Wie Neuseelands heißer „Blob“ das Klima beeinflusst

  • Seit 2013 haben Forschende ein Auge auf eine Warmwassermasse, die sich im Meer vor Neuseeland gebildet hat.
  • Eine Studie zeigt nun, dass der „Blob”, wie sie ihn getauft haben, eine extreme Dürre in Südamerika begünstigt.
  • In Chile beeinträchtigt die Dürre offenbar bereits die Wasserversorgung.
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Normalerweise regnet oder schneit es im Juli in Chiles Hauptstadt Santiago. Doch dieses Jahr blieb der erwartete Niederschlag erneut aus. Die normalerweise schneebedeckten Anden sind weitestgehend kahl, Felder und Flüsse sind ausgetrocknet. Das südamerikanische Land leidet an einer historischen, zehn Jahre andauernden Dürre.

Wasserversorgung des Landes wird beeinträchtigt

Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass eine große Warmwassermasse vor der Küste Neuseelands einen Hochdruckkamm über dem Südpazifik erzeugt hat, der Stürme daran hindert, Chile zu erreichen. Stattdessen werden die Wettersysteme in Richtung Westantarktis abgelenkt. Dieser „Blob“, wie Forscher aus Neuseeland und Chile ihn nennen, hat zu der jahrzehntelangen Dürre beigetragen, die Chile und andere Teile Südamerikas heimgesucht hat. Die aktuelle Analyse, die im „Journal of Climate“ veröffentlicht wurde, arbeitet mit Computersimulationen, die zeigen, wie der „Blob“ einen Hochdruckkamm bildet und wie dieser wieder verschwindet, sobald man die Warmwassermasse aus dem Modell entfernt.

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Laut eines Berichts des „Guardian“ beeinträchtigt die anhaltende Dürre in Chile inzwischen bereits die Wasserversorgung des Landes. Der Wissenschaftsminister Andres Couve sagte diesen Monat, dass der Rückgang der Wasserreserven aufgrund des Klimawandels inzwischen „nationale Priorität“ habe.

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„Blob“: In etwa so groß wie Australien

Während die Meeresoberflächentemperatur zwischen 1979 und 2018 im globalen Durchschnitt um etwa 0,5 Grad Celsius gestiegen ist, hat sich die Temperatur des „Blobs“ während der Wintersaison von Mai bis September um 1,5 Grad erhöht. Die Warmwassermasse, die rund acht Millionen Quadratkilometer und damit in etwa so groß wie Australien ist, soll bis in eine Tiefe von etwa 100 Metern reichen. Sie soll – so vermuten Forscher – in den letzten Jahrzehnten bis zu einem Viertel der absorbierten globalen Wärme aufgenommen haben.

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Insgesamt hat das Meer seit den 1970er-Jahren mehr als 90 Prozent der vom Planeten gewonnenen Wärme absorbiert. Dies hat zu längeren und häufigeren Hitzewellen in den Ozeanen und in der Folge zu Korallenbleichen geführt. Außerdem wurde das Meer zur Energiequelle für stärkere Stürme. Dafür verantwortlich ist letztlich der Klimawandel.

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Studie: Klimawandel macht Flutkatastrophen wahrscheinlicher
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Mit steigenden Temperaturen werden Extremwetterereignisse wie Flutkatastrophen häufiger auftreten, bestätigen Forscher in einer aktuellen Analyse.  © dpa

Eine ganze „Familie“ an Problemen

Und auch beim „Blob“ zeigen die Computermodelle laut den Wissenschaftlern, dass der Temperaturanstieg so schnell vonstatten ging, dass er nicht auf natürliche Schwankungen zurückgeführt werden kann. Selbst wenn die Warmwassermasse einst „durch natürliche Prozesse ausgelöst“ worden sei, wie einer der Autoren der Studie – Kyle Clem von der Victoria Universität in Wellington – dem lokalen neuseeländischen Medium „Stuff“ sagte, hätten die vom Menschen verursachten Treibhausgase den Prozess in den vergangenen Jahrzehnten nochmal deutlich beschleunigt. Unklar ist bisher, wann oder ob sich der „Blob” auch wieder verkleinern oder sogar ganz auflösen könnte.

Der Pazifik gilt insgesamt als wichtiger Lenker für das Klima. Die pazifischen Klimaphänomene El Niño und La Niña (Spanisch für „Junge/Kind” und „Mädchen“) sind ein Beispiel dafür. Beim El Niño liegen die Temperaturen des Oberflächenwassers im Südostpazifik beispielsweise über mehrere Monate hinweg um mehr als 0,5 Grad über dem Durchschnitt. In Australien und Indonesien herrscht dann Trockenheit, für Peru, Equador oder Kalifornien bringt El Niño Regen und Überschwemmungen.

Klimaerwärmung macht Wellen stärker

Weniger bekannt sind dagegen zwei weitere pazifikspezifische Phänomene, die El Tio oder La Tia genannt werden – was so viel heißt wie „Onkel” oder „Tante”. Gemeint ist damit die Interdekadische Pazifische Oszillation (IPO), eine periodisch wiederkehrende Klimaschwankung, die ebenfalls Windmuster und Meerestemperaturen des Pazifiks beeinflusst.

Die Erwärmung des Klimas „füttert” im Pazifik aber nicht nur Phänomene wie den beschriebenen „Blob” oder lässt den Meeresspiegel ansteigen. Eine weitere Studie zeigte vor Kurzem, wie sie vor allem auf der Südhalbkugel auch Wellen deutlich stärker und damit gefährlicher macht. Die Küsten von Süd- und Westaustralien oder die pazifischen Inseln sind davon beispielsweise betroffen und müssen unter anderem mit mehr Erosion rechnen.

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