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Neue Artenvielfalt im Plastikabfall der Tiefsee – warum das nicht erfreulich ist

  • Ein Forscherteam aus China und Deutschland ermittelte einen neuen Hotspot der Biodiversität – im Plastikmüll in Tiefseegräben.
  • Fast 50 neue Arten, unter anderem Pilze, Korallen und Schnecken, wurden analysiert.
  • Das ist allerdings nicht immer ein gutes Zeichen, vielmehr sind die Ökosysteme der Meere in Gefahr.
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München. Die Sorge um die Folgen von Plastik in den Meeren ist groß. Der Müll bedroht aber nicht nur Arten – er kann auch Lebensraum sein. Ein internationales Team von Forschern aus China und Deutschland fand einen neuen Hotspot der Biodiversität – und zwar ausgerechnet im Plastikmüll, der sich seit Jahrzehnten in den Tiefseegräben der Erde ansammelt. Dort habe sich ein artenreiches Ökosystem entwickelt.

Problem: Ausbreitung führt zu verändertem Ökosystem

„Es ist das erste Mal, dass man die auf dem Plastik sitzende Fauna genau ansieht“, sagte der an der Studie beteiligte Zoologe Bernhard Ruthensteiner von der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) am Donnerstag. Allerdings sei die neue Vielfalt nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Denn die Ausbreitung bestimmter Organismen könne zu Veränderungen in den Ökosystemen der Meere führen. Die Studie wurde in der zoologischen Fachzeitschrift „Environmental Science & Technology Letters“ veröffentlicht.

Das Team um Xikun Song von der Universität Xiamen in China, Ex-Gastwissenschaftler an der SNSB-ZSM, hatte Plastikmüll in einem Tiefseegraben im Südchinesischen Meer mit Hilfe eines bemannten Tauchboots untersucht. In 1700 bis 3200 Metern Tiefe lagerten dort rund 52.000 Plastikteile pro Quadratkilometer.

Fast 50 neue individuelle Arten entdeckt

Die Wissenschaftler fanden 49 Arten, die offensichtlich auf und in den Lebensmittelverpackungen, Tüten oder Flaschen lebten. Darunter waren festsitzend lebende Tiere wie Pilze, Korallen oder Seepocken, aber auch freilebende Flachwürmer und Schnecken. „Die Formenfülle aber auch die Individuen-Dichte auf einzelnen Stücken hat uns überrascht“, sagte Ruthensteiner. „Sehr viele Organismen brauchen feste Materialien, um sich fortpflanzen zu können“, erläuterte der Zoologe. An vielen Stellen sei der Meeresboden aber weich und schlammig. Das sei wahrscheinlich der Grund für die Ansiedelung

Das Team befasste sich nicht mit den Folgen von Mikroplastik, das die Artenvielfalt schädigt. Auch große Plastikteile können für Tiere gefährlich sein, etwa wenn sie die Stücke mit Nahrung verwechseln und fressen. Teils bleiben Tiere auch in Plastikmüll stecken.

RND/dpa

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