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Neue Studie: Der Klimawandel macht Spinnen aggressiv

Die Gesellschaftsspinne (Anelosimus studiosus) lebt rund um den Golf von Mexiko.

Die Gesellschaftsspinne (Anelosimus studiosus) lebt rund um den Golf von Mexiko.

Der Klimawandel äußert sich zuvörderst in Extrem-Wetterlagen, die in der jeweiligen Region bisher unüblich waren. Das gilt auch für vermehrt und verheerender auftretende Tropenstürme. Wissenschaftler sagen auch eine Zunahme der sogenannten Schwarzer-Schwan-Ereignisse voraus. Sie heißen so, weil sie mit einer bisher unbekannten Zerstörungskraft auftreten.

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Eine Studie hat jetzt ergeben, dass diese Phänomene sich auch auf das Verhalten von sogenannten Gesellschaftsspinnen (Social Spider) auswirkt. Je aggressiver sie sich verhalten, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie die katastrophalen Stürme überlebten und ihre Eigenschaften an die nächsten Generationen weiter gäben.

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Schwarze Schwäne und Kannibalen-Spinnen

"Es ist extrem wichtig, die Auswirkungen dieser ,Schwarze-Schwan-Ereignisse' auf die Umwelt, sowohl was Evolution als auch natürliche Auslese betrifft, richtig einzuordnen", sagt der Evolutionsbiologe Jonathan Pruitt von der amerikanischen McMaster University in Kalifornien. Er ist Coautor einer in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie, die Verhaltensänderungen bei der Spinnenart "Anelosimus studiosus" erforscht hat, die rund um den Hurrikan-geplagten Golf von Mexiko lebt.

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"Das stetige Ansteigen der Meeresspiegel sorgt dafür, dass tropische Stürme häufiger auftreten", sagte Pruitt der Wissenschaftsplattform "EurekAlert" der AAAS, der "American Association for the Advancement of Science". "Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir uns mit den ökologischen und evolutionären Konsequenzen dieser Stürme für nicht-menschliche Tiere beschäftigen."

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Ein Teil ist tolerant, der andere aggressiv

Die Spinnenart "Anelosimus studiosus" nistet in Kolonien in dreidimensionalen Haubennetzen. Einige Hundert Weibchen können in diesen Netzen leben, die ufernah über Gewässern wie Seen oder Flüssen hängen. Aber die Tiere leben dort nicht in einer harmonischen Idylle. Denn sie sind in ihrem Verhalten zwei Gruppen zuzuordnen. Einige Spinnen sind tolerant und recht friedlich, während andere deutlich aggressiver sind. Da sie häufig Seite an Seite in derselben Kolonie leben, gilt: Je höher die Anzahl der aggressiven Spinnen in der Kolonie, desto aggressiver die Gesamtpopulation. Die Aggression wird im übrigen vererbt. Die aggressiveren unter den Spinnen sind diejenigen, die schneller reagieren – sowohl auf Angreifer wie auch auf potenzielle Beute. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre eigene Art attackieren und etwa Gelege oder Männchen auffressen, ist weitaus höher als bei den friedliebenden Tieren. Doch wenn es ums nackte Überleben geht, sind die Aggro-Spinnen wesentlich besser gerüstet.

Die Gesellschaftsspinnen bauen große, dreidimensionale Haubennetze, in denen hunderte Weibchen wohnen.

Die Gesellschaftsspinnen bauen große, dreidimensionale Haubennetze, in denen hunderte Weibchen wohnen.

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Aggressivität: entscheidender Faktor fürs Überleben

"Die Aggressivität der eigenen Kolonie wird auch auf weitere Kolonien vererbt – von der Eltern- zur Kinderkolonie – und ist ein entscheidender Faktor für das Überleben der Gesellschaftsspinnen, deren Fruchtbarkeit in den Kolonien und ihr standortbezogenes Verhalten", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Zudem hänge die Aggressivität der Spinnen auch von den Ressourcen in ihrer Umgebung ab – die sich durch die Tropen-Zyklone auch häufig ändern, so die Forscher.

Um herauszufinden, welchen Effekt die Stürme auf das Verhalten der Spinnen haben, warteten die Wissenschaftler, bis die Route eines Sturms nach seinem Landfall vorhergesagt wurde. Danach entnahmen sie den entsprechenden Kolonien, die auf der Sturmroute lagen, Stichproben. Innerhalb von 48 Stunden nachdem der Sturm weiter gezogen war, nahmen sie erneut Stichproben. Zusätzlich zählten sie die Eierkapseln und die Überlebensrate der Jungtiere in jeder Kolonie. Drei große Sturmereignisse des Jahres 2018 und insgesamt 240 Spinnenkolonien wurden zur Auswertung herangezogen.

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Das Überleben des Kannibalen

Das Ergebnis war eindeutig: 75,42 Prozent aller vom Sturm betroffenen Kolonien überlebten. Die tropischen Stürme selektierten sozusagen den Phänotypen des aggressiven Bewohners – die produzierten nach den Unwettern jeweils mehr Eierkapseln und hatten gegen Winter mehr Jungtiere durchgebracht als die Vergleichskolonien in ruhigen Wetterzonen.

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Dieser Trend blieb über mehrere Sturmereignisse hinweg konsistent, die sich durch Stärke, Dauer und Intensität unterschieden. "Das bedeutet", so die Fortscher, "dass diese Effekte nicht zufällig oder spezifisch sind, sondern robuste evolutionäre Antworten auf Hurrikans, Zyklone und Tropenstürme – und das über fünf Breitengrade hinweg."

Ob es nun daran liegt, dass eine aggressivere Population Eindringlinge besser abwehren kann oder dass der Mangel mütterlicher Betreuung und Ernährung die Jungtiere zu wahren Überlebenskünstlern macht, sei indes noch unklar. Allerdings legt die Studie nah, dass der menschgemachte Klimawandel eine Apokalypse wütender Spinnen auszulösen vermag.

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Von Daniel Killy/RND

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