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  • Perfektes Hochdeutsch in Hannover? Sprachforscher will Mythos aufklären

Wird in Hannover wirklich das perfekte Hochdeutsch gesprochen? Sprachforscher will Mythos aufklären

  • Vorbildfunktion oder Anmaßung – was ist dran am Mythos vom perfekten Hochdeutsch, das angeblich in und um Hannover gesprochen wird?
  • Ein Sprachforscher möchte der Behauptung auf den Grund gehen.
  • Seine ersten Erkenntnisse dürften für Verfechter des Mythos ernüchternd sein.
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Hannover. Er hält sich seit fast 200 Jahren: der Mythos von Hannover als Stadt, in der das perfekteste Hochdeutsch gesprochen wird. Eine Erklärung für seinen Ursprung gibt es, außerdem zahlreiche Menschen, die ihn für wahr, und wahrscheinlich ebenso viele, die den Mythos für unwahr halten. Was fehlt, ist eine wissenschaftliche Untersuchung – eine Lücke, die der Sprachwissenschaftler François Conrad schließen will. Durch eine groß angelegte Studie möchte er die regionale Aussprache in das unübersichtliche Geflecht der deutschen Dialekte und Mundarten einsortieren – erste Ergebnisse hat er bereits, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Für jene, die die hannoversche Mundart mit der Standardsprache gleichsetzen, hat Conrad ernüchternde Nachrichten: „Auch die Menschen aus Hannover sprechen nicht so, wie es im Duden steht oder wie die ‚Tagesschau‘-Sprecher artikulieren.“ Menschen in der Landeshauptstadt von Niedersachsen fahren demnach im Zuch oder mit dem Radd und essen Keese. „Das sind Merkmale, die nicht der hochdeutschen Norm entsprechen“, sagt Projektleiter Conrad. Im Gegenteil: Sie seien in ganz Norddeutschland verbreitet.

Offen sei die Frage, ob Hannover auf der Landkarte der deutschen Sprache dennoch eine Sonderrolle zukommt. Dafür läuft eine groß angelegte Studie, in deren Verlauf Conrad und sein Team 144 Menschen, die in Hannover aufgewachsen sind, interviewen wollen. Es gehe auch darum, die Aussprache in verschiedenen Situationen zu untersuchen, so Conrad – im Gespräch mit den Großeltern, mit Kindern, am Arbeitsplatz. Zusätzlich untersuchen Studierende in ihren Abschlussarbeiten die Aussprache von Menschen aus Städten in der Umgebung.

Was die hannoversche Aussprache vom Hochdeutschen unterscheidet, dürfte dem alten Stadtdialekt zu verdanken sein, der aus der Vermischung der lokalen Ausprägung des Niederdeutschen mit der hochdeutschen Standardvarietät hervorging. Als sich das Hochdeutsche durchsetzte, galten die Menschen in und um Hannover als besonders fleißig im Erlernen der „neuen“ Sprache – der daraus entstandene Mythos hält sich bis heute.

RND/HAZ/ytk

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