bei Baumstümpfen, an Waldrändern, sowie auf Schutthalden und wilden Komposthaufen.

Darüber hinaus eignen sich bestimmte Wälder und Bäume besonders für bestimmte Pilzarten. So ist der Maronen-Röhrling meist in Nadelwäldern anzutreffen. Der Birkenpilz ist, wie der Name erahnen lässt, unter Birken aufzufinden. Steinpilze wachsen unter Fichten, während die Krause Glucke Kiefern bevorzugt. Pfifferlinge sind weniger wählerisch und gedeihen sowohl in Nadel-, als auch in Laubwäldern. Anfänger sollten ihr Glück aber zunächst in Nadelwäldern suchen. Laubwälder beheimaten zwar eine größere Vielfalt an Pilzen, allerdings finden sich dort auch vermehrt giftige Pilze.

Wann ist die beste Zeit, um Pilze zu finden?

Generell ist die Kombination aus Feuchtigkeit und Wärme eine gute Voraussetzung für ein üppiges Pilzwachstum. Anhaltende Regenfälle gefolgt von einigen Tagen mit warmen Temperaturen sorgen für schwüles Herbstwetter. Das ist die Zeit, in der Pilzsammler aktiv werden sollten – und zwar schnell. Bei optimalen Bedingungen brauchen manche Pilzarten nur wenige Stunden oder Tage, um den Fruchtkörper zu bilden. Da sie auch genauso schnell wieder „verschwinden“, sollte die Ernte nicht aufgeschoben werden.

Wie viele Pilze darf man sammeln?

In Deutschland ist das Sammeln von Pilzen in geringen Mengen für den Eigenbedarf erlaubt. Als Faustregel gilt: Ein Kilogramm pro Person und Tag. Weitere Einschränkungen sind in den Naturschutz- und Waldgesetzen der Bundesländer definiert.

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Wer die erlaubten Mengen überschreitet und keine Sondergenehmigung hat, dem drohen hohe Bußgelder von bis zu 5000 Euro. Auch der gewinnbringende Weiterverkauf von für den Eigenbedarf gesammelten Pilzen ist strafbar.

Wo dürfen keine Pilze gesammelt werden?

Auch das ist in den einzelnen Waldgesetzen der Länder geregelt. Entsprechend unüberschaubar ist die Gesetzeslage für Gelegenheitssammler. Generell gilt: In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln von Pilzen tabu. Zudem dürfen auf eingezäunten Waldstücken, Verjüngungsflächen und Abholzungsgebieten meist keine Pilze gesammelt werden.

Wie erntet man Pilze richtig?

Ist ein Pilz gefunden und die Art als essbar bestimmt, ist ein Blick auf das gesammelte Exemplar unerlässlich. Natürlich sollten verdorbene Pilze gemieden werden. Denn auch verderbende Speisepilze können Toxine entwickeln. Aber auch Pilze mit Bissspuren von Tieren sollten stehengelassen werden, um Infektionen zu vermeiden. Der Verzehr von Pilzen, die am Straßenrand wachsen, ist nicht zu empfehlen, da die Pilze schadstoffbelastet sein könnten.

Besteht der Pilz die Inspektion, kann mit der Ernte begonnen werden. Mit einem Messer wird der Pilz ganz unten am Stiel abgeschnitten. Alternativ kann der Pilz auch vorsichtig im Ganzen aus dem Boden herausgedreht werden. Das Herausreißen des Pilzes ist nicht zu empfehlen, da an dieser Stelle im kommenden Jahr keine neuen Pilze nachwachsen würden.

Die Ernte wird in einem offenen Korb verstaut und transportiert, um frühzeitigem Verderben vorzubeugen. Im Anschluss sollten die Pilze möglichst schnell zubereitet und nicht länger als zwei Tage gelagert werden.

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Wie unterscheidet man Speisepilze von giftigen Exemplaren?

Grundsätzlich ist bei allen Sorten, die vom Sammler nicht zweifelsfrei bestimmt werden können, Vorsicht geboten. Immerhin gibt es 15 potenziell tödliche Pilzarten in Deutschland. Weitere 150 sind mehr oder minder giftige Arten.

Zudem unterscheiden sich viele Gewächse kaum voneinander. Giftige Knollenblätterpilze etwa sehen Champignons zum Verwechseln ähnlich. Schon der Verzehr von wenigen Gramm des Grünen Knollenblätterpilzes kann tödlich sein. Im Zweifel sollte deshalb immer ein Handbuch oder ein erfahrener Pilzsammler zu Rate gezogen werden.

Bei diesen giftigen Pilzen besteht erhöhte Verwechslungsgefahr mit essbaren Pilzen:

Giftiger Pilz Verwechslungsgefahr
Grüner Knollenblätterpilz Champignons, grüne Täublinge
Kegelhütiger Knollenblätterpilz Champignons, helle Täublinge
Gifthäubling Gemeines Stockschwämmchen
Leuchtender Ölbaumpilz Pfifferling
Igel-Wulstling Fransiger Wulstling
Königsfliegenpilz Perlpilz, Gedrungener Wulstling
Pantherpilz Perlpilz, Gedrungener Wulstling
Grünblättriger Schwefelkopf Graublättriger Schwefelkopf
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Der Spitzschuppige Schirmling ist sehr giftig und ähnelt dem essbaren Parasolpilz.

Vor allem Anfänger sollten ihr Gesammeltes vor dem Verzehr von einem Pilzsachverständigen überprüfen lassen. Diese von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) geprüften Experten geben verlässliche Auskunft über Giftigkeit oder Essbarkeit der ihnen vorgelegten Pilze. Auf der Webseite der DGfM kann man nach Sachverständigen in der Nähe suchen.

Pilzvergiftung: Was tun?

Typische Symptome einer Pilzvergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfall. Auch Schwindel und Herz-Kreislauf-Beschwerden können auftreten. Abhängig von der Art des Giftstoffes können die Symptome wenige Minuten, mehrere Stunden oder sogar erst Tage nach dem Verzehr auftreten.

Bei leisesten Anzeichen gilt es, sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen. Unbedingt die restlichen Pilze oder das Erbrochene mitbringen, damit Ärzte und Pilzsachverständige sehen können, was man gegessen hat. Übrigens: Auch der übermäßige Verzehr von essbaren Pilzen oder die Kombination mit Alkohol können zu Unverträglichkeiten führen.

Auf der Webseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind alle Giftnotrufzentralen und -informationszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet.

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RND