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Onlineshop oder Laden um die Ecke: Wo ist der Einkauf klimafreundlicher?

  • Verpackungsmüll und Lieferwagen, Autofahrten und beheizte Läden: Treibhausgasemissionen verursachen Einkäufe immer.
  • Wissenschaftler des Umweltbundesamtes haben nun untersucht, welche Art des Shoppens besser fürs Klima ist.
  • Ihr Fazit: Meistens haben Onlinekäufe eine etwas bessere Klimabilanz – andere Schritte im Lebenszyklus eines Produkts verursachen aber viel mehr CO₂.
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Online bestellen oder im Laden kaufen: Welche Variante besser für das Klima ist, dazu hat das Umweltbundesamt (UBA) nun einen Teilbericht veröffentlicht. „Die Ökologisierung des Onlinehandels“ lautet der Titel der Studie. Vorrangig beschäftigt sie sich damit, wie nachhaltig der Onlinehandel schon ist und noch werden kann. Ein Ergebnis der UBA-Wissenschaftler ist aber auch, dass Onlineshoppen etwas besser für die Umwelt ist – meistens jedenfalls.

Grund dafür sind laut den Forschern vor allem die „deutlich höhere Energieeffizienz von großen Lagern“ von Versandhändlern sowie die Tatsache, dass Waren in Lieferfahrzeugen gesammelt transportiert werden und nicht jeder im eigenen Auto zum Laden und zurück fährt.

Immer mehr Onlinekäufe

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Doch Transportwege sind nicht die größten CO₂-Verursacher im Lebenszyklus von Produkten. Bis zu drei Viertel der Treibhausgase entstehen laut der UBA bereits bei der Herstellung, nur bis zu 10 Prozent beim Transport. „Ob wir online oder im Geschäft einkaufen, ist nicht so entscheidend für unsere Klimabilanz“, schlussfolgert Dirk Messner, Präsident des UBA.

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Herstellung, Lagerung, Transport und Entsorgung: Nicht auf alles hat der Endverbraucher einen direkten Einfluss. Beim Transport können sich Kunden aber gegen das Auto und für das Fahrrad entscheiden. Auch, wenn der Transport im Vergleich zur Herstellung wenig CO₂ verbraucht, merken wir diese Auswirkung unseres steigenden Onlinekonsums beinahe jeden Tag – besonders, wenn wir in der Stadt wohnen. Zwischen 2014 und 2018 haben Kurier-, Express- und Paketdienste laut den UBA-Forschern 27 Prozent mehr Sendungen ausgeliefert.

Letzte Meile ist sehr klimarelevant

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Und die ganzen Fahrzeuge brauchen Platz. Viele blasen Abgase in die Luft. Menschen litten unter der höheren Belastung durch Feinstaub und den Lärm der vielen Fahrzeuge. Außerdem verursache das häufige Parken in zweiter Reihe der Lieferfahrzeuge zusätzliche CO₂-Emissionen, weil andere Autos durch das Umfahren häufiger Bremsen und Beschleunigen müssten.

Den Weg zwischen Paketzentrum und Haustür bezeichnet man als letzte Meile. Sie halten die UBA-Forscher und viele ihrer Kollegen für besonders klimarelevant – und gleichzeitig für am ehesten zu optimieren. Durch moderne Fahrzeuge wie Elektroautos und Lastenfahrräder und das Liefern zu anderen Zustellorten ließen sich hier einige CO₂-Emissionen einsparen. Das Gleiche gilt für Retouren. Vernichten Händler sie, statt sie wieder zu verkaufen, ist das nur wenig ökologisch.

Verpackungen verbessern

Weiteres Verbesserungspotential sehen die Wissenschaftler bei der Verpackung. Kartons und Füllmaterial sind Müll, der im stationären Einzelhandel nicht in diesem Maße anfällt. Waren direkt in der Produktverpackung zu versenden oder Mehrwegverpackungen zu nutzen, könne hier Abhilfe schaffen. Auch den Stromverbrauch von Servern und Computern beim Einkauf im Web bedenken sie.

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Stationäre Geschäfte wiederum verbrauchen Ressourcen, damit sie angenehm warm und hübsch beleuchtet sind. Einige Kunden nutzten Beutel aus Papier oder Plastik, häufig als Einmalprodukt, um ihre Einkäufe nach Hause zu schleppen. Außerdem gehen viele der von den Wissenschaftlern analysierten Studien davon aus, dass Menschen mit ihrem Auto zum Laden fahren, statt zu radeln oder zu Fuß zu gehen. Da ist der Lieferwagen mit vielen Paketen dann umweltfreundlicher.

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Onlinekauf ersetzt nicht Fahrt zum Laden

Und auch indirekte Effekte des Onlinehandels haben die UBA-Wissenschaftler analysiert. So könne „der niedrigschwellige Onlinekauf zum vereinzelten Erwerb von Produkten führen“, also zu mehr Verpackungsmüll und Lieferwegen. Außerdem: Ein Onlinekauf ersetze nicht automatisch eine Fahrt zum Laden. Das gesparte Geld und die gesparte Zeit durch den Kauf im Internet nutzten manche Menschen, um weitere Dinge zu kaufen oder zu unternehmen, die sich schädlich auf das Klima auswirkten. Zuletzt könnten im Webshop „neue Begehren geweckt“ werden, die dazu verführten, die online entdeckten Produkte im Geschäft einen Ort weiter zu suchen. Alle der genannten Punkte verursachten CO₂-Emissionen, die vermeidbar wären.

Eine simple Antwort, ob Online- oder Ladenkauf pauschal besser für das Klima ist, gibt es also nicht. Welches Transportmittel Käufer nutzen und wie energieeffizient ein Ladengeschäft oder Lager gebaut sind und betrieben werden, ist für die Gesamtklimabilanz eines Produktes von Belang.

Handel kann Situation verbessern

Wer möglichst ökologisch einkaufen will, dem empfiehlt UBA-Präsident Dirk Messner, langlebige Produkte anzuschaffen, die umweltfreundlich hergestellt sind. Am besten kaufe man diese im Laden im eigenen Viertel, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen ist.

Doch die Studienautoren sehen auch den Handel in der Verantwortung. Der könne „Katalysator für Veränderungen von Konsummustern“ sein. Denn Händler haben beispielsweise die Möglichkeit, den Konsum anderer Produkte zu fördern und Retouren als B-Ware wieder zu verkaufen, statt sie zu vernichten.

Info: Wie die Studie aufgebaut ist

Für die Studie „Die Ökologisierung des Onlinehandels“ haben Wissenschaftler systematisch Literatur und ökologische Studien ausgewertet. Die meisten dieser Studien verglichen Onlinehandel mit dem Einkauf im stationären Handel. Die Studie besteht aus vier Teilberichten: einer ökologischen Bewertung, der Bildung von Szenarien für die zukünftige Ausgestaltung des Onlinehandels, umweltpolitische Empfehlungen und Beratungsangebote für das beim UBA angesiedelte Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum. Bisher ist nur der erste Teilbericht veröffentlicht. Er beschäftigt sich mit physischen Waren und nicht mit beispielsweise Streamingangeboten.

RND



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