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Pessach und Ramadan in der Corona-Krise: So feiern jüdische und muslimische Gemeinden

  • Das Pessachfest und der Ramadan sind von den im Zuge der Corona-Krise getroffenen Maßnahmen stark betroffen.
  • Die Synagogen und Moscheen sind geschlossen, Gottesdienste und gemeinsames abendliches Fastenbrechen sind nicht möglich.
  • Per Videostream wollen jüdische und muslimische Gemeinden trotzdem feiern.
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Hannover. Nicht nur das Osterfest ist von den Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen betroffen, auch die hohen Feiertage der anderen Weltreligionen: Das jüdische Pessachfest wird dieses Jahr vom 8. bis 16. April gefeiert und fällt somit voll in die Zeit der bisher beschlossenen Einschränkungen. Die Synagogen sind geschlossen, Gottesdienste abgesagt.

Der muslimische Fastenmonat Ramadan beginnt am 23. April. Auch ihn planen die muslimischen Gemeinden vorsorglich schon ohne öffentliche Gebete in den Moscheen und abendliches Fastenbrechen im größeren Kreis. Selbst die weltweite Wallfahrt nach Mekka, die Hadsch, im Sommer steht auf der Kippe. Saudi-Arabien rät allen Pilgern davon ab, Pilgerreisen zu buchen, bis sich die Situation geklärt hat.

Synagogen geschlossen: Pessachgottesdienste werden ins Internet gestellt

“Pessach ist ohnehin ein Familienfest”, sagt Andreas Nachama, Vorsitzender der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und Rabbi in der Berliner Synagoge Sukkat Schalom, “nun dürfen eben nur die Familien zusammenkommen, die unter einem Dach wohnen.” Die Synagogen sind geschlossen, das gemeinsame Sedermahl zum Beginn der Feiertage und der Pessachgottesdienst sind abgesagt. Auch Na­cha­ma filmt nun seine Gottesdienste ab und stellt sie ins Internet, er predigt vor einem leeren Saal, die Kantorin Esther Hirsch singt für ein virtuelles Publikum.

Pessach ist ein Fest der Befreiung, es erinnert an die Flucht der Israeliten aus Ägypten, es ist der Beginn einer neuen Schicksalsgemeinschaft. Eine Schicksalsgemeinschaft sind alle in dieser Zeit. “Wir müssen improvisieren, jeden Tag”, sagt Nachama, der sich seine Zuversicht nicht nehmen lässt. “Die Gemeinschaft besteht dadurch, dass in dieser Zeit, in der unsere Synagogen geschlossen bleiben müssen, dass wir wissen, dass jetzt doch alle dabei sind, auch wenn jeder für sich zu Hause ist”, predigt der Rabbi in der leeren Synagoge.

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Doch was ist mit jenen, die am Familienfest Pessach keine Familie haben, niemanden treffen können, mit dem sie den Sederabend feiern können? Auch für sie soll gesorgt sein, mit Ritenhinweisen und Kochrezepten im Internet und der globalen Verbindung zu virtuellen Sederabenden. Neue Gemeinschaften finden sich zu Videokonferenzen zusammen. Die Idee kommt aus den jüdischen Gemeinden der USA. Sie ist auch in Deutschland populär geworden, vor allem bei jungen Juden, die aus Israel oder Amerika nach Berlin gezogen sind.

Die muslimischen Gemeinden planen Ramadan vorsorglich schon ohne öffentliche Gebete in den Moscheen und abendliches Fastenbrechen im größeren Kreis. © Quelle: Paul Zinken/dpa
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Corona-Krise wird muslimische Familien auseinanderreißen

So wird es auch den Muslimen ergehen, wenn am 23. April der Ramadan beginnt und die Kontakt- und Besuchsverbote noch in Kraft bleiben müssen. Oma guckt per Videotelefon zu, wie Kinder und Enkel das allabendliche Fastenbrechen feiern und das Fladenbrot teilen. Das wird Familien auseinanderreißen – wie auch die christlichen Familien zum Ostermahl und die jüdischen beim Pessachseder, nur eben einen ganzen Monat lang. Ob es Sonderregelungen auch für das Fasten selbst geben werde, sei noch nicht absehbar, sagt Emine Oguz vom türkisch-islamischen Verband Ditib.

Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, rät dringend dazu, das Fasten der Pandemiesituation anzupassen. “Vor allem Menschen, die körperlich anfällig sind, sollten dieses Jahr vielleicht nicht fasten. Zumindest sollten sie darauf achten, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen.” Wer das Fasten während des Ramadan streng auslegt, darf tagsüber auch nichts trinken. “Die Leute gehen sehr gelassen und vernünftig mit der Situation um”, hat Sofuoglu beobachtet. Die Jüngeren in den Moscheegemeinden kaufen für die Senioren ein, es gibt allerlei Hilfsangebote.

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Theologe fordert: Kirchen an Ostern trotz Pandemie öffnen

Quer durch die Religionen aber regt sich auch Unmut: Der Theologe und Bestsellerautor Peter Hahne fordert, trotz der Pandemie Karfreitag und Ostern die Kirchen zu öffnen. “Getränkemärkte haben auf, das Gotteshaus nicht. Wem wollen Sie das erklären?”, fragte er in der “Neuen Osnabrücker Zeitung". Eine traditionalistische katholische Kirchengemeinde in Berlin feiert weiter Kommunion – und will vor dem Verwaltungsgericht durchsetzen, Gottesdienste mit bis zu 50 Besuchern feiern zu dürfen.

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Vergangene Woche hatten sich in Berlin-Neukölln bis zu 300 Menschen vor einer Moschee versammelt, die den Gebetsruf per Lautsprecher übertrug. Polizei und Imam hatten Mühe, die Besucher zum Abstandhalten zu bewegen. Das Gebet wurde vorzeitig beendet, weitere wurden abgesagt.

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